Jahrgang 
1844
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Jn dem Oſterprogramme vom Jahre 1842 iſt in einer Anmerkung zu Seite 19 erwähnt wor⸗ den, daß das Carl Friedrichs⸗Gymnaſium am 18. Oktober 1844 ſein dreihundertjähriges Jubiläum als Landesſchule feiern könne. Der Verfaſſer dieſer Nachrichten hatte damals keinen anderen Beweis dafür, als den Bericht des vormaligen Direktors Johann Michael Heuſinger, welchen derſelbe am 14. Septbr. 1744 bei dem Hochfürſtl. Konſiſtorium eingegeben hatte. Er ſagt darin, daß er bereits am 6. Juli in einem unterthänigen Memorial vorgeſtellt habe, daß das Gymnaſium künftigen 18. Oktober ſein hundertjähriges Jubiläum zu feiern ſchuldig ſei, weswegen er ſich gnädigen Verhaltungs⸗ befehl ausgebeten. Da aber dieſe Zeit immer näher herbeirücke und die Anordnung zu einer ſolennen Begehung dergleichen Jubilaei nothwendig eine geraume Weile erfordere, ihm aber bis daher noch völlig unbewuſt ſei, ob oder wie daſſelbe celebrirt werden ſolle, habe er nochmals hierdurch anfragen und um gnädige Vorſchrift und Verordnung gehorſamſt bitten wollen.

Die Hoffnung, daß wie dieſer Bericht, ſo auch der bei weitem wichtigere vom 6. Juli in dem Archive des hieſigen Großherzoglichen Oberkonſiſtorium würde aufgefunden werden, ging zwar nicht in Erfüllung, wohl aber gelang es dem Unterzeichneten, mit gnädiger Erlaubniß Sr. Excellenz, des Herrn Staatsminiſters Dr. Schweitzer aus dem Großherzogl. Geheimen Staats⸗Archive zu Weimar den Hauptbericht Heuſingers zu erhalten. Er lautet ſo:

Hochmol- Wol- und HochEdelgebohrne, Hochwürdige und Hochgelahrte, Bum Hochfürſtl. Consistorio Hochverordnete Herren Praeſident, Director, Räthe und Asſesfores, Gnädige und Hochgebietende Herren,

Es iſt bereits in verſchiedenen öffentlichen Schriften von mir erwieſen und kund gemacht worden, daß das Fürſtl. Eiſenachiſche Gymnaſium in gegenwärtigem Jahre das zweyte Jubilaeum, nicht ſowol von ſeinem erſten Anfang, als von erhaltener beſſeren und bis jetzo dauernden Einrichtung zu feyern befugt fey. Denn da man nach der Reformation von 1525. die Jugend eine Zeitkang in dem neben der S. Georgenkirche ſtehenden und zu derſelben gehörigen Gebäude bey 20. Jahren informiret, ſolches aber der nach und nach zunehmenden Schule zu enge geworden: ſo iſt 1544. das vorher gleichfalls 20. Jahre un⸗ bewohnt geweſene Predigerkloſter zur öffentlichen Stadt⸗ und Landſchulen anserſehen, und noch in ſelbi⸗ gem Jahre der Anfang gemacht worden, die Jugend darin täglich in 4 Elaſſen zu unterrichten, da vor⸗ her nur 2 bis 3. Claſſen und auch nicht mehr Praeceptores geweſen; wie ſolches die glaubhafteſten Eiſenachiſchen Geſchichtſchreiber, Rebhan, Paulini, Juncker und Koch nebſt andern angemerket, und ich in einer Schrift de veteri ſchola Isenacensi mit deren Zeugniſſen erwieſen. Den Tag von diefer Verle⸗ gung der Schulen hat aber von allen dieſen keiner angegeben, ich auch nach vielem Nachſuchen und For⸗ ſchen bis dato nicht ausfindig machen können: ſo viel iſt allein aus Paulini Annalibus p. 150. erweis⸗ lich, daß in gedachtem Jahre der löbliche Churfürſt Johann Friedrich den Sonnabend nach Gallustage Befehl gegeben, es ſollte den Praeceptorihus an der Schulen ihre vorige Beſoldung vermehret werden, und alſo vermuthlich zu gleicher Zeit auch wegen übriger neuen Einrichtung der Schulen, ſo vor dem Herbſte wegen damaliger Abweſenheit des Superintendenten Menũ nicht zu Stande kommen können, nö⸗ thige Verordnung gemacht. Es iſt aber Gallustag jährlich gefällig den 16. Octobris: und weil im Jahr 1544, als einem Schaltjahre, der Sonntagsbuchſtabe war FE, ſo war der 16. Oet. ſelbigen Jahres ein Donnerstag, und alſo Sonnabend nach Gallus der 18. Octobris.*) Da nun auf allen anſehnlichen

*) Ueber dieſes Datum hatte ſich Heuſinger in dem Einladungsprogramme zu der Feier des Geburtsfeſtes des Her⸗ zogs Wilhelm Heinrich im November 1740 noch ſehr unbeſtimmt ausgedrückt. Er ſagt daſelbſt: Itaque ante medium autumnum nevam scholam, quatuor illa auditoria, quae nobis hodieque nota sunt, imple- nuram, in illud(coenobium Dominicanorum) immissam non suspicor, etiamsi vel ante Menii reditum ae-