Jahrgang 
1850
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Wichtigſte Verordnungen und Bekanntmachungen der Großherzogl. Behoͤrden.

O. K.Reſcr. vom 21. März 1849: der Vorſchlag der Gymnaſialdirektion wird angenommen, daß zur Sicherung des regelmäßigen Einganges des Schulgeldes die Gymnaſialkaſſeverwaltung angewieſen werde, nach Ablauf ie es Vierteljahres bei ausbleibender Zahlung der fälligen Quartalrate den Eltern der ſäumigen Schüler die ohne Weiteres anzuzeigen. X Desgleichen vom 18. April: die ſchon längſt vom Lehrerkollegium vorgeſchlagenen fünf Cenſurgrade des ſittlichen Verhaltens(lobenswerth, gut, leidlich, nicht ohne Tadel, tadelhaft) mit Wegfall der bisherigen dritten Cenſurzur Zufriedenheit finden Beſtätigung. Reſcript des Großherzogl. Staatsminiſterium II. Depart. vom 25. Januar 1850: die in dem Berichte der Gymnaſialdirektion beantragte Zulaſſung von fünf Oberprimanern zum vorſchriftsmäßigen Maturitätseramen wird genehmigt. Dedoleichen vom 4. Februar: die Direktion wird in Kenntniß geſetzt, daß nach höchſter aus dem abſchriftlich beiliegenden an den Landtag ergangenen Dekrete vom 21. Januar d. J. näher zu erſehenden Entſchließung die Ephorie des Gymnaſiums mit dem 1. April d. J. außer Wirkſamkeit trete und das Gymnaſium von dieſem Zeit⸗ punkte an unmittelbar unter dem Großherzogl. Staatsminiſterium II. Depart. ſtehe.

Geſchichtliches und Statiſtiſches.

Das Schuljahr wurde am 16. April, nachdem die Angemeldeten am 13. und 14. ſchriftlich und mündlich geprüft und aufgenommen worden waren, in üblicher Weiſe eröffnet. Die Beicht- und Abendmahlsfeier fand am 20. und 21. Juni, ſowie am 24. und 25. Oktober Statt, nach⸗ 4 dem der Direktor und bei der zweiten Feier Herr Profeſſor Dr. Weißenborn die Vorbereitungsandacht gehalten hatten. Herr Profeſſor Dr. Witzſchel erhielt eine Gratifikation von 100 Thalern, worüber der Direktion ein O. K. Reſcript vom 20. Juli v. J. zugekommen iſt. Am 28. Auguſt beging das Gymnaſium blos für ſich die Göthe⸗Feier, indem mehrere Schüler aus allen Klaſſen vor dem Lehrerkollegium Göthe'ſche Gedichte vortrugen und der Gymnaſialchor einige Geſänge ausführte. Die Quarta und Quinta waren vorher durch die Klaſſenordinarien auf die Bedeutung des Tages hingewieſen worden, die drei oberen Klaſſen durch den Direktor, welcher ihnen aus Böttigers 8. Bande der Weltgeſchichte in Biographien den Aufſatz über Göthe vortrug. Das Privateramen wurde vom 24 26. Sept. gehalten, am 28. aber das Sommerhalbjahr mit der Cenſur⸗ vertheilung geſchloſſen. Im Winterhalbjahre waren vier Studien⸗ und Arbeitstage, an denen in den Klaſſen⸗ lokalen die Schüler der beiden oberen Klaſſen nach eigener Wahl ſich beſchäftigten, die anderen gegebene Arbeiten fertigten. Die Lehrer führten die Aufſicht. Am 2. Februar beging das Gymnaſium die Geburtsfeier Sr. Königlichen Hoheit, des Großherzogs. Herr Profeſſor Dr. Mahr, welcher die Feſtrede über die Fortſchritte der Naturwiſſenſchaften ſeit dem Anfange unſeres Jahrhunderts hielt, ſprach im Namen der Anſtalt herzlichſte Wünſche für das fernere Wohl des durchlauchtigſten Landesfürſten aus. Darauf trug der Primaner Häſer ein deutſches Feſtgedicht vor, Briegleb und Frey aus Prima einen lateiniſchen und einen deutſchen dichteriſchen Verſuch, ebenſo Guyet, von Helldorff und Möller aus Sekunda deutſche; ihnen folgten je zwei Schüler aus den übrigen Klaſſen, welche deutſche Gedichte recitirten. Am Anfange und am Schluſſe der Feier führte der Gymnaſialchor religiöſe Geſänge aus. Am 18. Februar hatten wir die Ehre, Herrn Geheimen Staatsrath Dr. von Wydenbrugk, den Chef des Großherzogl. Kultminiſterium, in einigen Klaſſen zu ſehen.

Außer den im vorjährigen Programme verzeichneten verließen zu Oſtern v. J. das Gymnaſium: der Quar⸗ taner Rudolf von Seebach und die Quintaner Arthur von Seebach und Otto Knoll, um auf die Realſchule überzugehen. Es blieben 74 Schüler. Ferner trat zu Anfang des Juni der Tertianer Oswald Stapf aus, um

1 Apotheker zu werden. Auch den Tod eines Schülers haben wir zu beklagen; am 3. Juni kam der Sekundaner Friedrich Gießler zu Hauſe bei den Seinigen durch einen Schuß um das Leben.

Aufgenommen wurden zu Oſtern 13 Schüler in Quinta, nämlich: Rudolf Otto Markſcheffel, Lothar Fren⸗ zel, Louis Vietor, Adelbert Töpfer, Guſtav Helm, Oskar Göring, Richard Helm, Hermann Burkhardt, Eduard Koch, Emil Breyding, Wilhelm Salzmann, Eugen Henkel, Paul Brunquell. Am 4. Juni kam Karl Victor Haſe aus Jena hinzu, der in Sekunda eintrat.

In der erſten Hälfte des Sommerhalbjahrs beſtand nun der Cötus aus 86 Schülern, von denen 14 der Prima, 14 der Sekunda, 13 der Tertia, 24 der Quarta, 21 der Quinta angehörten.

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