Bericht über das Schuljahr 1904 1905.
Schulereisnisse.
Am 28. Januar 1904 war Gustav Richter, der hochverdiente Schulmann und erste Direktor des 1876 begründeten Jenaer Gymnasiums, tief betrauert von allen, die ihm nahe standen, ge- storben. Zu seinem Nachfolger wurde Otto Apelt, der bisherige Direktor des Karl Friedrichs- Gymnasiums, und zu dessen Nachfolger der Unterzeichnete, bis Ostern 1904 Professor am Gym- nasium zu Jena, durch Höchstes Dekret vom 24. Februar 1904 ernannt.
Karl Friedrich Constantin Paul Koetschau, geboren den 7. August 1857 zu Tonn- dorf bei Berka afllm, besuchte das Gymnasium zu Weimar von 1868— 1877, Studierte 1877— 1881 in Leipzig und Tübingen Philologie und Geschichte, bestand 1881 die Staatsprüfung in Leipzig, nachdem er 1880 ebenda zum Doctor philosophiae Promoviert worden war, und Virraſe nach Absolvierung des Militärjahrs Michaelis 1882 als Probe- kandidat dem Gymnasium zu Jena zugewiesen und hier Ostern 1884 definitiv als ordentlicher Lehrer angestellt.
Die feierliche Einführung des neuen Direktors fand am 12. April in der Aula vor versammelter Schulgemeinde, dem Lehrerkollegium und geladenen Gästen durch Herrn Regierungs- und Schulrat
Krumbholz statt. Dieser hob zunächst die grossen Verdienste, die sich der bisherige Direktor um die weitere Entwicklung der Anstalt erworben, hervor und wies dann den neu antretenden Direktor auf die Pflichten seines Amtes hin. Die darauf folgende Rede des Unterzeichneten ist in der Beilage abgedruckt.
Ferner trat für den Oberlehrer Herrn Meder, der eine Oberlehrerstelle an dem Reformgym- nasium in Kiel übernommen hatte, der bisher am Gymnasium zu Weimar beschäftigte Herr Di phil. Kellermann zunächst provisorisch ein.
Hermann Kellermann, geboren den 7. März 1881 zu Oberhammer bei Sonneberg
Th.(Sachsen-Meiningen), besuchte das Karl Friedrich-Gymnasium zu Eiseas VOn Ostern 1891 an und erwarb sich das Maturitätszeugnis Ostern 1899. Er studierte auf den Universitäten Heidelberg, München, Berlin, Jena klassische Philologie, Ach dologie und Germanistik; Zzum Doctor promovierte er in Jena mit der Dissert ation„De Plauto sui imitatore“ am 22. November 1902, das philologische Staatsexamen bestand er am 23. Mai 1903. Seit Ostern 1903 wurde er am Wilhelm Ernst-Gymnasium zu Weimar und seit Ostern 1904 am Karl Friedrich-Gymnasium in Eisenach als wissenschaftlicher Hilfslehrer beschäftigt.
Der Unterricht begann Mittwoch, den 13. April, nachdem am vorhergehenden Montag die Aufnahmeprüfung stattgefunden hatte. Herr Professor Kühn musste wegen Erkrankung vom 13. bis 20. April vertreten werden.
Am 14. April 1904 bestand Herr stud. theol. Hans Hertel eine hebräische Nachprüfung.
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