Beiträge zur texteskritik der düringischen chronik des Johannes Rothe. II. theil.
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Dau früheren beiträgen zur texteskritik der dür. chronik des Joh. Rothe lasse ich hier eine fortsetzung folgen. es stützen sich diese weitern beiträge hauptsächlich auf eine handschrift der herzogl. bibliothek in Gotha, die hr. von Liliencron in der vorrede zu seiner ausgabe neben andern hss. zwar erwähnt, auch wohl flüchtig eingesehen, für die ausgabe selbst aber ganz unbe- nutzt bei seite gelassen hat und zu den hss. zählt, die neben der Sondershäuser und Dresdener hs. und dem cod. Fabricianus in Weimar für die herausgabe der chronik ihm von keinem werthe zu sein schienen. nimmt man aber von dem handschriftlichen material, welches dem hsgbr. für seine arbeit zu gebote stand, genauere einsicht und vergleicht man damit den text der gedruckten chronik, so schwindet immer mehr in dieser kritischen leistung dasjenige verdienst um das vaterländische geschichtsstudium, wozu der verein für thür. geschichte und alterthumskunde das seinige beizu- tragen nicht versäumen wollte, nämlich„eine befriedigende ausgabe dieser hauptchronik“ ans licht treten zu lassen, worin der text kritisch hergestellt, auf sorgfältige vergleichung der hss. gebaut und mit gehöriger sprach- und sachkenntniss behandelt sein sollte. hinter diesem ideal, das dem vereine in Jena einst vorschwebte, ist die ausgabe weit, sehr weit zurückgeblieben.
Die Goth. hs., welche mir vorliegt, ist in klein fol. auf starkes papier geschrieben, stammt aber nicht, wie hr. v. L. behauptet, aus dem 16. sondern sicher aus dem 15. jahrhundert, etwa aus der mitte der zweiten hälfte desselben; dafür geben ihre schriftzüge, ihre sprache und mundart bestimmtes zeugniss. sie gehörte einst dem Peterskloster in Erfurt an, wie folgender eintrag besagt, der auf dem ersten blatte oben mit den farbigen verzierungen in verbindung gebracht ist: Liber monasth. Montissanctipetri in erffordia.
In ihrer sprache und mundart steht dieselbe sehr nahe der Dr. hs.; ihr fehlen auch wie dieser und der Sondersh. hs. die beiden cap. 424 a—b, und am rande stehen wie in Dr. die mit rothen linien umzogenen worte„hic deficit unum totum folium“. diese lücke beschränkt sich allerdings auf diesen kleinen umfang und geht nicht wie in Dr. bis in die mitte des folgenden ca- pitels, dagegen sind eine grosse anzahl anderer abschnitte weggelassen. so fehlen, um nur die um- fänglicheren auslassungen der hs. hier zu verzeichnen, cap. 85— 132, alle erzählungen von Alexander dem grossen; nach cap. 84 folgen wie auch im cod. Fabr. die capp. 133 a— 135; dann sind weg- gelassen cap. 136— 152; von da ab bis cap. 169 fehlen nur einzelne abschnitte, diejenigeu nämlich, welche die päbste betreffen, wie auch weiterhin mit sehr wenigen ausnahmen die gewöhnlich in einzelnen abschnitten erzählte geschichte der päbste regelmässig und jedenfalls absichtsvoll bei seite gelassen ist. eine grössere lücke findet sich dann nach cap. 279— 323, es fehlt die ganze geschichte der kreuzzüge. mit cap. 329 beginnen dann die erzählungen aus der dür. geschichte und innerhalb dieser sind regelmässig diejenigen capitel, welche von den päbsten handeln, nur selten ein abschnitt aus der kaisergeschichte übergangen. von cap. 701 an bis 764 sind nur kurze auszüge gegeben; die hs. schliesst mit cap. 764. es fehlen ihr die letzten blätter, die sie aber ursprünglich gehabt


