Jahrgang 
1840
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haben ſich durch eine lange Erfahrung als ſolche bewährt, denen unſer Vaterland einen großen Theil ſei⸗ nes litterariſchen Ruhmes und ſeiner hohen Bildung verdankt, ſo daß keine erleuchtete Staatsbehörde ſie als verbrauchte und unnütz gewordene Dinge wegwerfen möchte. Billige Beurtheiler aber werden zuge⸗ ben, daß das hieſige Gymnaſium neben den altklaſſiſchen Studien für die gemeinnützigen Fächer, Geſchichte und Grographie, Mathematik und Phyſik, deutſche Sprache und Religion eine Anzahl von Stunden hat wie ſie nur immer auf einer ſolchen Anſtalt zuläſſig iſt. Unmöglich aber ſcheint es auf einem Gymnaſium ohne Beeinträchtigung der höheren Wiſſenſchaftlichkeit ſo vielfache Zwecke zugleich zu verfolgen, wie ſie in der Bürger⸗ und Real⸗Schule oder auch in einer Vorbereitungsſchule für das Schullehrer⸗Seminar einzeln verfolgt werden können. Eine ſolche Anſtalt wäre noch mehr als ein Amphibium, wie Dinter ein derartiges Gymnaſium nennt.*)

Daß das Gymnaſium fortwährend die erfreulichſte Fuͤrſorge der hohen und höchſten Behörde genießt davon liegen die klarſten Beweiſe vor. Der Programmentauſch iſt in dieſem Jahre bewirkt worden mit dem Königreiche Preußen, den ſächſiſchen Ländern erneſtiniſcher und albertiniſcher Linie, Kurheſſen, den Fürſtenthümern Reuß und Schwarzburg. Für die Theilnahme an der inneren und äußeren Organiſation der Anſtalt zeugen die Verordnungen über Stipendienvertheilung, franzöſiſchen Sprachunterricht und Ma⸗ turitätsprüfung. Die Lehrmittel, als Bibliothek und phyfikaliſcher Apparat, werden vermehrt und wir haben gerechte Hoffnung, daß in Bälde zweckmäßige Räume zur Aufſtellung des letztern und für den Un⸗ terricht in der Phyſik werden eingerichtet werden. Wie die hochverehrliche Ephorie überall die Intereſſen der Anſtalt wahrt, welchen perſönlichen Antheil Herr Präſident und Ritter Peucer an ihrem Gedeihen nimmt und durch öftere Beſuche der Lehrſtunden auch in dieſem Jahre gezeigt hat, welchen Eindruck die Anweſenheit Sr. Excellenz, des Herrn wirklichen Geheimen Rathes ꝛc. Dr. Schweitzer am 20. September auf Lehrende und Lernende gemacht hat, dieß ſei uns vergönnt nur anzudeuten. Endlich hat ſich die landesväterliche Huld und Gnade Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs darin geoffenbaret, daß von dem auf die Anträge des hohen Staats⸗Miniſteriums von dem Landtage neu verwilligten Zuſchuſſe von 700 thlr. jährlich durch höchſtes Reſcript vom 3. Mai der Gehalt der Profeſſoren Dr. Rein und Dr. Mahr, der außer Verhältniß zu ihrer amtlichen Thätigkeit und Stellung war, um ein Bedeutendes erhöht, aber auch dem Direktor und den Profeſſoren Briegleb und Dr. Weißenborn Beſoldungszulagen gewährt wurden. Ferner wurde verordnet, daß von dieſem Zuſchuſſe für die Bibliothek wenigſtens 50 thlr. jährlich verwendet werden ſollen. Endlich erhielt Dr. Witzſchel nachträglich funfzig Kaiſergulden Vergütung der Reiſekoſten.

Ein ehrenvolles Zeichen der Anerkennung erhielten ferner die Profeſſoren Weißenborn und Mahr, de⸗ nen die philoſophiſche Fakultät der Landes⸗Univerſität Jena unter dem Dekanate des Herrn Geh. Hofra⸗ thes Dr. Fries und des Herrn Hofrathes Dr. Göttling honoris causa das Doktor⸗Diplom überſendete.

Zu herzlichem Danke fühlt ſich auch das Lehrer-Kollegium dem Herrn Rathe und Bürgermeiſter May verpflichtet, welcher mit größter Bereitwilligkeit die Erwerbung eines beſonderen Standes in der Kirche für das Gymuaſium unterſtützte.

Am 1. und 2. Mai, ſowie am 30 und 31. Oktober, begingen die Lehrer und die konfirmirten Schüler die Abendmahlsfeier, nachdem der Direktor und Profeſſor Briegleb die Vorbereitung im Gym⸗ naſium gehalten hatten.

Am 30. September und 1. Oktober wurde das Privat⸗Examen gehalten und am 3. Oktober das Sommerhalbjahr mit der Cenſurvertheilung geſchloſſen; das Winterhalbjahr begann mit dem 15. Oktober.

Am 30. Oktober hatte das Lehrer⸗Kollegium die Ehre, Sr. Excellenz, Herrn Staats⸗Miniſter Freiherrn von Fritſch in einem vom Dr. Witzſchel gefertigten lateiniſchen Gedichte unterthänige Glück⸗ wünſche zu ſeinem Staatsdienſt⸗Jubiläum darzubringen. 3

Am 25. November hielt der Primaner Karl Gilbert die deutſche Rede zur Elmpt'ſchen Gedächtnißfeier.

Am 3. Februar dieſes Jahres feierte das Gymnaſium das Geburtsfeſt Sr. Königlichen Hoheit, un⸗ ſeres gnädigſten Großherzoges, indem Profeſſor Briegleb die lateiniſche Feſtrede hielt, der Primaner Hotzel mit einem von ihm gedichteten Gebete in deutſcher Sprache und der Primaner Preiß mit einer la⸗ teiniſchen Rede auftraten, am Schluſſe der Feierlichkeit aber ein vom Primaner Roßtock gedichtetes Feſt⸗ lied geſungen wurde.

*) In einem trotz ſeiner Kürze inhaltsreichen Briefe, der in Jahns Jahrb. für Philol, und Pädag. XXVII Bd. III. H. S. 328 mitgetheilt iſt. 4 Ahd J Padag.