Jahrgang 
1908
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Zu einer ausnahmsweisen Michaelis-Reifeprüfung waren 5 von den 20 Oberprimanern zu- gelassen worden. Die schriftlichen Arbeiten wurden vom 7. bis 12. September angefertigt und die mündliche Prüfung am 17. September unter dem Vorsitz des Unterzeichneten abgehalten. Sämtliche 5 Prüflinge wurden für reif erklärt; gleichzeitig bestand Herr stud. jur. Ludwig Bern- hardt aus Apolda eine Ergänzungsprüfung im Lateinischen und Griechischen.

Am 31. Oktober wurde das Reformationsfest durch einen Schulaktus gefeiert. Der Ober- primaner Flex sprach über Reformkonzilien.

Am 6. November wohnte Herr Oberschulrat Dr. Krumbholz dem Ünterricht in einigen Klassen bei.

Die gemeinsame Feier des heil. Abendmahls fand am 14. November statt; am Tag vorher hatte Herr Prof. Schmiedel eine vorbereitende Andacht abgehalten.

Im Oktober und November wurde auf Veranlassung der vorgesetzten Behörde vom Lehrer- kollegium in mehreren Konferenzen eine eingehende Prüfung der eingeführten Lehr- und Hilfs- bücher vorgenommen.

Am 2. Dezember bestand Herr stud. theol. Otto Jacobi eine hebräische Nachprüfung.

Am 14. Dezember erkrankte Herr Prof. Kühn, der schon vorher seinen Unteéerricht nur mit Aufbietung aller Willenskraft hatte erteilen können, so ernstlich, daß er auf ärztliche Anordnung um Urlaub bis Ostern 1908(der später bis zu den Sommerferien 1908 verlängert wurde) nach- suchen mußte. Den Unterricht Kühns übernahmen die Herren Helmbold, Heydenreich und Koch, die dafür durch den Kandidaten des höhern Lehramts Herrn Ernst Fleischer, der dem Gymnasium als Vertreter überwiesen worden war, entsprechend entlastet wurden.

Am 24. Dez. wurde dem Unterzeichneten von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog das Ritterkreuz 2. Cl. des Großherzogl. Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen Falken verliehen.

Der Geburtstag S. M. des Deutschen Kaisers wurde am 27. Jan. 1908 durch einen Schul- aktus gefeiert. Die Festrede, welche Herr Prof. Schmiedel anstelle Kühns übernommen hatte, gab ein Lebensbild des Dichters Josef von Eichendorff.

Am 3. Febr. fehlten die Herren Nicolai und Hoßfeld wegen Krankheit; letzterer konnte seinen Unterricht erst am 24. Febr. wieder aufnehmen.

Zu der Reifeprüfung vor Ostern 1908 waren sämtliche 15 Oberprimaner zugelassen worden. Nachdem die schriftlichen Arbeiten vom 10. bis 15. Febr. angefertigt worden waren, wurde die mündliche Prüfung am 3. März unter dem Vorsitz des Unterzeichneten abgehalten. Sämtliche Prüflinge bestanden und wurden am 7. März vom Direktor feierlich entlassen. Der Primus Drömer sprach über den Begriff der Freiheit in ihren verschiedenen Beziehungen, dann gab der Direktor im Anschluß an die Platolektüre ein Lebensbild des Sokrates und mahnte die Abgehenden, den von Sokrates gelehrten und betätigten Tugenden im Leben nachzutrachten.

Am 5. März führte unser Gesangchor unter Leitung des Herrn Musikdirektors Rinkens Schillers Lied von der Glocke, in Musik gesetzt von A. Romberg, im Saal des Gewerbehauses auf. Die Partie des Meisters sang der Primaner Rothe; ferner unterstützten uns durch freundliche Mitwirkung Fräulein von Rechenberg, Frau Loheyde, Herr Lehrer Gruber und Herr Musikdirektor Camillo Schumann.

Die Direktion des hiesigen Stadttheaters hat in dankenswerter Weise vom 30. Oktober 1907 bis 11. März 1908 eine Reihe von Schülervorstellungen(klassische Stücke gegen geringen Ein- trittspreis) eingerichtet, die auch von unsern Schülern gut besucht worden sind.