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Von dem andern vnd dritten Hauffen, ſollen alle wochen ein mal Schrifft, als Epiſtel oder Vers, ge⸗ foddert werden.
Es ſollen auch die Knaben dazu gehalten werden, das ſie latiniſch reden, vnd die Schulmeiſter ſollen ſelbs, ſo viel müglich, nichts denn latiniſch mit den Knaben reden, dadurch ſie auch zu ſolcher vbung ge— wohnet vnd gereitzt werden.“
Die Grundzüge dieſer Verordnung ſind alſo Bibelkenntniß und grammatiſche Gründlichkeit. Der Lehrplan beruht auf ſtufenweiſer Entwickelung, Einübung des Gelernten und dem Vermeiden der Ue⸗ berladung mit Lehrgegenſtänden. Auf Muſik wird großer Werth gelegt. Iſt auch Manches darin einſeitig und ungenügend,*) ſo war der ganze Plan doch ein bedeutender Fortſchritt, die Grundlage zu immer größerer Verbeſſerung des Schulweſens. Höchſt erfreulich oder vielmehr echt chriſtlich iſt das Verbot bei dem Religionsunterrichte, auf anders denkende zu ſchmähen oder zu polemiſiren. End⸗ lich iſt es dem Freunde der Jugend eine wohlthuende Erſcheinung, nun auf freundliche und liebreiche Behandlung der Schüler ohne tyranniſchen mönchiſchen Zwang gedrungen zu ſehen, da ihnen jugend⸗ liche rechte Freude und Ergötzen ſo von nöthen ſei, wie Eſſen und Trinken.**) Wir haben oben Luther's Klagen gehört über harte Behandlung, die er in ſeiner Schülerzeit erfahren habe und die damals allgemein geweſen ſei.
Ueber den Erfolg dieſer Viſitation ſagt Rebhan S. 136: Ila in visitatione per Dei gratiam, Papales abominationes et abusus omnes, cum alibi in Electoratu Saxonico, tum etiam hic Ise- naci penitus exstirpati fuerunt, abrogatae missae, sublatus Sanctorum et imaginum cultus ido- lolatricus, clausa Monasteria, templa et sacella, exceptis iis, quae ad verbi divini praedicationem adhibita, dati Ecclesiis Pastores et Scholis Praeceptores orthodoxi, remotis Pontificiis, utrisque sua assignata stipendia et ex reditibus Monasteriorum aucta nonnihil.***
Doch war dieſer Erfolg kein dauernder und allgemeiner. Bald zeigte ſich das Bedürfniß einer zweiten Viſitation, die im J. 1533 unternommen wurde, nachdem Johann Friedrich im vorher⸗ gehenden Jahre ſeinem Vater in der Kurwürde gefolgt war. Das Dringliche dieſer zweiten Viſitation ſtellt Rebhan S. 157. mit dieſen Worten dar: Cum post obitum parentis novellus Elector Jo- hanes Fridericus prima comitia celebraret, cum ordinibus Electoratus deliberavit, quomodo coeptum Ececlesiasticae reformationis opus continuari commode et ad umbilicum perduci posset. Quamvis Dux Elector Johannes magno studio et sumptu instituta visitatione papatum exstirpare, Ecclesiis Scholisque de ministris et his de stipendiis prospicere conatus fuerat, varia tamen impedimenta tum intervenere, partim quod deessent idonei ministri(inde etiam in hac vicinia opifices quidam ad Ecclesiasticas functiones adhibiti fuerunt) partim etiam deficerent stipendia, praesertim cum alendi adhuc essent plurimi, qui papatui quidem valedixerant, sacrificuli, Mona- chi, Moniales, sed ad functiones propter ruditatem adhiberi non poterant..... In hac altera visitatione examinati fuere pastores Ecclesiarum et Ludimagistri et inquisitum accurate fuit in sinceritatem eorum, eruditionem, donum docendi et vitae honestatem dataque opera, ut Eccle- siis et Scholis omnibus de idoneis doctoribus prospectum esset. Deinde in plerisque locis pa- storibus et praeceptoribus stipendia non parum aucta fuerunt. Aehnliches leſen wir auch bei
*) So iſt z. B. auf Geſchichte gar keine Rückſicht genommen, obgleich Luther ſelbſt großen Werth ihr beilegte. S. von Naumer I. S. 183. Eben ſo fehlt Arithmetik. Das Hebräiſche ſollte ganz ausgeſchloſſen ſein, für welches Luther große Vorliebe hegte(von Raumer J. S. 180.), eben ſo das Griechiſche, obgleich Melanchthon ſchon 1518 eine griechiſche Grammatik herausgegeben hatte, die bis 1589 25 Auflagen erlebte(von Raumer I. S. 201.). Doch iſt es charakteriſtiſch für dieſe Zeit, gleichſam„das gemeinſame Ideal der Zeit,“ wie es von Raumer S. 221 nennt, Latein ſprechen lund ſchreiben können. Man blieb aber nicht bei den Gegenſtänden, die in dem Viſitationsbüchlein verzeichnet waren. Schon das unter Melanchthons Theilnahme zu Nürnberg 1526 gegründete Gymnaſium, wohin Joachim Camerarius und Cobanus Heſſus be⸗ rufen wurden, vermehrte die Lehrgegenſtände. S. von Raumer S. 200. Zwei ausgezeichnete Schüler Luther's und Melanchthon's und in ihrer Zeit berühmte Pädagogen, Valentin Friedland Trotzendorf und Michael Neander nahmen die griechiſche Sprache und die Arithmetik in die Schule auf. S. von Raumer 221— 230. Daß auch Petrus Avianus in Eiſenach als guter Grieche gerühmt wurde, iſt oben bemerkt worden.
—*) Siehe auch von Raumer S. 145.
2**) S. Seckendorf l. c. lib. II. p. 102.
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