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hatte ſich darauf das Collegium vereinigt, um dem Jubilar als Zeichen des Andenkens eine ſilberne Doſe zu überreichen zugleich mit einer lat. Ode, welche Prof. Dr. Schirlitz für dieſe Feier verfaßt hatte. Darauf erſchienen auch die Schüler und übergaben nach dem Geſang einiger vierſtimmiger Lieder ihrem geliebten Lehrer als Beweis ihrer Anhänglichkeit und Achtung einen Ruheſeſſel. Acht Tage ſpäter hatte noch ein Theil der Bürger⸗ ſchaft, meiſtens frühere Schüler, unter Heranziehung der beiden Lehrer Elſermann und Hanſen dem Ju⸗ bilar zu Ehren ein Feſteſſen veranſtaltet, an welchem ſich vorzüglich die früheren Schüler in der Stadt und Umgegend zahlreich betheiligten.
An demſelben Tage ſchied auch der Maler Stuhl aus unſerer Mitte, der mit dankenswerther Bereit⸗ willigkeit ein Jahr hindurch den Unterricht im Zeichnen und Schreiben an unſerer Schule übernommen hatte. Auch ihm überreichten die Schüler an demſelben Tage zum Andenken ein ſchönes Schreibgeſchirr. Dem Gymn.⸗ Lehrer Rüttger, welcher gewünſcht hatte, um ſich der ungetheilten Wirkſamkeit an unſerem Gymnaſium hin⸗ geben zu können, den Zeichen- und Schreibunterricht wieder zu übernehmen und dafür ſeine Privatanſtalt für Mädchen aufzugeben, war die Erlaubniß dazu unter dieſer Bedingung ertheilt worden.
Die Oſterferien dauerten bis zum 20. April, an welchem Tage die Schule in feierlicher Weiſe mit einer Anſprache des Unterz., mit Verleſung der Schulednnn und Einführung einiger neu aufgenommener Schüler wieder eröffnet wurde.
Am 2. Juni fiel der Unterricht wegen des Synodalgottesdienſtes aus.
Am 3. Juni wohnte der Generalſuperintendent Dr. Schmidtborn, der zur Synode hier anweſend war, dem Religionsunterrichte in V. und I. bei.
Am 9. Juni mußte der Unterricht wegen der gottesdienſtlichen Feier am Guſtav-Adolfs-Feſte ausfallen.
Am 15. Juni fiel am Nachm. der Unterricht, der ohnedies durch die Theilnahme vieler Schüler an dem landwirthſchaftlichen Feſte geſtört war, wegen der großen Hitze aus.
Am 29. Juni fand die feierliche Vertheilung der Vierteljahrszeugniſſe an die Schüler ſtatt; der fol⸗ gende Tag wurde zu einer Turnfahrt der Schüler zum Theil unter Leitung des Turnlehrers Hanſen und in Begleitung der Oberlehrer Elſermann, Dr. Fritſch und des Unterz. nach Hohenſolms benutzt.
Am 31. Juli fand unter dem Vorſitz des Regierungs⸗ und Schulraths Dr. Landfermann das münd⸗ liche Abiturienteneramen ſtatt, in welchem die 5 Abiturienten, 2 darunter ohne mündliche Prüfung, das Zeugniß der Reife erhielten.*)
Am Anfange des Winterhalbjahrs betrug die Schülerzahl 126: unter dieſen waren 113 evangeliſche, 13 katholiſche; 85 einheimiſche, 41 auswärtige Schüler; und zwar 7 in I, 24 in II., 22 in III, 24 in IV., 23 in V., 26 in VI. Im Laufe des Winterhalbjahrs und zu Oſtern verließen die Anſtalt 9 Schüler, blieben 117.
Am Anfange des Sommerhalbjahrs betrug, da zu Oſtern 6 neue Schüler aufgenommen wurden, die Schülerzahl 123: unter dieſen waren 110 evangeliſche, 13 katholiſche; 81 einheimiſche, 42 auswärtige Schüler,
*.) Die ſchriftlichen Arbeiten für die Abiturienten waren in der Religion: Was ſoll ich thun, daß ich ſelig werde?; im Deutſchen: Der Werth der gymnaſtiſchen Uebungen; im Latein.: Quae causae fuerint Romanis Carthaginis delendae; in der Mathem.;: 1) In einem Gemeindewalde, der 10000 Klafter Holz enthält, und deſſen Zuwachs jährlich 5% beträgt, werden zu Ende eines jeden Jahres 800 Klafter Holz geſchlagen. Wie viel Klafter wird der Wald nach 10 Jahren noch enthalten? 2) In einen Kreis, deſſen Radius= 100 iſt, iſt ein Dreieck beſchrieben, deſſen Winkel 40°, 60°, 80° ſind. Wie groß iſt der Radius des in dieſes Dreieck beſchriebenen Kreiſes? 3) Nachdem ein Körper auf einer ſchiefen Ebene von 5° Neigung gegen den Hori⸗ zont 1000 heruntergelaufen iſt, gelangt er auf eine hortzontale Ebene. Mit welcher Geſchwindigkeit wird er ſich auf dieſer fort⸗ bewegen? 4) Ein Dreieck zu zeichnen, von welchem gegeben ſind: der Winkel an der Spitze, das Verhältniß der aus den End⸗ punkten der Grundlinien auf die Seiten gefällten Lothe und der Radius des in das Dreieck beſchriebenen Kreiſes.


