Die Erziehung der Jugend für ihren himmliſchen und irdiſchen Beruf.
Antrittsrede.
rzeen
Hochverehrte Verſammlung! jetzt wo ich zum erſten Male in Ihre Mitte trete, um von nun an mit Gottes Hülfe die Leitung dieſer Anſtalt in meine Hand zu nehmen, erwarten Sie mit Recht, daß ich es vor Ihnen ausſpreche, in welchem Sinn und Geiſt ich dies mir auferlegte Amt erfaſſe und zu führen gedenke. Meine Herren, ich ſtehe wenn auch in Schwachheit doch mit treuer Hingebung im Dienſt meines Herrn und Heilandes, deſſen Gnadenwege mich hierher geführt haben, daß ich unter der Leitung des h. Geiſtes in der mir anvertrauten Jugend ſeine Lämmer weide; ich ſtehe mit Treue und Ergebenheit im Dienſte meines Königs, der mich an dieſe Stelle berufen hat, daß ich mit Ihnen vereint dieſe Knaben und Jünglinge als Chriſti Jünger ausrüſte mit den Waffen ihrer irdiſchen Ritterſchaft, damit ſie lernen ihrem himmliſchen und irdiſchen Könige zu dienen für Zeit und Ewigkeit.
Dies iſt das Ziel, welches mir vorſchwebt, zugleich das Ziel aller chriſtlichen Jugendbildung, ſo daß es heute an dieſem feſtlichen Tage, der uns unter dem Segen des Herrn von nun an zu gemeinſamer Wirk⸗ ſamkeit vereinigt, wohl der Mühe werth iſt, über die Wege, welche zu dieſem Ziele führen, ſich näher zu verſtändigen.
Iſt uns hier zunächſt die Aufgabe geſtellt, die Jugend für ihren himmliſchen Beruf zu erziehen, ſo iſt die Schule doch weder fähig noch ſo anmaßend, dieſe Aufgabe für ſich allein in Anſpruch zu nehmen, ſondern tbeilt dieſelbe einerſeits mit der Familie, andrerſeits mit der Kirche. Die chriſtliche Familie, Schule und Kirche, wie ſie alle drei von einem Geiſt getragen werden und alle drei in dem Dienſt deſſelben Herrn ſtehen, ſo ſollen ſie die reinen Organe ſein für die Gnadenwirkungen des h. Geiſtes an unſerer Jugend und ſollen darum auch in Liebe und Eintracht mit einander für denſelben Zweck der Jugendbildung verbunden ſein. Denn die dreifache erziehliche Thätigkeit, welche von der Familie, Schule und Kirche ausgeht, fällt bei der
Jugend nicht auseinander, ſondern bewegt ſich in und neben einander wie in drei concentriſchen Kreiſen, alſo 1


