Jahresbericht von Oſtern 1861 bis Oſtern 1862.
Das Schuljahr nahm am 8. April 1861 ſeinen Anfang in der herkömmlichen Weiſe und hatte ſeinen regelmäßigen Verlauf. Weder im Stundenplane noch in den Verhältniſſen der Lehrer iſt eine Veränderung vorge kommen, nur daß durch Miniſterialreſcript vom 4. April 1861 der Gehalt des proviſoriſchen Kollaborator Möller vom 1. April des genannten Jahres an um 50 Thaler erhöht worden iſt. Die Fürſorge der hohen Behörde für das Gymnaſium erwies ſich ferner dadurch, daß durch Reſcript vom 10. Februar 1862 der Etat der Bibliothek vom 1. Januar d. J. an bis auf Weiteres von 80 Thlr. auf 100 Thlr. erhöht worden iſt.
Eine anerkennende Erwähnung in dieſer Schulſchrift verdient Frau Barbara Laufer, die ſeit dem Tode ihres Mannes 20 Jahre lang, in der letzten Zeit zur Unterſtützung ihres Sohnes, die Stelle des Einheizers und Dieners im Gymnaſium mit Treue und Fleiß verſehen hat und am 7. Januar d. J. geſtorben iſt.
Außerdem iſt nur noch von den Feierlichkeiten zu berichten, die in jedem Schuljahre wiederkehren.
Die Beicht⸗ und Abendmahlsfeier fand am 1. und 2. Mai ſowie am 23. und 24. Oktober v. J. Statt; bei der erſteren hielt Herr Profeſſor Dr. Schwanitz, bei der letzteren Herr Profeſſor Hr. Wittich die Vorbereitungsrede.
Das Geburtsfeſt Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde am 24. Juni in einem Rede⸗ und De clamations⸗Actus gefeiert. Der Direktor hielt die Feſtrede über Erziehung der Jugend zu Vaterlandsliebe und Ge meingeiſt. Darauf ſprach der Oberprimaner Kohl das metriſche von ihm ſelbſt verfertigte Gebet für den Landes herrn, der Sekundaner Julius Schmidt trug ebenfalls einen eigenen metriſchen Verſuch in deutſcher Sprache vor, andere Schüler recitirten lateiniſche, franzöſiſche und deutſche Gedichte. Der Gymnaſialchor begann und ſchloß die Feier mit Geſang.
Das Privat⸗Examen wurde am 19. und 20., die Cenſurvertheilung am 21. September vorgenommen und damit das Sommerhalbjahr geſchloſſen.
Das mit dem 7. Oktober begonnene Winterhalbjahr, in welches wieder ſechs Studien⸗ und Arbeitstage fielen, endete mit der öffentlichen Hauptprüfung ſämmtlicher Klaſſen am 8., 9. und 10. April, mit Cenſurvertheilung, Translocation und Valedictions⸗Actus am 12. In dieſem wurden ſechs Oberprimaner auf die Univerſität entlaſſen, fünf von ihnen traten in dem Actus auf und zwar Albert Ortloff mit einem lateiniſchen Vortrage über die Worte: optimis auspiciis ea geri, quae pro reipublicae salute gerantur, Louis Köhler mit einem deutſchen über die ge⸗ ſchichtliche Erſcheinung, daß auf Perioden der Blüthe eines Volks Perioden des Verfalls folgen, Adolf Stegmann mit einem franzöſiſchen über Friedrich den Großen, Wilhelm Braunau mit einem deutſchen Gedichte an das Vater⸗ land, endlich Otto Kohl mit einem lateiniſchen Vortrage de Demosthene Graecornm libertatis propugnatore. nach welchem er in deutſcher Sprache von der Schule Abſchied nahm. Darauf entließ der Direktor nach einer kur zen Anſprache die Abgehenden mit Aushändigung ihrer Maturitätszeugniſſe und Entlaſſungsſcheine.
Noch iſt mit wiederholtem ehrerbietigſten Danke zu berichten, daß Sr. Königliche Hoheit, der Großherzog, die Gnade gehabt hat, einen Gypsabguß Höchſt Seiner von dem Weimariſchen Bildhauer Donndorf gefertigten Büſte dem Gymnaſium zu ſchenken. Dieſelbe ſchmückt mit den anderen Büſten, die in den Programmen von 1857 Seite 29 und von 1858 Seite 18 erwähnt ſind, das Zimmer der Lehrer⸗Konferenz.
Reſcripte des Großherzogl. hohen Staatsminiſterium, Departement der Juſtiz u. des Kultus.
Vom 30. April 1861: für das Königreich Sachſen ſind ſtatt 12 künftig 14 Exemplare des Programmes einzuſenden. Vom 21. December: für Preußen ſollen 165 Exemplare abgegeben werden. Siehe Programm von 1861 Seite 14.— Vom 30. September: an die Direktion und die ordentlichen Lehrer des Realgymnaſium zu Eiſenach iſt je ein Exemplar des Programmes direct abzugeben.(Iſt regelmäßig ſchon in früheren Jahren geſchehen.)
Vom 17. December v. J.: es wird genehmigt, daß diesmal die Weihnachtsferien vom 20. December bis zum Sonntage nach Neujahr dauern.


