Bericht über das Schuljahr Ostern 1885—1886.
I. SCHULEREIGNISSE.
Der Unterricht begann am 13. April. Herr Schmiedel(Vvgl. Jahresbericht 1885 S. 6) ward an diesem Tage in sein neues Amt eingeführt.
Das Grossherz. Sächs. Staatsministerium teilte durch M. N. 22. April 1885 mit, dass Se. Königl. Hoheit der Grossherzog die feste Anstellung des Dr. Paul Krumbholz vom 15. April d. J. an zu genehmigen geruht haben(vgl. Jahresbericht 1884 S. 5).
Am 9. Mai fand der übliche Spaziergang der Schule klassenweise unter Führung der Lehrer statt.
Am 6. Juni unternahmen die Schüler der Klassen von Prima bis Untersekunda unter Führung einiger Lehrer eine Fahrt nach Weimar zum Besuch des Museums und anderer Sehenswürdigkeiten, abends fand eine Vorstellung der Maria Stuart im Theater statt, zu welcher die Grossherz. Sächs. Generalintendanz des Hoftheaters Eintrittskarten zur Verfügung stellte. Wir statten auch an dieser Stelle für die freundliche Einladung und liebenswürdige Aufmerksamkeit der Grossh. Generalintendan⸗z unsern ergebensten Dank ab.
Am 18. Juni begingen Lehrer und Schüler das heil. Abendmahl. Die Beichtrede hielt Herr Oberpfarrer Dr. Marbach. Die Vorbereitungsandacht hielt am Tage zuvor im Gymnasium Herr Schmiedel.
Der Geburtstag unseres Landesherrn wurde in herkömmlicher Weise durch eine Eestfeier be- gangen. Herr Prof. Menge hielt die Festrede über die Ausgrabungen in Pergamon. Eine ausge- führte und wohlgelungene Zeichnung nach dem Gemälde von Thiersch, fast völlig in der Grösse des- selben, veranschaulichte die Burg von Pergamon mit ihren Tempeln und Heiligtümern, wie sie ehemals mit der ganzen Pracht ihrer Bauten ausgesehen haben mag. Die Zeichnung war von der geschickten Hand des Herrn Barth für diesen Zweck angefertigt und wird dem Gymnasium als ein trefflicher Zuwachs zu den Kunstblättern, die dasselbe besitzt, verbleiben. Der Rede folgten abwechselnd mit. Gesangsvorträgen Vorträge von deutschen, lateinischen und französischen Gedichten.
Die Sommerferien begannen am 13. Juli und endigten am 8. August. Gleich nach dem Wieder- beginn des Unterrichts erkrankte Herr Prof. Kunze an einem nervösen Leiden so heftig, dass er nicht im stande war, seine Thätigkeit an der Anstalt ausüben zu können. Er sah sich daher ge- nötigt, bis zum Schlusse des Halbjahrs das Grossh. Staatsministerium um Urlaub zu bitten, um frei von aller geistigen Anstrengung sich einer Kur zu unterwerfen. Die Stunden desselben wurden wäh- rend dieser Zeit bereitwillig von andern Mitgliedern des Lehrkörpers vertreten.
Der 2. September ward durch Vorträge vaterländischer Lieder und Gedichte in herkömmlicher Weise gefeiert. Die Festrede über die Gründung des Fürstenbundes durch Friedrich den Grossen hielt der Primaner Reischauer.
Am 8. 9. u. 10. September fand die Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav- Adolf-Stiftung in Eisenach statt, zu welcher der unterzeichnete Direktor mit den Amtsgenossen von dem Festvorstande eingeladen wurde. Die Schüler des Gymnasiums hatten durch Sammlung unter sich einen namhaften Betrag zusammengebracht, für welchen Kirchengeräte angekauft wurden. In öffentlicher Versammlung überreichte dieselben der Primaner Rupprecht, als Vertreter des ältesten


