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Physik 2 St.: Lehre vom Schall und vom Licht. Die Grundlehren der mathematischen Geographie. Hossfeld. Geschichte und Erdkunde 3 St. Vom dreissigjährigen Kriege bis 1871; Wiederholungen aus der Erdkunde über Amerika. Schneidewind.
Unterprima. Klassenlehrer: Herr Prof. Dr. Schneidewind. Lateinisch 7 St.: Tac. Germania. Cicero, divin. in Caecil, Verr. IV(ausgewählte Partien).— Horaz G. 1 1. 3. 4. 7. 9. 22. 24. 29. 31. 37. II 1. 3. 7. 11. 13. 14. 16. 1 3. LIII 1. 5. 7. S. 9. 211.
30. IV 2. 3. 4. 5. 7. 8. 9. 12. 14. 15. ep. 7. Einige Gedichte wurden gelernt. Leben des Horaz.— Grammat. Wiederholungen. Klassenarbeiten. Besprechen griechischer Kunstwerke (nach Menges Einführung in die antike Kunst). Krumbholz.
Griechisch 6 St.: Demosthenes, die 3. Phil. Rede. Platon, Apologie, Kriton, einige Kapp. des Phaedon.— Grammatische Wiederholungen. Klassenarbeiten. 4 St. Schneidewind. Ilias I- XVI. XXIII. Ilions Lage. 2 St. Krumbholz.
Deutsch 3 St.: Ubersicht der Litteraturgeschichte von den Anfängen bis auf Lessing. Gelesen wurde das Nibelungenlied Ges. II bis zum Schluss nach dem Lachmannschen Text, Goethes Egmont und Götz von Berlichingen, Lessings Emilia Galotti. Zu Hause lasen die Schüler Lessings Minna von Barnhelm, Shakespeares Julius Caesar und Coriolan.— Schillers kleinere Philosophische Aufsätze. Vorträge der Schüler. 8 Aufsätze. Kühn.
Französisch 2 St.: Molièére, L'Avare, einige Kapitel aus Demogeot, Litterat. franc. Schriftliche Klassenarbeiten. Schneidewind.
Englisch(wahlfrei) 2 St.: Gelesen: Marryat, Children of the New Forest(ganz); Byron the Prisoner of Chillon. Sonst wie in la.*)
*) Was ausser allen andern äussern und innern Gründen für die Einführung des Englischen in den Unterricht des Gymnasiums spricht, ist die Erwägung, dass die Schüler der obern Klassen mit verhältnismässig geringer Mühe und mit geringem Zeitaufwand einen nach jeder Richtung hin grossen Gewinn aus der erschlossenen Quelle zu ziehen vermögen. Dieser Unterrichtszweig hat einen doppelten Vorteil: er liegt einmal auf der Seite der Schüler, die an drei fremden Sprachen und an der eignen die allgemeinen grammatischen Grundlagen ausreichend kennen und verstehen gelernt und das Ubersetzen aus der fremden Sprache jahrelang geübt haben; er liegt andrerseits in der Sprache selbst, deren Formen- lehre die grösste Einfachheit aufweist, die in ihren syntaktischen Konstruktionen wie im Wortschatz auf Schritt und Tritt alte Bekannte vorfinden lässt.
Von dieser Thatsache geht der Unterricht aus; es wird von vornherein auf alles verzichtet, was bei dem doppelten Vorteil nach und nach von selbst dem Schüler zufallen muss. Nach wenigen einleitenden Erörterungen über die Aus- sprache beginnt sofort die Lektüre des Schriftstellers. Das Tempo ist gleich so schnell als möglich zu nehmen; es gilt von der ersten Stunde ab, in dem Schüler das Gefühl des Könnens zu erwecken. Aus der Lektüre wird alles andere gelernt. Die Arbeit hat sich aber von Anfang an vor allem auf zwei Punkte wesentlich und fortgesetzt zu richten: auf die Aussprache und auf die Behandlung des Inhalts. Dabei ist der Anlass zu Sprechübungen gegeben, die zuerst in Frage und Antwort und Dispositionsübungen, später in kleinen freien Berichten, Inhaltsangaben u. s. w. bestehen. Das Ubersetzen ins Deutsche ist nicht als Endzweck zu betrachten; bei leichten oder unbedeutenden Stellen, wenn ein Verständnis des Inhalts durch Fragen festzustellen ist, kann man allmählich davon absehen. Das Übersetzen ins Englische fällt ganz weg; an seine Stelle treten orthographische Ubungen, Diktate oder Niederschriften der gemeinsam erarbeiteten freien Inhaltsangaben. Grammatik wird nur getrieben, soweit es unbedingt notwendig ist. An wohl ausgesuchten und vorbereiteten Stellen wird das kursorische Lesen unterbrochen, um grammatischen Erörterungen und Zusammenstellungen Raum zu geben. Der stete Hinweis auf's Deutsche, Französische und Lateinische ist selbstverständlich; wo sich Be- lehrungen etymologischer und sprachgeschichtlicher Art von selbst bieten, werden sie durch einen kurzen Hinweis zum Bewusstsein und Verständnis gebracht.
So kommen im Ganzen die Grundsätze zur Anwendung, die der gegenwärtigen Bewegung auf dem Gebiete des neu- sprachlichen Unterrichts zu Grunde liegen. Das scheint in diesem Falle besonders berechtigt; die Vorbedingungen für diese Methode sind vielleicht nirgends so günstig gegeben, wie gerade bei diesem Unterrichtsstoff und bei diesem Schülermaterial.
Der Art des Unterrichts entsprechen auch die Ziele. So lange die Zeit so knapp bemessen ist, muss es die Aufgabe sein, mehr die Anregung und Fähigkeit zu künftiger Arbeit zu schaffen, als ein möglichst breites, positives Wissen zu erzielen.
Eine Handhabe soll gegeben werden zur Weiterarbeit. Es soll eine neue Kraft geschaffen, oder vielmehr eine zum Teil schon vorhandene, aber nach dieser Richtung hin schlummerude, latente, wirksam gemacht werden. Mehr ein „Können“, als ein„Wissen“ wird dem Lernenden mit auf den Weg gegeben; das aber ist gerade für's Englische von hohem Wert, weil hier der erste Schritt, die Aussprache, auch einer der schwersten ist. Dr. Löwisch,


