Jahrgang 
1873
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Jahresbericht von Ostern 1872 bis Ostern 1873.

I. Chronik.

Das zurückgelegte Schuljahr nahm am 8. April 1872 seinen Anfang und verlief ohne irgend eine Störung des Unterrichts. Eine kurze Unterbrechung desselben trat nur insofern ein, als, da mehrere Lehrer der Versammlung der Philologen und Schulmänner in Leipzig beiwohnen wollten, durch Rescr vom 10. Mai genehmigt wurde, dass die Pfingstferien diesmal auf die ganze Pfingst- woche ausgedehnt wurden. Der Gesundheitszustand der, Lehrer war ein guter, ebenso der der Schüler, nur im letzten Vierteljahre zeigten sich mehrfach Halsübel derselben

Die Feier des Geburtsfestes Sr. Königlichen Hoheit des Grossherzogs, am 24. Juni, wurde in berkömmlicher Weise begangen. Dr. Schneidewind hielt die Festrede, worauf der Oberprimaner Gutgesell das erste Stasimon aus der Antigone des Sophokles, der Oberprim. Breitung Horat. III Od. 4, der Obersekundaner Pickel eine Elegie des Tibullus, der Obersek. Jacobi ein französisches Gedicht, je zwei Schüler aus den übrigen Klassen deutsche Gedichte vortrugen.

Um' der Erinnerung an ihre früheren Mitschüler, welche Opfer des letzten Krieges gegen Frankreich geworden sind, einen würdigen Ausdruck zu geben, hatten zur Herstellung einer Ge- denktafel die Schüler sämmtlicher Klassen unter sich eine Sammlung von etwas über 95 Thlrn. veranstaltet. Während der Sommerferien war diese Gedenktafel in der Aula angebracht worden. Nach der Morgenandacht bei dem Wiederbeginn der Lektionen wies der Direktor in einer An- sprache an den Cötus auf diese Gedenktafel hin, indem er den Gedanken ausführte, dass es rühmlich sei, wenn die Nothwendigkeit herantrete, für das Vaterland zu sterben, aber nicht weniger rühmlich für dasselbe zu leben und zu wirken. Die Inschrift dieser Tafel ist folgende:

Zehn vormalige Schüler des Karl-Friedrichs-Gymnasium sind Opfer des Krieges ge- worden, den Deutschland 1870 und 1871 gegen Frankreich führte. Zum ehrenden An- denken haben die gegenwärtigen Schüler die Namen dieser Tapferen in dieser Gedenk- tafel aufzeichnen lassen.

Richard Leutbecher aus Weida.

Wörth 6. August 1870. Emil Ehmer aus Ostheim. Wörth 6. August 1870, Eisenach 1. Sptember 1870.

Otto Heusinger aus Eisenach. Sedan 1. September 1870.

Fritz von Harstall aus Mihla. Chateaudun 18 Oktober 1870.

Max Ratenbacher aus Gerstungen. 31. Oktober 1870 im Lazareth zu Bric.