Jahrgang 
1895
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evangelischen Schulen des Grossherzogtums, unter Aussetzung des Unterrichts, eine Erinnerungsfeier an die Reformation abgehalten werde(M.-Vf. 19. Mai und 1. Aug. 1894). Demgemäss ist in feier- licher Versammlung der Lehrer und Schüler dieser Tag begangen worden. Als die ganze Versamm- lung das Reformationslied mit seinen kräftigen und hinreissenden Rhythmen angestimmt und einen Teil gesungen hatte, folgte eine Rede des Herrn Professor Dr. Schneidewind, in der er Luthers Be- deutung nach den verschiedenen Seiten seiner Wirksamkeit in kurzer Ubersicht beleuchtete. Ein an- derer Feil des genannten Liedes, ebenso von allen Anwesenden gesungen, beschloss die ernste Feier.

In der Nacht vom 20. zum 21. November verschied in Cap St. Martin Se. Königl. Hoheit der Erbgrossherzog Carl August. Die Nachricht langte im Laufe des 21. hier an und wirkte erschütternd auf jeden, der sie hörte. Die tiefste und reinste Teilnahme für das fürstliche Haus that sich überall kund und aufrichtige Klage um den herben Verlust, den das ganze Land zugleich mit erlitten. Am folgenden Morgen wurden die Schüler im Saale versammelt; der Direktor richtete eine Ansprache an sie. Die Schule blieb für diesen Tag geschlossen. In der darauf folgenden Montags-Andacht übernahm es Herr Professor Otto in einer homiletischen Betrachtung, die sich an den 90. Psalm anschloss, und unter Anknüpfung an die Tags zuvor begangene Feier zum Gedächtnis der Gestor- benen, des dahingeschiedenen Erbgrossherzogs feierlich zu gedenken und ein Gebet zu sprechen. Im Auftrage des Lehrerkollegiums begaben sich Herr Dr. Krumbholz und Herr Dr. Nicolai nach Weimar, um einen Kranz an dem Sarge niederzulegen und der Beisetzung am 29. November beizuwohnen. Auch an diesem Tage blieb die Schule geschlossen. Im Namen des Gymnasiums richtete der Direktor ein Beileidsschreiben an die Höchsten Herrschaften.

Die Verteilung des Elmptschen Stipendiums erfolgte in der üblichen Weise. Der Oberprimaner Sichardt hielt die deutsche Rede zur Erinnerung an die Stiftung der Reichsgräfin Elmpt. Am 9. Dezember, dem Geburtstage Gustav Adolfs von Schweden, ward in allen Klassen in einer Ansprache an die Schüler seiner Verdienste um die deutsche protestantische Kirche gedacht.

Am 16. Dezember fand unter der Leitung des Herrn Professors Thureau eine musikalische Auf- führung statt, zu deren Besuch die Angehörigen unserer Schüler und Freunde des Gymnasiums ein- geladen wurden. Sie fand den Beifall der zahlreichen Zuhörer, die sich eingefunden hatten.

Vom 1. Januar 1895 ab erhielt der Elementarlehrer Herr Barth nach dem 10. Dienstjahre die zweite und Herr Turnlehrer Goldner nach dem 25. Dienstjahre die fünfte Alterszulage(M.-Vf. 22. Dezbr.).

Die Weihnachtsferien dauerten vom 24. Dezember bis 5. Januar. Der Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers ward auf Verfügung des Grossherzogl. Staatsministeriums am Montage den 28. Januar begangen. Herr Professor Oesterheld hielt die Festrede über die Geschichte der Hansa; Gesänge der Schüler begleiteten die Feier.

Die schriftliche Reifeprüfung fand in den Tagen vom 18. Februar an statt, die mündliche unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrats Dr. Leidenfrost als Grossherzogl. Kommissars am 20. März. Siebenzehn Schüler und ein Auswärtiger traten in die Reifeprüfung ein: 16 erhielten das Reife- zeugnis, 7 von ihnen unter Befreiung von der mündlichen Prüfung. Am 26. März fand die Entlas- sung der mit dem Reifezeugnis abgehenden Schüler statt. In ihrem Namen sprach in deutscher Rede Wernick, dann händigte ihnen der Direktor nach einer Ansprache die Zeugnisse ein. Gesang unter Leitung des Herrn Professors Thureau begann und schloss die Feier.

Auf Anlass der Verfügung des Grossherzogl. Staatsministeriums vom 6. Januar 1891 wurde am 25. und 26. Februar die Schule freigegeben. An der Abschlussprüfung nach dem 6. Schuljahre beteiligten sich sämtliche Untersekundaner. In den Tagen vom 14. März an wurden die schriftlichen Arbeiten angefertigt, die mündliche Prüfung fand am 28. März statt.

Wie in allen Schulen des Landes, so ward auch im Gymnasium nach einem Beschlusse des Grossherzogl. Staatsminist. am 1. April des Fürsten Bismarck in besonderer Weise gedacht. Lehrer und Schüler versammelten sich am Vormittage im Saale, wo Herr Professor Schneidewind in einer längern Ansprache Bismarck's Verdienste um die Gründung des Reiches darlegte. Gesang unter Leitung des Herrn Professors Thureau begann und schloss die Feier. Die Schule blieb an diesem Tage geschlossen.

Für die öffentliche Osterprüfung ist ein Tag bestimmt worden, an dem die unteren Klassen vorgeführt werden, die fast allein von jeher den Besuch von Gästen erhalten haben. Der Schluss des Winterhalbjahres erfolgt am 5. April im Laufe des Vormittags mit der Versetzung der Schüler und der Verteilung der Censuren.

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