Jahresbericht.
Verfaſſung.
In der Lehrverfaſſung wurde in dem zurückgelegten Schuljahre nichts veraͤndert, nur zwei beſtehende Ein⸗ richtungen erfuhren eine Aenderung, bezüglich Erweiterung. Bei der Erbauung, mit welcher wir wöchentlich die Schule beginnen und an welcher der ganze Cötus Theil nimmt, wird ſeit einiger Zeit abwechſelnd mit dem Gebete, welches nach dem Geſange vorgetragen wird, ein ausgewählter Abſchnitt aus der Bibel vorgeleſen, um auch auf dieſem Wege unter unſeren Schülern die Kenntniß der heiligen Bücher zu fördern.
Ferner um in den unteren Klaſſen, deren Schüler es am wenigſten verſtehen, die häuslichen Aufgaben, namentlich die lateiniſchen Exercitien, mit Sorgfalt und Nachdenken zu fertigen, ein beſſeres Reſultat in Bezug auf Sicherheit und Feſtigkeit in der lateiniſchen Grammatik zu gewinnen, wurde in Quarta und Quinta zwar die eine Stunde, in welcher die von den Schülern zu Hauſe ausgearbeiteten Ueberſetzungen aus dem Deutſchen in das Lateiniſche von dem Lehrer korrigirt werden, beibehalten, außerdem aber wurden wöchentlich noch zwei Stunden angeſetzt, in denen die Schüler der genannten Klaſſen in Gegenwart und unter Anleitung des Ordi⸗ narius ein Exercitium zu fertigen haben.
Die Beicht- und Abendmahlsfeier wurde am 28. und 29. Mai, ſowie am 8. und 9. November begangen. Die Herren Profeſſoren Dr. Witzſchel und Dr. Schwanitz hielten die Vorbereitungsrede im Gymnaſium.
Am 14. Auguſt beſuchte Herr Geheimer Staatsrath von Wintzingerode einige Lectionen.
Am 28. und 29. September wurde das Privateramen und die halbjährige Cenſurvertheilung vorgenommen.
8 Am 25. November fand die Elmpt'ſche Gedächtnißfeier Statt, bei welcher der Primaner Heller die deutſche Rede hielt.
Einer weſentlichen Verbeſſerung ſteht das Gymnaſium mit dem Beginne des nächſten Schuljahres entgegen. Längſt ſchon wurde das Bedürfniß nach einigen Lokalitäten im Gymnaſialgebäude lebhaft empfunden, in denen das Lehrerkollegium ſeine Konferenzen halten, der phyſikaliſche Unterricht, unterſtützt von dem daſelbſt aufzu⸗ ſtellenden Apparate, für alle Klaſſen gegeben, namentlich aber eine Sexta errichtet werden könnte. Durch die umſichtige Fürſorge des Departement des Kultus im Großherzoglichen Staatsminiſterium und die wohlwollende Förderung des Departement der Finanzen iſt es gelungen, im Vordergebäude drei trefflich gelegene Räume zu gewinnen, deren Bau im vorigen Jahre ſo weit gediehen iſt, daß die Vollendung in der nächſten Zeit zu er⸗ warten ſteht. Der zu wiederholten Malen von der Schule und von hieſigen Aeltern ausgeſprochene Wunſch aber, die dem Gymnaſium fehlende Klaſſe, in welcher der lateiniſche Unterricht begonnen werden könnte, in das Leben treten zu ſehen, hat bei dem Großherzoglichen Staatsminiſterum ſo weit Berückſichtigung gefunden, als die Verhältniſſe geſtatten. Der von dem Direktor eingereichte„Entwurf zur Errichtung einer Vorbereitungs⸗ klaſſe“ erhielt durch Reſcript vom 4. Januar d. J. die Genehmigung des Großherzoglichen Staatsminiſterium. Derſelbe lautet ſo: 1 §. 1. Zu Oſtern 1855 tritt eine Vorbereitungsklaſſe für das Karl Friedrichs⸗Gymnaſium zu Eiſenach in das Leben, welche Knaben für die Quinta vorbereitet. Die Staatsbehörde giebt dazu ein vollſtändig eingerichtetes Lehrzimmer im Gymnaſialgebäude und Holz zur Heizung; ſie ſteht ferner unter der Oberaufſicht des Großherzogl. Staatsminiſterium und unter der Gymnaſialdirektion, iſt aber übrigens eine bloße Privatanſtalt, deren Koſten durch das Schulgeld zu decken ſind.
§. 2. Das Schulgeld wird vorläufig auf 15 Thaler jährlich angeſetzt, welches alle Vierteljahre in gleichen Raten praenumerando an die Gymnaſtal⸗Kaſſeverwaltung entrichtet wird. Außerdem haben die dieſer Vorbereitungaklaſſe angehörenden Knaben die Seite 16 der Schulgeſetze angeordne⸗ ten außerordentlichen Zahlungen für Kehren, Kreide, Schwamm, Heizen c. zu leiſten.*)
*) Dieſe Zahlungen beſtehen gewöhnlich in 1 Neugroſchen monatlich.
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