Jahrgang 
1930
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Alt und Neu.

Vorbemerkung des Direktors.

Die Vereinigung des Gymnasiums mit der Aufbauschule bedeutet das Zueinander- zwingen ihrer Herkunft und ihrem Inhalt nach durchaus verschiedener Bildungsstätten. Der Urgedanke des Gymnasiums ist die Entfernung vom immer flutenden und immer undurch⸗ sichtigen Leben des Alltags in ein vergangenes Bildungsgefühl von unbestrittener Größe und von der inneren Ruhe, die alles zu seiner Vollendung und seinem Abschluß gekommene Leben besitzt. Ganz feste Ueberlieferung geworden, war der Bildungsinhalt vornehmlich des Griechentums überaus geeignet, Ziel und Leuchte auf dem Wege aus deutscher Ohn- macht und Zerfahrenheit zu einer wenigstens inneren Fülle und Festigkeit zu werden. Voraussetzung war, daß dieses antike Wesen den gegenwärtigen Menschen zu berühren, anzuregen und zu seiner eigenen Höhe zu treiben vermochte. Das hat für die Zeit des Neuhumanismus vor 150 Jahren durchaus zugetroffen: der griechische Geschichtsinhalt völliger Aufgelöstheit in Zwergstaaten, fast völligen Mangels eines sammelnden Gefühles oder Ziels bot die gleichen Bedingungen für die Schaffung des hochgebildeten, in sich schauenden Einzelmenschen, wie die staatlich zerrissene, gemeinschaftslose, rechflose Zeit, die der Neu- humanismus in Deutschland fand. Als dber das 19. Jahrhundert uns vor neue Fragen grober Staatsschöpfung, großter wirtschaftlicher Bindungen und weiter gesellschaftlicher Brücken- schläge stellte, verlor das griechische Vorbild an unmittelbarer Berührung mit dem gegen- wärtigen Leben. Damit geriet es in die Gefahr, zu erstarren und eine gelehrte Meinung ohne tieferen Zweck zu werden, statt Logos nur noch Wort zu sein. Die Beziehung zum Leben ist danach durch Anbetten und Anwurzeln neuer, gegenwärtigerer Lebensinhalte an den alten, ruhenden Wurzelkern versucht worden; Deutsch, Geschichte, Naturwissenschaften, lebende Sprachen gewannen Schritt für Schritt an Einfluß, alle mit dem Gefühl, stärker an die gelebte Gegenwart gebunden zu sein. Wenn von unsern diesjährigen Peifeprüflingen kein einziger als Wahlfach Latein oder Griechisch, alle die sogenannten Randfächer genommen haben, so enthüllt das die ganze Gefahr des Gymnasiums. Da Latein und Griechisch daber der Geltung nach Hauptffächer geblieben sind, ergibt sich leicht eine lustlose Zwangsbeziehung weiter Schülerkreise zu ihnen, und ihre Lustlosigkeit drückt dann das Gymnasium offen- sichtlicher zu einer bloßen Berechtigungsanstalt herab als die andern, mehr im flutenden Leben wirkenden höheren Schulen.

Nur der Versuch einer Neubelebung der Antike durch innerste Beziehung auf die Gegenwart kann retten. Die führenden Vorkämpfer gymnasialer Bildung suchen heute das Schwergewicht dahin zu legen, wo sich griechisches Denken mit dem unsrigen vielfältiger verschlingt. So ist der Ruf nach Platon laut geworden. Platon, Künder der Liebe als der Menschenbinderin, des neuen Staates als der Stätte gerechter Menschenschichtung, der ldee als der Zusammenfasserin des Zerstreuten und Zerstreuenden, hat allerdings unserer

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