Jahrgang 
1912
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enthält fast alle Zusätze, die in diesem von späteren Händen gemacht sind. Daher kann sie uns auch nichts Neues lehren. Soviel ich gesehen habe, ist nur eine Stelle klarer geworden, jene Worte in Kr S. 80 Regin den bakin obir, die auch in der Lesart der Berliner Hs Bl. 13a Regin den hakin obir keine Erklärung finden. Nur steht hier am Rande die Erläuterung Kremern. Das führte dann wahrscheinlich den Schreiber von 1567 zum Richtigen. Er schreibt Bl. 20a Regenn den Höchen vber. Also hieß es in der Urschrift hohin. Noch heute heißen kleine Krämer, na- mentlich Gemüseverkäufer, in Eisenach Höken.

2.

Die Chronik ist bisher noch nicht näher untersucht worden, auch über den Verfasser ist von anderer Seite noch kein Urteil ausgesprochen worden. Es fehlt freilich zunächst an einem Anhalt, denn es ist weder ein Akrostichon noch eine Vorrede vorhanden, die uns über die Persönlichkeit des Verfassers aufklären könnte. Zwar berührt sie sich auf Schritt und Tritt sowohl mit G als auch mit L, teilweise auch mit Rothes Leben der Heiligen Elisabeth, aber es geht natürlich nicht an, sie deshalb ebenfalls ohne weiteres Rothe zuzuweisen.

Wir werden deshalb zuerst die Quellen dieser dritten Chronik untersuchen und dann nach der Zeit der Entstehung fragen.

Was die Chronik von den beiden anderen vor allem unterscheidet, ist ihre Absicht, die Geschichte der Stadt Eisenach hervorzuheben, weshalb der Herausgeber sie auch lieber Chronicon Isenacense hätte nennen sollen. Sie hebt demgemäß auch an mit der Überschrift: Von Isenachis begyn. Freilich läßt sich der Verfasser immer stärker vom Stoff seiner Quellen leiten, Sodaß das Werk ungefähr von der Mitte an doch wesentlich eine Landgrafengeschichte wird, nur mit Einfügung von Eisenacher FEreignissen oder mit künstlich hergestellter Bezie- hung zu Eisenach. Zwar daß er UÜberschwemmungen, Hungersnot, Seuche, Geißlerunwesen, Judenverfolgung erwähnt, ist ja gerechtfertigt, weil auch Eisenach dadurch getroffen wird. Vielfach verknüpft er aber die Begebenheiten gewaltsam mit seiner Vaterstadt. Die Ver- mählungsfeier der Schwester Ludwigs VI., Agnes, verlegt er(S. 92) nach Eisenach, im Gegen- satz zur Quelle(Hist. F. c. Sp. 415), die Nürnberg nennt. Bei Elisabeths Rückkehr nach der Wartburg wird Eisenach und seine Bevölkerung eifrig hervorgehoben(S. 95 unten). Bei Er- Zählung von Fehden fügt der Verfasser einfach hinzu: vnd dy von Vsenache warin starg da vor, vnd ore schuczin warin dy erstin, dy mit deme herrin fuer yn schoßin(Landgraf Friedrich vor Salza S. 102 C) oder: Da worin zeu fordirst dy von Vsenache methe vor andern stetin vnd hilden den ersten storm(Fehde mit dem Reußen vor Plauen S. 103 oben) oder: also zcoch lantgraue friderich der gutlichir mit den von Vsenach vnd mit den doringischen steten uff on (den Herzog vno Braunschweig S. 103 B) oder: In dem selbin iare da fingen des lantgrauen Balthazars voyte vnd dy von Vsenach den von Hartenberg(S. 104 C). Ludwig VI. unternimmt (S. 93 oben) den Zug nach Polen nur deshalb, weil Eisenacher Kaufleute in Breslau vom Her- zog von Polen geschunden worden seien, und der Verlust wird den Krämern vergolten. Das hat Kr ganz allein, es ist frei erfunden, nur daß die gleich darauf folgende Geschichte vom Krämer und vom Esel darin anklingt.

Schließlich sind jedoch auch eine Anzahl von Freignissen aufgeführt, bei denen Eisenach überhaupt nicht erwähnt wird, z. B. die Wahl und Krönung Heinrichs VII.(101C), der Vertrag zwischen dem Landgrafen Friedrich und dem Grafen von Schwarzburg 1358(S. 103) und die Fehde von 1373(S. 103 unten).

Woher schöpfte der Verfasser nun sein Wissen? Unsre Chronik ist mit G und L, nur viel knapper gefaßt, so eng verwandt, daß man zunächst meinen sollte, sie sei ein kombinierter Auszug aus diesen beiden. So liest man Kr S. 103 C die dürftige, fast unverständliche Bemer- kung: in dem selbin iare so irmortin sich dy von Northußin. Die lateinischen Quellen lassen uns hier ganz im Stich. Man versteht es erst, wenn man G zu 1373 und L Kap. 712 liest. Die