Jahrgang 
1895
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Bericht über das Schuljahr 1894/95.

I. SCHULEREIGNISSE.

Das neue Schuljahr begann am Montage nach der Osterwoche, d. 2. April, mit der Aufnahme- prüfung, der Unterricht am folgenden Tage. Die Pfngstferien dauerten vom 12. bis 19. Mai. Am 5. Juni machten die Schüler unter Führung der Lehrer einen Spaziergang, die Primaner einen zwei- tägigen Ausflug in den Thüringer Wald unter Führung des Herrn Dr. Krumbholz, dem sich Herr Prof. Schneidewind unterwegs anschloss. Die Caesar Butschke-Stiftung ermöglichte es, zu diesen Aus- flügen ausreichende Unterstützungen zu gewähren. Ausser diesem gemeinsamen Ausfluge sind noch kleinere an freien Nachmittagen von einzelnen Lehrern mit ihren Klassen unternommen worden, zu den en ebenso aus den Zinsen dieser Stiftung Beiträge gegeben wurden.

Die Abendmahlsfeier des Gymnasiums fand am 21. Juni in der Georgenkirche statt. Die Vor- bereitungsandacht ward Tags zuvor im Saale durch Herrn Professor Otto gehalten. Bei dieser Gelegenheit gedachte er auch des am 3. Juni an einer Brustkrankheit, verstorbenen Untersekundaners Johannes Brauer aus Eisenach, eines liebenswürdigen Schülers. Die damals an die Schule gerichteten Worte mögen hier zum Teil wiederbolt werden:Heilig sei dir der Tag! Der liebe Mitschüler, den- wir vor wenigen Tagen zu Grabe geleitet haben, hat auch seine heilige Lebensaufgabe gehabt, und wir wissen, er hat sie erfüllt. Seinen Eltern Freude zu machen und ihnen dadurch für ihr Schaffen die Freudigkeit zu wahren, den Geschwistern sein Andenken schattenlos und freundlich ins Herz zu drücken, den Kameraden durch sein schlichtes, pflichttreues, wahrheitsliebendes Wesen ein stilles Vorbild zu sein, das war die Aufgabe seines kurzen Lebens.

Der Geburtstag unseres Landesherrn ward in herkömmlicher Weise durch eine Festfeier be- gangen. Herr Dr. Hossfeld hielt die Festrede über Ursprung und Wesen der Astrologie und ihre Bedeutung im Altertume und im Mittelalter. Vorträge der Schüler wechselten mit Gesängen unter

der Leitung des Herrn Prof. Thureau ab. Die Sommerferien dauerten vom 9. Juli bis 4. August. Des Sedantags, der dieses Jahr auf einen Sonntag fiel, ward am Tage vorher durch Ansprachen der Lehrer in den einzelnen Klassen gedacht. Dem Herrn Professor Dr. Schmidt, der nach dem Wieder-

beginne der Schule erkrankte, ward vom 20. August an bis zum 20. Septbr., dem Tage des Schlusses des Sommerhalbjahrs, Urlaub erteilt; und der Probekandidat Herr Dr. Helmbold übernahm mit Ge- nehmigung des Grossherzogl. Staatsministeriums die Vertretung eines Teiles seiner Stunden(M.-Yf. 20. Aug., 11. Sept.) Das Winterhalbjahr begann am 8. Oktober. Dem Herrn Dr. Helmbold, der mit diesem Zeitpunkt sein Probejahr beendet und die Anstellungsfähigkeit erworben hatte, ward auf seinen Wunsch gestattet, noch weiter einige Unterrichtsstunden zu erteilen. Die Herbstprüfung beschränkte sich auf einige Klassen und einen Tag.

Am 18. Oktober erfüllten sich 350 Jahre seit der Gründung des Gymnasiums. Es durfte für uns nicht zweifelhaft sein, dass dieser Ehrentag durch eine festliche Feier zu begehen sei. Denn wenn sie zugleich auch den früheren Schülern die Gelegenheit verschaffte, in gemeinsamer Anhäng- lichkeit an ihre einstige Bildungsstätte sich zu erneuter Erinnerung in fröhlicher Feststimmung zu- sammenzufinden, so erlangte eine solche Feier noch einen besonderen Wert für das Gymnasium. In diesem Sinne waren die ersten Beratungen im Lehrerkollegium gehalten worden.

Demgemäss ergingen im Januar von Seiten des Direktors Einladungen an die ehemaligen Schüler des Gymnasiums, die in Eisenach ihren Wohnsitz hatten, an etwa achtzig, sich zu einer Besprechung im Saale des Gymnasiums einfinden zu wollen. Der zahlreichen Versammlung ward das vorläufig entworfene Festprogramm mitgeteilt, das Beifall fand, namentlich auch der Vorschlag, einen Festaus- schuss zu bilden, der berufen sei, die Teilnahme der auswärts wohnenden früheren Schüler am Feste zu vermitteln und die dazu nötigen Vorbereitungen zu treffen. Dem nun gebildeten Festausschusse, in