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Wilhelm, Gutgesell einen deutschen über das Thema, in wie fern die Geschichte der Hellenen den Deutschen zum Wegweiser dienen dürfe. endlich Ernst einen lateinischen über die Bedeutung der Beredtsamkeit bei den Römern. Zum Schlusse sang der Chor Löwe'’s Salvum fac regem. Nachdem die diesjährigen 11 Abiturienten vom 4. pis 7. März die schriftlichen Arbeiten ge- fertigt hatten. folgte unter dem Vorsitze des Grossherzogl. Regierungs-Commissars, des Herrn Geheimen Hofraths Dr. Schöll die mündliche Prüfung. Die schriftliche Prüfung der sämmtlichen Kklassen war an den ersten drei Tagen mit der der Abiturienten verbunden, die öffentliche Haupt- prüfung wurde vom 2. his zum 4. April, am 5. Translokation und Censurvertheilung vorgenommien. Am Schlusse des Schuljahres schied aus dem Lehrer-Kollegium nach 44jähriger Thätigkeit Herr Hofrath, Professor Dr. Wilhelm Weissenborn. Er hatte im Juli v J. bei dem Grossherzogl. Staatsministerium, Departement des Grossherzogl. Hauses und des Kultus, um seine Pensionirung nachgesucht und das höchste pensionsdecret in der ehrenvollsten Anerkennung seiner langen und ausgezeichneten Berufserfüllung am 30. Juli erhalten Da es aber nicht möglich war, vor Ostern die Stelle wieder zu besetzen, so erklärte sich Herr Hofrath Weissenborn bereit bis dahin noch am Gymnasium zu bleiben. Er war am 3. Februar 1829 als Klassenlehrer der Tertia und durch Rescr. vom 10. November 1844 als Klassenlehrer der Secunda angestellt worden. Was er als Gelehrter auf dem Gebiete der lateinischen Sprache geleistet, hat er durch Abhandlungen in Programmen der hiesigen Gymnasien in den Jahren 1830, 33, 40, 46, 56 und 65, ferner durch seine Syntax der lateinischen Sprache und seine lateinische Schulgrammatik, besonders aber durch seine Ausgaben des Livius, von denen die in der Weidmann'schen Sammlung in wiederholten Auflagen erschienen ist, dargethan. Was er der Schule war, das bezeugt die dankbare Verebrung seiner vielen Schüler, das erkannten alle seine Kollegen, dafür ist ihm von der hohen und höchsten Be- hörde wiederholte Anerkennung geworden, zuletzt noch in einem Ministerialrescript, welches bei seinem Scheiden der Director im Auftrage der Behörde vor den versammelten Lehrern und Schülern vortrug. Dem Director selbst stand er in guten und schlimmen Tagen treu zur Seite;: dafür spricht er ihm auch bei dieser Gelegenheit seinen herzlichen Dank aus. Möge ihm, so schliesst jenes Re- seript, beschieden sein, den woblverdienten Ruhestand lange Jahre in rüstiger Gesundheit zu geniessen! Durch Rescript vom 14./26. März wurde die Direction davon in Kenntniss gesetzt, dass Se. Königl. Hoheit, der Grossherzog, geruht habe, die erledigte Lehrerstelle dem bisherigen ordentlichen Lehrer am Elisabetanum zu Breslau Dr. Ludwig Weniger unter Verieihung des Dienstprädikats „Professor“ vom 1. April d. J. an zu übertragen. Dem Rescript war eine Abschrift des für den- selben ausgefertigten Dekrets beigefügt.— Ueber diesen neuen Lehrer wird Folgendes mitgetheilt. Heinrich Friedrich Ludwig Weniger, geboren am 10. März 1841 zu Neumarkt in Schlesien, wo sein Vater Direktor des Kreisgerichts war, erhielt, den ersten Unterricht durch Privatlehrer, besuchte dann von Ostern 1855 bis 1857 das Gymnasium zum Kloster Unserer lieben Frauen in Magdeburg. darauf bis Ostern 1871 das Friedrichs-Werdersche Gymnasium zu Berlin, studierte ebendaselbst bis Ostern 1863. dann in Bonn bis zum Herbst 1865 hauptsächlich klassische Philo- logie, promovierte am 14. August 1865 mit der Dissertation de Anaxandrida, Polemone. Hegesandro, rerum Delphicarum scriptoribus and bestand im Sommer 1866 sein Staatsexamen, In Bonn war er seit 1863 zugleich als Lehrer und Erzieher an dem zu einer Realschule I. Ordnung sich ent- wickelnden Kortegareschen Institut beschäftigt, welche Lehrthätigkeit ihm austatt des üblichen Probejahres angerechnet wurde. Seit Michaelis 1866 wirkte er als ordentlicher Lehrer am Gymna- sium zu St. Elisabeth in Breslau. Veröffentlicht hat er ausser der erwähnten Promotionsschrift: Denkmäler-Verzeichniss und Register zu den Jahrgängen 1857— 1862 der Archäolog. Zeitung; Apollon und Dionysos zu Delphi, in Gerhards Denkmälern und Forschungen 1866; über ein von J. de Witte publicirtes Vasenbild, in den Abhandlungen der schles. Gesellschaft, philolog. histor. Abtheilang 1868; die religiöse Seite der grossen Pythien, ein Beitrag zur delphischen Heortologie, Programm des Elisabetaus, Breslau 1870; zur Symbolik der Biene in der antiken Mythologie, Festschrift, Breslau 1871. Endlich wird genehmigt, dass von Ostern an der Religionsunterricht in Prima. Secunda. der vereinigten Tertia und in Quarta in je zwei Stunden dem Diakonus Dr. Gilbert übertragen wird. (Rescr. vom 26. Februar und 10. März.)


