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Jahresbericht
von Ostern 1877 bis Ostern 1878.
I. Chronik.
In Folge des Anwachsens der Schülerzahl ist eine Theilung der Klasse Secunda in zwei räumlich geschiedene Abtheilungen nothwendig geworden. Durch Ministerialverfügung vom 11. November 1876 wurde der Direction aufgegeben sich in eingehend motivirtem Berichte unter Aufstellung einer Uebersicht über die Frequenzverhältnisse und mit Rücksicht auf möglichste Sparsamkeit darüber zu Aàussern, ob die Theilung bereits für die im Jahre 1878 beginnende Finanzperiode in Aussicht zu nehmen sei. Eine genaue Berechnung, bei der auch diejenigen Umstände nicht übersehen wurden, welche herabmindernd auf die Schülerzahl wirken konnten, wie die Gründung des Gymnasiums zu Jena und die Verlegung der Gerichtshöfe von Eisenach, stellte deutlich heraus, wie wünschenswerth es sei, die Theilung der Klasse nicht weiter hinaus- zuschieben. Das hohe Ministerium erkannte die angeführten Gründe als berechtigte an. Nach genauer Veranschlagung der entstehenden laufenden Mehrausgaben, zu denen die Kosten für eine bauliche Erweiterung der Schulräume im Betrage von 18828 Mk. 80 Pfg. kamen, wurde an den versammelten Landtag des Grossherzogthums der Antrag auf Verwilligung der nöthigen Mittel gestellt und von demselben in der Sitzung vom 26. März 1877 mit geringer Majorität genehmigt.
Um die Räumlichkeiten für die erweiterte Schule zu gewinnen, lag es nahe die alte Kirche, welche dereinst den wesentlichsten Bestandttheil des Dominikanerklosters bildete, seit mehr als 300 Jahren aber als Kornboden benutzt wird und als solcher nur einen geringen Mieths- ertrag gewährt, für das Bedürfniss der Anstalt zu verwenden. Der Kreuzgang des Vorderhauses sollte zu diesem Behuf völlig freigelegt und die zum oberen Stockwerk führende Treppe nahe an die Kirchwand herangerückt werden. Mittels derselben sollte man innerhalb der Kirche in eine geräumige Vorhalle gelangen, rechts von dieser aber ein grosser Zeichensaal hergestellt werden, welcher durch die drei nach dem Predigerplatz zu gerichteten Spitzbogenfenster der Kirche Licht empfing. Links von der Vorhalle konnte dann eine stattſiche Aula mit sechs Gotischen Fenstern auf der Südlichen Langwand angelegt werden. Hinter derselben wäre noch genügender Platz vorhanden gewesen, um entweder die Bibliothek unserer Anstalt würdig und feuersicher unterzubringen, oder der Vorschule für die beiden Gymnasien, welche jetzt mit gemietheten Räumen vorlieb nehmen muss, eine bleibende Stätte zu bereiten(Ministerialrescript vom 2. Nov. 1876). Im Erdgeschoss der Kirche endlich sollte durch Herstellung einer geräumigen Turnhalle für die drei grossh. Lehranstalten einem von Jahr zu Jahr schmerzlicher empfundenen Bedürfniss abgeholfen werden. Die Kosten dieses Baues waren auf 40— 50000 Mark veranschlagt. Allein eine nochmalige Prüfung des Gebäudes von Seiten der Grossherzoglichen Oberbaubehörde ergab, dass die Mauern der Kirche im Laufe der Jahrhunderte so aus dem Loth gewichen sind. dass nach Wegnahme des im Innern befindlichen Sparrenwerks ein Einsturz zu befürchten schien. Dieser Umstand. so wie die Höhe der Kosten, nöõthigte von dem Plane dieé Kirche zu verwenden abzu- stehen. Die Hoffnung die ehemaligen Klostergebäude vollständig wieder einem und demselben würdigen Zwecke dienstbar zu machen ist dadurch auf lange Zeit, vielleicht für immer, vereitelt worden.— Es blieb noch ein Ausweg übrig, um die fehlenden Räumlichkeiten zu beschaffen. Derselbe bestand darin die einspringende Ecke zwischen dem östlichen und südlichen Theil der Kloster- gebäude auszubauen. Darauf wies die Anlage des Ganzen hin, arauf weist noch heute die gleiche 4


