— 11—
Der Aufführungen gab es noch mehrere. Sie bringen gewiß viel Unruhe mitf, aber auch viel Freude und sicher manchen wertvollen inneren Gewinn. Am 15., 19. und 20. No- November veranstalfeten wir vier Aufführungen, davon eine ausschließlich für die Schule, unter der Flagge:„Volkslieder und Tänze“— am 16. und 17. Dezember spielten wir wieder wie vor drei Jahren in der Hospitfalkirche ein Weihnachtsspiel:„Das GCoftfeskind“ von Hermann. Alle Aufführungen waren außerordentlich stark besucht und ernteten stür- mischen Beifall.
Eine besonders schöne Weihnachtsfeier konnten wir am 21. Dezember begehn. Unsere Mädels haften seit Anfang November für arme Kinder gesammelt: Kleider, Wâsche, Schuhwerk, Biücher und Spielzeug— hatften gewaschen, gendht, geflickt, gestopff, geplãättet, allerdings mit wesentlicher, höchst dankenswerter Unterstützung einiger Damen des Kolle- giums— und so war es mõglich geworden, 55 arme Kinder einmal mit Wäâsche und Klei- dern ganz auszustatften. Die meisten konnten noch Manfel und Schuhwerk dazu bekommen, alle erhielten Spielzeug, ein oder mehrere Bücher und eine Iüte mit Weihnachtsgebãck. Diese Bescherung in unserm Festsaale hatfte ihre eigenen Schönheiten und Werte.
Am 19., 20. und 21. März veranstalteten wir in mehreren Raumen eine Ausstellung von Arbeiten aus dem Zeichen-, Nadelarbeifs-, Werk-, Koch- und Backunterricht. Dabei führten an zwei Tagen etwa 40 Schülerinnen der F.-S. und UII die von ihnen angefertigten Kleider vor. Der Besuch war einfach ungeheuer.
Bei der Pestalozzifeier am 17. Februar sprach Herr Hevymach, bei der Beethoven- feier am 26. März Fräulein Wevers.
Mitteilungen an die Elfern.
Wir weisen die Flfern immer wieder auf die Schulordnung hin und bitten sie, in ihr nicht eine Summe von Bestimmungen zu erblicken, die erfunden sind, um Eltern und Schü- lerinnen zu quãlen, sondern vielmehr sich folgendes klarzumachen: Wo 300 Schülerinnen mit ihren vielerlei Wünschen an 20 Lehrkräffe herantreten, da miißte eine Unzahl von Will- kürlichkeiten und Ungerechtigkeiten entstehen, wenn für die Behandlung solcher Fälle nicht einheitliche Orundsätze geschaffen wären. Diese Grundsätze sind uns das Wichtigste an- der Schulordnung, und wir wünschten sehr, die Eltern sähen ein, daß sie ihnen sich mit Rücksicht auf die allgemeine Ordnung, Gleichmäßigkeit und Gerechtigkeit unterwerfen muüssen. Sie dürfen außerdem versicherf sein, daß die Schulordnung vonseiten der Schule nicht engherzig gehandhabt wird.
Wir machen besonders auf einige Dunkte aufmerksam, die immer wieder Schwierig- keiten machen. Wenn die Schillerinnen einen Urlaub vom Unterricht aus dringenden Gründen brauchen, so dürfen sie dem Unterricht unter allen Umständen erst dann fernbleiben, wenn der Urlaub ausdrücklich ertfeilt ist. Schülerinnen, die wegen kurzer Krankheit fehlen, dürfen während dieser Zeit keinesfalls Konzerte, Kinos, Theater, Gesellschaften und dergl. be- suchen. Urlaub im Anschluß an Ferien müssen die Eltern mindestens 10 Tage vor dem ersten Urlaubstage schrifflich beim Provinzialschulkollegium Koblenz durch den Direktor beanfragen.
Wo eine Schulordnung verloren gegangen ist, biften wir dringend, eine neue anzufordern.
Die Schule biftet die Eltern, darauf zu achten, daß ihre Tõöchter nicht stundenlang zwecklos auf den Straßen der Stadt herumflanieren und daß sie Bälle, Tanzgesellschaften und dergl. nicht allzu jung besuchen. Die PDflichten, die heute die Schule den Schülerinnen auferlegt, sind sehr zahlreich, ihre Erfüllung erfordert den ꝗganzen Menschen.


