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Beiträge zur texteskritik der düringischen chronik des Johannes Rothe.
Der text in der ausgabe der dür. chronik des Johannes Rothe, welche im namen des vereines für thür. geschichte und alterthumskunde durch herrn von Liliencron besorgt als dritter band der thür. geschichtsquellen erschienen ist, beruht bekanntlich auf einer hs. der Sondershäuser kirchenbibliothek. durch die wahl dieser hs. als textesgrundlage hat Rothes chronik eine sprach- liche gestalt erhalten, die in ihren lautverhältnissen und wortformen von der sprache und schreibart des chronisten weit, sehr weit absteht. doch ich will auf diese verderbniss der sprache und mund- art, die F. Bech in seiner beurtheilung der ausgabe in Pfeiffers Germania bd. 5, 226— 247 bereits nachgewiesen hat, hier nicht zurückkommen; eine anzahl lesarten, die ich aus zwei vom hsgbr. unterschätzten und ganz bei seite gelassenen hss. hier mittheile, sollen darthun, dass wie die sprache in ihren lauten und formen, in gleicher weise auch der sinn der worte und erzählungen in der Sondersh. hs, und daraus wieder in der ausgabe an gar vielen stellen erheblichen schaden ge- nommen hat, und dass diese schäden mit Hilfe jener hss. glücklich zu heilen und zu beseitigen waren.
Neben der„zur Aushülfe hinzugezogenen“ hs. der königl. bibliothek in Dresden(Dr.) hat dem hsgbr. auch der sogenannte codex Fabricianus(F), eine papierhs. fol. der grossherzogl. bibl. in Weimar, zur benutzung vorgelegen und die von Urban Schlorff gemachten auszüge, befind- lich in einer papierhs. der herzogl bibl. in Gotha, sig. cod. chart. B 180.
In dieser hs. sind unter der überschrift:„Item zu merken diss habe ich duss dndern Kroniken geschrieben vnd aussgeczogen“ auf bl. 289— 458 von Schlorff’s hand excerpiert, welcher im j. 1487 auch die vorher gehende kürzere dür. chronik abgeschrieben hat*). folgende capitel aus der spätern und grössern dür. chronik von Joh. Rothe enthalten und zwar in dieser folge: 6(zweite haälfte). 7— 9. 18. 1— 2. 23— 25. 249. 62— 84. 21— 22. 26— 52. 133— 134. 85— 132. 135— 136. 145 — 147. 359. 361—365. 170- 174. 176. 178. 177. 179. 130. 192(erste hälfte). 217. 154. 150. 148. 257— 264. 353. 184. 183. 189—191. 195— 206. 215. 207— 210. 281—311. 314—315. 312—313. 318— 319. 316— 317. 320— 328. 359(anfang). 341. 388—391. 394. 397—399. 508 505. 514—515 554. 409. 411—412. 530- 531. 637. 238
Die gestörte und wild durch einander laufende ordnung dieser auszüge weiss ich nicht zu erklaren; möglich, dass Schlorff eine defecte vorlage hatte, in welcher nicht nur vieles fehlte, sondern die einzelnen blätter auch in grosse unordnung gekommen waren. neben verschiedenen erzählungen aus der biblischen geschichte bringen diese auszüge vollständig die sagen von Alexan- der dem grossen, die geschichte der kreuzzüge zum grössten theil, einige abschnitte aus der römi- schen und ältern deutschen geschichte, einzelne erzählungen über Babylonien, Troja und Düringen, dagegen ist die eigentliche dür. geschichte wie auch die geschichte der päbste und kaiser über- gangen.
1 Ueber diese chronik, ihren verfasser und ihr verl ältniss zu den andern ältern dür. chroniken habe ich ausführlicher gesprochen in Pfeiffers Germ. bd. 17, 129 ff. 4


