III. Chronik der Schule.
Das Schuljahr begann mit der Prüfung der neueintretenden Schüler am 4. u. 5. October, der Un⸗ terricht nahm in herkömmlicher Weiſe am 6. October ſeinen Anfang.
Durch Verfügung des Königl. Prov. Schul⸗Collegiums v. 16. März rückte der bisherige 3. Gymnaſ.⸗ Lehrer Dr. Häniſch in die durch den Abgang des Dr. Behrns vakant gewordene 2. Gymnaſ.⸗Lehrerſtelle auf. Die Beſchäftigung des Dr. Glaſer als wiſſeenſchaftl. Hülfslehrers dauerte noch fort.— Am 24. Juni ſiedelte der Herr Pfarramts⸗Verwalter Querbach, welcher den kathol. Religionsunterricht am Gymnaſium er⸗ theilt hatte, von Wetzlar als Pfarrer nach Tholay über. Zum Nachfolger deſſelben in Ertheilung des kathol. Religionsunterrichts wurde der Herr Kaplan Maur unterm 6. Aug. a. c. vom Königl. Prov. Schul⸗Colleg. ernannt.— Der Herr Cantor Strunk hat ſich leider durch ſeinen Geſundheitszuſtand genöthigt geſehen ſeine Entlaſſung als Geſanglehrer des Gymnaſiums nachzuſuchen, und iſt ihm dieſelbe durch Verfügung des Königl. Prov. Schul⸗Colleg. zum Schluß des Schuljahres gewährt ſo wie die Uebertragung dieſes Unterrichts an den Herrn Kapellmeiſter Merſtedt genehmigt worden. Wir ſehen mit großem Bedauern denſelben aus dieſer Stellung ſcheiden, in der er mit großem Eifer und Erfolg gewirkt hat.
Unter d. 24. November 1865 wurde dem 2. Oberlehrer Elſermann in Anerkennung ſeiner lang⸗ jährigen geſegneten Wirkſamkeit an unſerem wie an anderen Gymnaſien und Realſchulen von dem Königl. Mi⸗ niſterium der geiſtl. ꝛc. Angelegenheiten der Profeſſortitel verliehen. Zu unſerer Betrübniß iſt der Geſundheits⸗ zuſtand dieſes uns Allen ſo werthen Collegen ſeit längerer Zeit ſo angegriffen, daß derſelbe darauf antrug, es möge dem Candidaten des höheren Schulamts Fr. W. Brauneck, welcher mit dem 1. Juli ſein Probejahr am hieſigen Gymnaſium abſolvirt hatte, ein Theil ſeines Unterrichts noch weiter übertragen bleiben, was die Behörde durch Verfügung vom 4. Juni genehmigte.
Der Krieg, in welchen unſer Vaterland im Laufe des Sommers verwickelt wurde, äußerte auch auf unſer Gymnaſium ſeine Einwirkungen. Der 3. Oberlehrer Dr. Gerhard wurde am 14. Mai als Compag⸗ nieführer zu ſeinem Truppentheile einbeordert und iſt vis jetzt noch nicht wieder zurückgekehrt. Die Unterrichts⸗ ſtunden deſſelben mußten unter die übrigen Lehrer vertheilt werden, was ſich in Folge des hingebenden Eifers derſelben ohne große Aenderungen in den übrigen Stunden bewirken ließ. Mit dem Anfange des neuen Schul⸗ jahres wird vorausſichtlich, Dank der bewunderungswürdigen Raſchheit, mit welcher der Krieg zu einem glor⸗ reichen Ende geführt iſt, der Dr. Gerhard unſerer Schule wiedergegeben ſein.— Da der bisherige Turn⸗ lehrer Vice⸗Feldwebel Ludwig vom hieſigen Rheiniſch. Jäger⸗Bataillon No. 8 mit ſeinem Bataillon nach Böhmen zog, ſo übergab durch Verfügung vom 29. Mai das Prov. Schul⸗Colleg. dieſen Unterricht dem Di⸗ reckor Lorenz, der ſchon früher in den Schuljahren 1862 u. 1863 denſelben geleitet hatte.
Im Uebrigen hatte der Krieg, obgleich der Kreis Wetzlar als Enclave vom Großherzogth. Heſſen und Herzogthum Naſſau eingeſchloſſen liegt, keine Einwirkung auf den Gang des Unterrichts, als daß am 4. Juli, an welchem früh Morgens, 2 Regimenter Badiſcher Infanterie einen Requirirungszug nach unſerer Stadt mach⸗ ten, kein Unterricht ſtatt finden konnte, da das Gymnaſial⸗Lehrgebäude von 2 Compagnien in Beſchlag genom⸗ men wurde. Doch ſchon Mittags rückte das ganze Korps wieder rückwärts auf Frankfurt zu.
Am 27. Juni, an welchem Tage auf Allerhöchſten Erlaß vom 18. Juni die Abhaltung eines allge⸗ meinen Bettages bei dem Eintritt in den Krieg angeordnet war, verſammelten ſich Lehrer und Schüler der An⸗ ſtalt in dem großen Schulſale, und nachdem der Director den Allerhöchſten Erlaß verleſen und mit Zugrunde⸗ legung von Pſalm 27, 1— 9 die Bedeutung der zu begehenden kirchlichen Feier kurz augedeutet hatte, begaben ſich Alle zur Theilnahme an derſelben zuſammen in die Kirche.
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