Jahrgang 
1865
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brauch genommen wurde. Seitdem begleitet es allmorgentlich die Geſänge bei unſeren Morgenandachten. Am Abende dieſes Tages vereinigten ſich die Eltern unſerer Schüler mit den Lehrern und Schülern zu einem hei⸗ teren und einfachen Feſte in den Räumen unſeres altehrwürdigen Römiſchen Kaiſers. Durch die Errichtung jener neuen Schullokale iſt einem namentlich in den letzten Jahren lebhaft empfundenen Bedürfniſſe wenigſtens theilweiſe abgeholfen, und ſpricht der Unterzeichnete hiedurch im Namen der Anſtalt nochmals ſeinen herzlichſten Dank für eine beträchtliche aus ſtädtiſchen Mitteln der Gymnaſialkaſſe für dieſen Zweck(die Parallelklaſſen ſollten zugleich ein Unterkommen in den neuen Räumen finden) gewährte Beihülfe aus; ohne dieſelbe hätten wir, da unſere Kaſſe den Bau aus ihren eigenen in den letzten Jahren geſammelten Ueberſchüſſen beſtreiten mußte, etwas kleiner bauen müſſen.

Am 22. März vereinigte wieder die Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Königs die Anſtalt und eine Anzahl von Bewohnern unſerer Stadt und Umgegend in den feſtlich geſchmückten Räumen unſerer Aula. Geſänge der Schüler wechſelten mit Declamationen und Reden. In der Feſtrede zeigte der Oberlehrer Elſermann den innigen Zuſammenhang, welcher ſtets das Preußiſche Königshaus mit dem Volke verbunden habe, und wie die Ereigniſſe des letztverfloſſenen Jahres, das mannhafte Eintreten für das Recht des unter⸗ drückten Bruderſtammes in Schleswig-Holſtein, dieſes Band nur noch enger geknüpft habe. Der Primaner Roth ſchilderte in ſeiner Rede die Gefahren, welche vor einem halben Jahrhundert, im J. 1815, deutſche Frei⸗ heit und Selbſtſtändigkeit aufs Neue bedrohten und wie der Väter Thatkraft mit einem gewaltigen Schlage den Bedränger zu Boden ſchlug.

Vom 3. 6. April erfreuten wir uns der Anweſenheit des Herrn Geheimen Regierungsrathes Dr. Landfermann, welcher eine Reviſion des Gymnaſiums vornahm.

Am 15. Mai beging die Anſtalt die öffentliche Feier der 50 jährigen Verbindung der Rhein⸗Provinz mit dem Königreiche Preußen. Die Feſtrede des Oberlehrers Dr. Gerhard wies nach wie große Segnungen auf allen Lebensgebieten aus dieſer Vereinigung für die Provinz hervorgegangen ſind, indem ſie den Zuſtand der Rheinlande vor und nach dieſem Ereigniſſe mit einander verglich. Der Primaner G. Bepler führte in⸗ ſeiner Rede die Hauptmomente in der Entwicklung des geiſtigen Lebens des deutſchen Volkes vor, Ritterthum, Reformation, Freiheitskriege.

Da die Frequenz der im Herbſt 1864 auf den Wunſch des Magiſtrates und unter deſſen Garantie für die Beſoldung des an denſelben anzuſtellenden Lehrers eingerichteten Parallel⸗Claſſen in Folge ver⸗ ſchiedener äußerer Verhältniſſe, namentlich in Folge der den Beſuchern derſelben hier wie an andern Gymnaſien, mangelnden Berechtigung zum einjährigen Militärdienſt, immer geringer wurde(im verfloſſenen Winter befand ſich in jeder dieſer Claſſen ein einziger Schüler), ſo dachte die Direction ſchon ſeit längerer Zeit auf die Auf⸗ hebung derſelben. Als daher der für dieſelben berufene Gymnaſiallehrer Herr Lücke ſich entſchloſſen hatte eine vortheilhafte Berufung an das Domgymnaſium in Schleswig zum 1. Mai anzunehmen, ſo beantragte der Un⸗ terzeichnete bei dem Königl. Miniſterium die Aufhebung jener Claſſen. Herr Gymnaſiallehrer Lücke, der mit hingebendem Eifer an denſelben gewirkt hatte, erhielt zum 1. Mai die erbetene Entlaſſung, und durch Miniſte⸗ rial⸗Reſcript vom 20. Mai wurden jene Claſſen aufgehoben.

Zu ſeinem großen Schmerze ſah das Lehrer⸗Collegium ſich in dieſem Schuljahre genöthigt 5 Schüler von der Anſtalt auszuſchließen.

Zu betrauern hatte die Anſtalt den Tod des Turnlehrers Kanzeliſten Thrun, welcher am 26. Juli erfolgte. Mit ausgezeichneter Gewiſſenhaftigkeit hatte er bis eine Woche vor ſeinem Tode den Turnunterricht geleitet. Am 28. Juli gaben ihm Lehrer und Schüler das letzte Geleite; wie ſie auch am 19. Januar d. J. den früheren Gymnaſiallehrer Herr, welcher, nachdem er 45 Jahre lang dem Schuldienſte und 30 J. dem hieſigen Gymnaſium ſeine Kräfte treu und ſegensreich gewidmet hatte, im Januar 1855 auf ſeine Bitte in Ruheſtand verſetzt worden war, zu Grabe begleitet hatten.

Am 1. Juli trat der Candidat des höheren Schulamtes Fr. W. Brauneck aus Wetzlar ſein Probe⸗ jahr für den Unterricht in Mathematik und Naturwiſſenſchaften an. Da gerade zu derſelben Zeit ein länger