Jahrgang 
1889
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§ 10. Die Stipendienverwaltung stellt dem Direktor des Carl Friedrich-Gymnasiums den jähn lichen Zinsertrag des Stiftungskapitals im Ganzen oder in Teilzahlungen gegen Quittung zur Verfügung.

In dieser Quittung ist die Anzahl der Schüler aus jeder Klasse nebst den ihnen ausgezahlten Beträgen anzugeben; über die nach§ 3 gezahlten Beträge quittiert zugleich der betreffende Klassen lehrer oder sein Stellvertreter.

Eisenach, den 1. Februar 1889.

Das Grossherzogl. Staatsministerium erteilte zu der Annahme der Stiftung unter dem 10. Febr. d. J. seine Genehmigung.

Damitsogleich im kommenden Sommer Mittel zur Verfügung stehen, hat Herr Hermann Butschke noch ein Geschenk von 200 Mk. für die genannten Zwecke dem unterzeichneten Direktor übergeben.

In allgemeiner Versammlung der Schüler und aller Lehrer ist am 4. März nach Beendigung der Morgenandacht dessen gedacht worden, dessen Namen diese Stiftung trägt und die wesentlichsten Bestimmungen derselben wurden zugleich mitgeteilt. Die Stiftung wird für immer ein schönes Denk- mal des Frühverstorbenen sein.

Die Ausflüge der Schulen werden im Laufe der Zeit ihrer Bedeutsamkeit nach immer mehr sich bemerklich machen und zur Geltung kommen; für solche Zwecke sind durch diese reiche Stiftung Mittel geboten, um weniger bemittelten Schülern ohne Unterscheidung ihrer sonstigen Gaben und Leistungen es zu ermöglichen, am frohen Tage mit ihren besser gestellten Kameraden froh zu sein und gleiche Genüsse mit ihnen zu haben. Mögen die elterlichen Stifter gestatten, dass der unter- zeichmete Direktor im Namen des Gymnasiums der Empfindung herzlichen Dankes für die Stiftung an dieser Stelle erneuten Ausdruck giebt, und den Dank freundlich annehmen.

Am 27. Januar ward der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II. festlich begangen. Herr Dr. Hossfeld hielt die Festrede über die Beziehungen Friedrich d. Gr. zu Voltaire und Maupertuis. Gesänge leiteten die Feier ein und beschlossen sie.

Am 20. März fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrat Dr. Leidenfrost als Grossherzogl. Kommissars die mündliche Reifeprüfung statt. Von 16 Schülern, die sich zur Prüfung gemeldet hatten, schied einer vor der mündlichen Prüfung aus. Das Ergebnis der gesamten Prüfung war, dass 13 Schüler das Reifezeugnis erlangten, sieben derselben wurden auf Grund ihrer schriftlichen Prüfungsarbeiten und ihrer Leistungen während des zweijährigen Aufenthalts in Prima von der mündlichen Prüfung befreit.

Am 27. März Vormittags 11 Uhr fand die Entlassung der mit dem Reifezeugnis abgehenden Schüler statt. Im Namen der abgehenden Schüler sprach zuerst in lateinischer Rede Paulfsen, dann folgte die Rede des Direktors. Gesang unter Leitung des Herrn Prof. Thureau begann und schloss die Feier.

Der Schluss des Winterhalbjahrs erfolgt am 13. April.

II. UNTERRIGOIIT. Übersicht der im Schuljahr 1888 1889 behandelten Gegenstände.

Oberprima. Klassenlehrer: der Direktor. des lateinischen Aufsatzes, grammatische Wiederholungen, acht Aufsätze, Klassenarbeiten, Ubungen im lateinisch Sprechen mit Zugrundelegung von Tacitus. 2 St. Der Direktor. Horaz: Wiederholung des in Ib Gelesenen; neu gelesen wurden: c. I 1. II 3. 10. 18. IV 3. carm. saec. ep. 2. 13. sat. I 1. 4. 6. 9. II 1. 6. ep. 1 2. 7. 10. 19. 20. II 3, 1188. Leben des Horaz. 2 St. Krumbholz. Griechisch 6 St.: Thukydides I. Euripides Alkestis, Medoa. Ilias IXXIV. Plan und Zusammen- hang des Gedichts. Lage von Ilion. 5 St. Grammatische Wiederholungen, mündliche und schrift- liche Übungen. 1 St. Der Direktor.

Lateinisch 8 St.: Tacitus ab excessu d. Aug. XI-XVI in Auswahl. 4 St. Anleitung zur Abfassung

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