Jahrgang 
1881
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Bericht üuber das Schuljahr von Osteinm 1880 bis Ostern 1881.

I. Geschichte.

Das neue Schuljahr begann am 5. April 1880 mit Einführung des Herrn Dr. Pickel, der als Schulamtscandidat bis auf weiteres mit der Verwaltung der letzten Lehrerstelle betraut worden ist.

Karl Pickel, geboren den 4. März 1855 in Stadt-Lengsfeld, besuchte das Gymnasium zu Eisenach von Michaelis 1865 bis Ostern 1875 und studierte darauf in Jena und Strassburg klassische Philologie. Auf letzterer Universität bestand er im Herbst 1878 die Doktorprüfung und, nachdem er inzwischen ein halbes Jahr am Progymnasium zu Lahr in Baden als Lehrer thätig gewesen war, im Januar 1880 das Staatsexamen. Ausser seiner Dissertation:De versuum doch- miacorum origine, Argentorati 1880 ist von ihm gedruckt:Das heilige Namenbuch von Kon- rad Dangkrotzheim mit einer Einleitung über die Cisio-Jani. Strassburg 1878.

Der Gesundheitszustand der Lehrer war befriedigender, als im Jahre vorher, doch wurde IHerr Professor Dr. Schneidewind wiederum mehrere Wochen lang von seinem Augenleiden heimgesucht, und Herr Dr. Schläger, durch einen herabstürzenden Stein nicht unbedenklich ver- letzt, musste vierzehn Tage lang den Unterricht aussetzen. Unter den Schülern trat im Lauf des Sommers eine auch sonst in der Stadt verbreitete, leichte Augenentzündung auf. Durch die getroffenen Vorkehrungen, insbesondere durch den früheren Beginn der Sommerferien, welche diesmal vom 8. Juli bis zum 8. August dauerten, gelang es einem bedenklicheren Umsichgreifen der Krankheit zu begegnen.

Herr Dr. Bachof nahm vom 30. Mai bis zum 12. Juni an einer Landwehrübung teil. Dem Herrn Dr. Kühn, der kurz vorher ebenfalls zu den Fahnen einberufen worden war, wurde es ermöglicht, den grösseren Teil seiner militärischen Dienstleistung in die Osterferien zu verlegen.

Am 12. April feierten Collegen und Schüler das fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum des Herrn Professor Kunze. Derselbe hat seit dem Jahre 1855 ununterbrochen an unserm Gymna- sium gewirkt und sich in reichem Masse die Liebe der Jugend, wie die Wertschätzung seiner Amtsgenossen erworben.

Am 5. Mai fand bei günstigem Wetter der übliche Frühlingsausflug aller Klassen statt.

Am 24. Juni wurde der Geburtstag des Landesherrn durch einen Actus gefeiert; Herr Dr. Schmidt hielt die Festrede. Seine Königliche Hoheit der Grossherzog hatten die Gnade an diesem Tage dem Direktor das Ritterkreuz I. Klasse des Falkenordens und dem Gymnasiallehrer Dr. Menge den Titel eines Professors zu verleihen.

Am 2. September fand zur Erinnerung an den Tag von Sedan ein Schulactus statt, bei welchem der Oberprimaner Otto Schwabe die Festrede hielt. An dem Volksfeste im Marienthal und in dem dasselbe beschliessenden Fackelzug nahm das Gymnasium in hergebrachter Weise anteil.