Jahrgang 
1870
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Jahresbericht von Ostern 1869 bis Ostern 1870.

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I. Chronik.

Da am 5. April 1869 begonnene Schuljahr verlief ohne irgend welche störende Unterbrechung des Unterrichts. In dasselbe fiel am 18. Oktober das 325jährige Bestehen der Anstalt, welches die Schüler am Abend durch einen Festzug mit bunten Lampions feierten.

Am 24. Juni wurde in üblicher Weise zur Feier des Geburtsfestes Sr. Königlichen Hoheit, des Grossherzogs, ein Actus gehalten. Herr Dr. Wilhelm hielt die Festrede, in welcher er die Geschichte der vergleichenden Sprachwissenschaft in übersichtlicher Weise darlegte. Nach ihm sprach im Namen seiner Mitschüler der Oberprimaner Trautvetter das von ihm gefertigte metrische Gebet für das Wohl des Landesherrn und seines hohen Hauses, hierauf trug der Oberprimaner Schwenke das erste Stasimon aus Sophokles Antigone, der Obersekundaner von Boyneburgk Ovid Fast. II, 193 242(Untergang der Fabier), der Obersekundaner Schomburg ein französisches Gedicht, und je zwei Schüler aus den übrigen Klassen deutsche Gedichte vor.

Am 12. August beging das Lehrer-Kollegium mit den konfirmirten Schülern die Beicht- und Abendmahlsfeier. Der Direktor hielt in der Schule die Vorbereitungsandacht, die kirchliche Feier administrirte Herr Diakonus Dr. Gilbert.

Am 14. September fand eine einfache, aber würdige Feier des hundertjährigen Geburtstages Alexanders von Humboldt statt, indem Herr Professor Kunze vor den sämmtlichen ordentlichen Lehrern und den Schülern der drei ersten Klassen im Auditorium der Prima einen ausführlichen Vortrag hielt, in welchem er eine Lebensskizze und eingehende Schilderung der wissenschaftlichen und allgemein menschlichen Bedeutung des grossen Deutschen gab.

Vom 9. bis 11. September wurde die schriftliche, am 23. und 24. die mündliche Prüfung vor- genommen, am 25. erfolgte mit der Vertheilung der Censuren der Schluss des Sommerhalbjahres.

Am 11. Oktober begann das Winterhalbjahr. Während desselben trat in der Ausführung des Lehrplanes nur in sofern eine Veränderung ein, als dem Herrn Professor Dr. Wittich, dessen Ge- sundheitszustand Berücksichtigung erheischte, der ihn sehr anstrengende geographische Unterricht in Quarta abgenommen und Herrn Dr. Möller mit Genehmigung der vorgesetzten hohen Behörde vom 23. November an übertragen wurde.

Se. Königliche Hoheit, der Grossherzog, hatte die Gnade, durch höchstes Dekret vom 10. November dem Direktor das Prädikat als Geheimen Hofrath zu verleihen.

Herr Dr. Wilhelm wurde im Juli zum ordentlichen Mitgliede der Société asiatique in Paris, im December der deutschen morgenländischen Gesellschaft in Leipzig ernannt.

Vom 8. bis zum 11. März inclus. fertigten die diesjährigen sieben Abiturienten, an den drei ersten Tagen auch die Schüler sämmtlicher Klassen die schriftlichen Arbeiten. Die mündliche Ma- turitätsprüfung wurde am 19. März in Gegenwart des Grossherzogl. Kommissarius, Herrn Geheimen Hofrathes Dr. Schöll vorgenommen. Die öffentliche Hauptprüfung aller Klassen erfolgte am 5 und 7. April. Dazwischen war am 6. ein Valedictions-Actus veranstaltet, in welchem sechs der auf die Universität Abgehenden auftraten und zwar Friedrich Hort mit einer Arbeit in hebräischer Sprache über die Weisheit des Herrn, Reinhold Rothhaupt mit einem lateinischen Gedichtepatriae laus, August Osswald mit einer deutschen Rede über den Werth des Wissens, Paul Schwenke mit einem Vortrage über die Trefflichkeit der Rede des Demosthenes vom Kranze, Wilhelm Fischer mit einer französischen Rede über Bernhard den Grossen von Weimar, Hugo Trautvetter mit einem deutschen Abschiedsgedichte. Nach einer Ansprache händigte der Direktor den Abgehenden die Zeugnisse der Reife und Entlassungsscheine aus.

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