Jahrgang 
1901
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M dem ganzen Lande ist auch unsere Anstalt in tiefe Trauer versetzt worden durch den Heimgang unseres allverehrten und geliebten Landesfürsten, Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs

C A R L. A L. EXAND E R.

So hoch das Mass der Jahre war, mit dem ihn Gottes Gnade beschenkt hat, für uns, für das Land, ist er doch noch zu früh abgerufen worden. Ein Leben hat sich geschlossen, reich an grossen Geschehnissen, an Erfahrung, an Wissen, an edlen Bestrebungen. Aber der schönste Schmuck, dessen er sich rühmen durfte, war doch die Liebe der Unterthanen. Nahezu ein halbes Jahr- hundert, und zwar eines der ereignisreichsten und bedeutungsvollsten für unser Vaterland, hat der Verewigte seines hohen Amtes gewaltet, innig verwachsen mit seinem Lande in Freude und Leid, voll Güte und Wohlwollen, niemals auf seinen persönlichen Vorteil bedacht.

Eisenach darf stolz darauf sein, der unmittelbare Zeuge nicht nur, son- dern auch Empfänger desjenigen Werkes zu sein, das man als sein ureigenstes Lebenswerk bezeichnen kann, der wiedererstandenen Wartburg. Unser Gymnasium aber verdankt ihm die Erweiterung und Umgestaltung seiner Bibliothek zur Carl-Alexander-Bibliothek.

War Eisenach ihm zum Lieblingsplatz geworden, so trug er doch immer das ganze Vaterland, das kleine wie das grosse, im Herzen. Es ist hier nicht der Ort, seine Verdienste um unser engeres Heimatsland, um Deutschlands Kunst und Litteratur, um die politische Neugestaltung Deutschlands, um die Bewahrung der evangelischen Traditionen seines Hauses zu schildern. Sein Bild wird unter uns lebendig bleiben als das eines edlen und gütigen Fürsten, wert der innigen Zuneigung und Dankbarkeit scines Volkes.

Ehren aber wollen wir das Andenken des hohen Heimgegangenen nicht durch unmännliche Klagen, sondern durch thätige Pflichterfüllung, überzeugt, dass dies am meisten seinem eigenen Willen entspricht wie auch dem unseres jugendlichen neuen Landesherrn, dem Gott seinen gnädigen Schutz und ein gedeihliches Regiment verleihen möge.