Am 1. Oktober 1903 trat der Professor Dr. Hänisch von seinem Amte zurück, nachdem er seinem Antrage gemäss in den Ruhestand versetzt worden war. Es war ihm ver- gönnt gewesen, 40 Jahre an der Anstalt seines Amtes zu walten, der hiesigen Gymnasial- jugend von seinem reichen Wissen mitzuteilen und sie in das klassische Altertum ein- zuführen, in den Tugenden des Fleisses, des Gehorsams und der Wahrhaftigkeit zu üben, ihr eine Leuchte und ein Vorbild zu sein eines Gott, dem Vaterlande und der Wissenschaft treu er- gebenen Mannes, der den strebenden Jünglingen als Meister voranschritt, es sich aber auch nie verdriessen liess, die Lässigen mit väterlichem Ernste vorwärts zu ziehen und die Irrenden vom ftalschen Wege auf die rechte Strasse zu geleiten. Mit den Mühen des schwierigen Amtes war ihm doch auch Freude die Fülle beschieden: Freude an dem Eindringen in die Wissenschaft und an der Ausübung des Berufes der Jugenderziehung, Freude über das Gelingen der Arbeit und über die Dankbarkeit vieler Schüler und Eltern, die ihm aus der Nähe und Ferne häufig kund gegeben wurde, Freude über die Anerkennung, die er im Freundeskreise und bei seinen Vorgesetzten fand. Der Direktor entliess am 5. August, dem letzten Tage des Sommerhalbjahres, in Gegen- wart sämtlicher Lehrer und Schüler den hochverdienten Lehrer, dessen Name auf dem Ehren- schilde des Gymnasiums mit unauslöschlichen leuchtenden Buchstaben prangt, mit dem Wunsche, dass des Allmächtigen Segen, der ihn bisher auf der Höhe des Lebens begleitet habe, auch fterner mit ihm sei und dass die Sonne, die ihm bisher geschienen, ihm auch erquickend in den nun folgenden heiteren sorgenlosen Lebensabend hineinscheinen möge. Professor Hänisch erwiderte mit herzlichen Abschiedsworten, in denen er seinen Wünschen für die weitere Entwickelung der Anstalt Ausdruck verlieh. Einem Manne, der mit solcher Pflichttreue seinem Amte vorgestanden hatte, sollte die Anerkennung des Königs nicht fehlen. Nachdem ihm das Provinazial-Schulkol- legium schon bei der Entlassung für die während seiner langjährigen Wirksamkeit stets bewiesene hervorragende Treue und Gewissenhaftigkeit seinen Dank hatte aussprechen lassen, wurde ihm mittels Allerhöchsten Erlasses vom 19. September der Königliche Kronenorden 3. Klasse verliehen.
Als Ersatz für ihn trat mit Beginn des Winterhalbjahres der Oberlehrer Wilhelm Bohle, vorher wissenschaftlicher Hülfslehrer der Oberrealschule zu Düren, in das Lehrerkollegium ein.
Der Professor Dr. Gloél wurde zur Schonung seiner Gesundheit bis Pfingsten um einige Unterrichtsstunden entlastet. Vom 30. April bis 9. Mai war der Oberlehrer Claus, vom 17. bis 25. September und vom 16. bis 24. Oktober der Oberlehrer Brass durch Krankheit vom Unter- richt fern gehalten. Vom 18. bis 20. Juni nahm der Unterzeichnete an der 8. Rheinischen Direk- torenversammlung in Bonn teil. Von den übrigen Lehrern waren im Sommerhalbjahr zwei, im Winter- halbjahr vier auf kürzere Zeit zu verschiedenen Zeiten verhindert.
Tagesausflüge wurden unter der Leitung der Klassenlehrer ausgeführt: von der Klasse Quarta am 3. Juli nach Weilburg, von der Klasse Sexta am 23. Juli nach Greifenstein und auf die Dianaburg. Am Nachmittage des 19. Oktober wanderte der Direktor mit den Tertianern auf den Stoppelberg, am 22. Oktober nachmittags führte er mit den Primanern einen Ausflug nach Katzenfurt, Greifenstein, Dianaburg, Ehringshausen aus. An einem freien Nachmittage machten die Obersekundaner mit ihrem Klassenlehrer eine gemeinsame Wanderung.
Am 12. November fiel der Unterricht wegen der Urwahlen zum Landtag aus.


