3
gezeigt, wo glücklichere Menſchen mit der vollen Sicherheit und Unbekümmertheit einer wohl geborgenen Kindheit im Schatten elterlicher Obhut und Liebe ſpielen. So blieb denn ein tiefer Ernſt der Grundton ſeiner Stimmung, welche gar zu leicht in Verſtimmung überging, vorzüglich wenn Kränklichkeit ihm dahin folgte, wo er in beßern Jahren mit der vollen Kraft gewiſſenhaften Pflichteifers gewirkt hatte. Er kämpfte in den letzten Jahren ſichtbar mit einem Nervenleiden, deſſen er zum Nachtheil ſeiner Geſundheit und zuletzt ſeines Lebens immer von Neuem Herr werden zu können meinte.— In ſeinem Amte folgte Peterſen mit unnachläßlicher Folgerich⸗ tigkeit den gewonnenen pädagogiſchen überzeugungen und Grundſätzen. Er hatte vom Anfange ſeiner Amtsführung an Kinder zu unterrichten, welchen der Beruf vorlag, im eigenen oder fremden Hausweſen dienend oder leitend zu wirken. Er hielt es daher für Pflicht, ſie, ſo viel hierin die Schule zu leiſten vermöchte, an Regelmäßigkeit, Pflichttreue, Ordnung und Reinlichkeit zu gewöhnen. Er war ſtreng gegen ſeine Zöglinge, aber er war auch ſtreng gegen ſich ſelbſt. Sein Unterricht bewegte ſich in gemeßenen Formen; er wußte genau, wie viel ſich unter den gegebenen Verhältniſſen leiſten ließe. Er wollte ſeinen Schülerinnen geben, was eine tüchtige bürgerliche Hausfrau an religiöſer und ſittlicher Bildung, ſo wie an praktiſch nützlichem Wißen bedarf. Um den Kreis des Wißenswürdigen völlig abſchließen und ganz mit den geeigneten Bildungsſtoffen erfüllen zu können, griff er nicht über ihn hinaus. Was er lehrte, wurde feſt und zum Nimmer- vergeßen eingeübt. Vieles wurde grundſätzlich dem Gedächtniſſe eingeprägt; er hielt dies für nothwendig, da bei einem großen Theile ſeiner Zöglinge die Fortbildung durch unmittelbares Lernen mit dem Austritie aus der Schule abbrechen mußte. Da die meiſten Schülerinnen 4 Jahre in ſeiner Klaſſe blieben, ſo war mehrfache Wiederholung der Curſen unvermeidlich, weil ja jedes Jahr neue Schülerinnen zuführte. Vieles gewann daher auch wohl den Schein des Einge⸗ lernten, was durch häufige Wiederkehr nur eingeübt war. Wenn alſo lebhaftere und gewecktere Naturen und ſolche, die gleichzeitig zu Haus in ihrer Bildung gefördert wurden, wohl das Bedürfnis eines raſcher erweiterten Unterrichts gefühlt haben mögen: ſo lag die Schuld an dem immer noch ungenügenden Klaſſenſyſtem der Mädchenſchule, welches einen zu langen Lehr⸗ eurſus in der ohnehin ſehr ſtark beſuchten Oberklaſſe bedingt. Bis zum Jahr 1836 empfing er die Schülerinnen ſeiner Oberklaſſe ſogar unmittelbar aus der überfüllten Elementarklaſſe. So muß denn der übelſtand gar zu großer Verſchiedenheit der Zöglinge an Alter und Fortſchritten damals noch größer und hemmender geweſen ſein, als nach jenem Jahre, wo bei der Reorga⸗ niſation der Schule denn doch wenigſtens eine Mittelklaſſe(die jetzige 1ſte Elementarklaſſe der Mädchen) eingeſchoben ward.—. Seine Anlage zur Muſik wird ſchon in einem Zeugniſſe des Küſters Jenſen zu Sterup hervorgehoben. Er hat dieſes Taleut auch hier bewährt: er unter⸗ richtete im Singen mit ſenem feinen Gehöre, welches jeden falſchen Ton heraushört und brachte es dahin, daß die Kinder mehrſtimmige Lieder von mehrern Strophen mit feſtgehaltenem Tone
ſangen. Ein gleiches Lob gebührt ſeinem Schreib⸗ und Rechenunterrichte. Den Religionsunterricht 10


