Jahrgang 
1930
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flachungsgefahr zu begegnen, muß die Aufbauschule die Gegensätze deuftschen Lebens, wie sie überall in Geschichte und Schrifttum auftauchen, überbrücken durch beharrliches Tiefgehen, durch unermüdliches Suchen nach den inneren Zusammenhängen scheinbar un- vereinbarer Dinge, Menschen, Gruppen, Anschauungen. Der Deutsche hat ein sicheres Oefühl nur für kleine Gemeinschaften, für Familie, Freundschaft, Verein, Partei, Kleinstdat, und aller darüber hinausgehende Gemeinschaftsdrang muß dem unsicheren Gefühl durch bewußztes Erdenken der zusammenfassenden Kräfte anerzogen werden. Dazu dient auch die bewußzte Einführung in fremde Nachbarkulturen: planmätßzig in ihrem Gegensatz zur deutschen Kultur aufgedeckt, sollen sie die eigenen Wesenheiten schneller erkennen lehren. Hierin liegt die Bedeutung des französischen und englischen Unterrichts, der als bloßer Sprachunterricht ebenso arm wäre wie bloße Sprachunterweisung im Lateinischen und Oriechischen.

So lernt jede Anstalt von dem reinen Ursprung der anderen: das Gymnasium sieht dort ein Lebensgefühl aus der vollen Gegenwart schöpfen; die Aufbauschule lernt drüben den Wert eines tief unter verwirrendem Tagesgewühl gehobenen Lebensinhaltes. Das Nahe und das Ferne fördern uns, alt und neu wirken in einem geheimnisvollen Wechsel.