Jahresbericht von Ostern 1867 bis Ostern 1868.
I. Chronik.
Das am 29. April 1867 begonnene Schuljahr ist ohne wesentliche Störung des Unterrichts verlaufen. Was sonst in dem geräuschlosen Gange unseres Schullebens vorgekommen ist, beschränkt sich auf das Folgende.
Das Geburtsfest unseres gnädigsten Grossherzogs am 24. Juni wurde, wie gewöhnlich, in einem Actus gefeiert. Herr Professor Dr. Wittich hielt die Festrede über den Aufenthalt des jungen Herzogs Johann Ernst I. in Paris(1613— 1614), verbunden mit einer Schilderung der Hauptstadt Frankreichs, wie sie damals war. Nach ihm sprach der Oberprimaner Heumann das von ihm verfasste metrische Gebet für das Wohl des Landesherrn und seines hohen Hauses. Hierauf trug der Oberprimaner Wernick Horat. III, Od. 24, die Sekundaner Hort und Brämer eigene metrische Arbeiten in deutscher Sprache und je zwei Schüler aus den übrigen Klassen deutsche Gedichte vor.
Am 27. Juni begingen die ordentlichen Lehrer mit den konfirmirten Schülern die Beicht- und Abend- mahlsfeier. Die Vorbereitungsandacht im Gymnasium hielt Herr Professor Dr. Schwanitz, die Beichtrede in der Kirche Herr Diaconus Dr. Gilbert.
Zu Anfang des Juli schied der bisherige Chef des Grossherzogl. Kultus-Ministerium, Se. Excellenz Herr wirklicher Geheimrath von Wintzingerode, dem der Direktor für viele Beweise persönlichen Wohl- wollens, die Anstalt für so manche Förderung ihrer interessen zu grossem Danke verpflichtet ist, aus seinem hohen Amte. Durch Rescr. vom 31. Juli wurde die Direktion davon benachrichtigt, dass durch höchste Entschliessung Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs die Verwaltung des Departements des Kultus dem Herrn Geheimen Staatsrath Dr. iur. Stichling übertragen worden. Somit hat auch das Karl-Friedrichs-Gymnasium die Gewissheit, dass sein Wohl einem durch Humanität und gediegene Bildung ausgezeichneten Vorgesetzten übergeben ist. Den nächsten Beweis dafür haben schon die von ihm an den diesjährigen Landtag gebrachten und von den Vertretern des Grossherzogthums so bereitwillig an- genommenen Anträge für das gesammte Schulwesen des Landes gegeben.
Als bei der Feier des 800jährigen Bestehens der Wartburg am 29. August ein Jugendfest veran- staltet wurde und die gesammte Schuljugend Eisenachs im festlichen Gewande hinauf zog, wurde dem Oberprimaner Heumann die Ehre zu Theil, eine huldreich aufgenommene Ansprache an die höchsten Herrschaften auf dem Burghofe zu halten.
Am Schlusse des Sommerhalbjahres wurde vom 3. bis 5. September die schriftliche, am 19. und 20. die mündliche Prüfung gehalten. Letzterer wohnte am 19. Herr Geheimer Staatsrath Dr. Stichling von 8 bis 11 Uhr und Nachm. von 2 bis 4 Uhr bei. Am 21. September wurde das Sommerhalbjahr mit der Censur geschlossen.
Das Winterhalbjahr nahm am 7. Oktober seinen Anfang; in dasselbe fielen wieder fünf Studien- und Arbeitstage der Schüler.
Zu Anfang des December machte sich eine Vertretung des schon seit längerer Zeit kränkelnden Schreiblehrers in Quarta und Quinta, des Herrn Gascard, nöthig. Mit Genehmigung der hohen Behörde übertrug die Direktion dem Schreiblehrer in Sexta, Herrn Bürgerschullehrer Burckhardt, diesen Unter- terricht, welchen er auch nach dem am 20. Januar d. J. erfolgten Tode Gascards bis jetzt aushilfsweise beibehalten hat(Rescr. vom 2. und 23. December 67 und vom 30. Januar 68).
Nachdem von dem Königl. Preuss. Herrn Minister der geistlichen etc. Angelegenheiten zum Zwecke der Ermöglichung eines ungehinderten Gebrauchs der von den höheren Schulen des Norddeutschen Bundesgebiets ausgestellten Zeugnisse für die militärischen wie für die Civil-Verhältnisse eine gemeinsame Berathung aller Betheiligten vermittels einer Konferenz Sachkundiger vorgeschlagen worden war und das


