Periodikum 
Einladungsschrift zum Examen / [Großherzogliches Gymnasium zu Eisenach]
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erſt Naturlaute nachgebildet wurden, ſo muͤſſen ſich in allen Sprachen aͤhnliche Woͤrter finden, ohne daß wir dadurch veranlaßt wuͤrden, auf eine Urverwandtſchaft zu ſchlieſſen, weil gleiche Toͤne nur auf eine aͤhnliche Weiſe nachgeahmt werden koͤnnen. Auch kann beina⸗ he geſchichtlich nachgewieſen werden, daß mehrere Woͤr⸗ ter erſt ſpaͤter, theils durch die Verbindung deutſcher Kaiſer mit griechiſchen Prinzeſſinnen, wodurch die griechiſche Sprache gewiſſermaßen Hofſprache wurde, theils durch die Kreutzzuͤge, wo den Deutſchen eine ganz neue Welt aufgeſchloſſen wurde, zu deren Be⸗ zeichnung es ihnen an Ausdruͤcken fehlte, aus der grie⸗ chiſchen Sprache in die unſrige eingebuͤrgert worden ſind. Melone iſt offenbahr mit unAy, und Pfebe mit xexcy verwandt; aber wollen wir deswegen an⸗ nehmen, daß den alten deutſchen Eicheleſſern dieſe Frucht des Orients bekannt geweſen ſey? Dahin wuͤr⸗ den auch die Benennungen von Edelſteinen, von Ge⸗ wuͤrzen und mehreren Pflanzen gehoͤren, welche uns durch die Kreutzzuͤge ſind zugefuͤhrt worden. Ja wir konnen noch zu einer hoͤhern Quelle, aus welcher grie⸗ chiſche Woͤrter in unſere Sprache gefloſſen ſeyn koͤnnen, hinaufſteigen. Denn wenn die graecae litterae, welche Caͤſar im Lager der Helvetier fand, auch nichts als griechiſche Buchſtaben bedeuteten, ſo deutet doch dieſer Umſtand auf eine ziemlich enge Verbindung, in welcher die Helvetier mit Marſeille ſtanden; und da jedes rohe Volk gern ſeine Sprache aus der Sprache eines gebildeteren bereichert, ſo widerſtreitet nichts der Hypotheſe, daß ſchon damals unſere Sprache aus der griechiſchen bereichert worden ſei. Auch ge⸗ gen griechiſche Woͤrter in der gothiſchen Sprache laͤßt ſich, wenn wir ſie nicht in den verwandten Dialecten fin⸗

gend bis jetzt ſehr vortheilhaft gewirkt hat, wegen eini⸗ ger verzeihlichen Verſehen herab zu würdigen ſuchen.