D. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr 1920/30 begann am Dienstag, den 16. April 1920 mit 22 Klaſſen und 36 Lehr⸗ kräften. Zwei Amtsgenoſſen verließen uns: Herr Studienrat Lauckhard wurde an das Gymnaſium in Mainz verſetzt, Herr Studienaſſeſſor Dr. Bücking übernahm die Leitung der höheren Bürgerſchule in Wöllſtein. Herr Studienrat Dr. Herrmann Heiland wurde mit der Hälfte ſeiner Stunden am Gym⸗ naſium in Worms verwendet. Zunächſt blieb noch bei uns Herr Studienreferendar Spazier, bis er am 8. Juni eine Stelle an dem Knabeninſtitut Lucius bei Echzell in Oberheſſen übernahm. Er hielt am 29. Auguſt im Beiſein von Herrn Staatsrat Block an unſerer Anſtalt zwei Lehrproben. In den Unter⸗ klaſſen hoſpitierte einen Teil des Jahres Herr Zeichenlehreramtsanwärter Heinrich Krantz im Zeichenunter⸗ richt. Zur Vollendung einer größeren wiſſenſchaftlichen Arbeit war vom 4. November bis 1. Februar 1930 Herr Studienrat Herbert ganz, von da an bis Ende des Schuljahres zur Hälfte beurlaubt. Er wurde durch Herrn Studienreferendar Dr. Erich Kemmer aus Darmſtadt vertreten. Auch dieſer hielt am 6. Februar in Gegenwart von Herrn Miniſterialrat Glückert ſeine beiden Lehrproben ab.
Trotz der Not der Zeit blieb der Sinn für fachliche Fortbildung lebendig. Herr Studienrat Berninger beteiligte ſich an dem Lehrgang für Turnlehrer und Spielleiter in Offenbach vom 27. V. bis 17. VI. Anfang Juni beſuchte Herr Konrektor Schmitt an einigen Tagen die Staatsbürgerliche Vor⸗ tragsreihen des Deutſchen Republikaniſchen Lehrerbundes in Frankfurt a. M. Herr Studienrat Heyl war vom 19.—25. VI. zur Teilnahme an dem deutſchen Volksbühnentag in Danzig beurlaubt. Herr Studienrat Herbert beſuchte am 24. und 25. VI. den Geologiſch⸗heimatkundlichen Einführungslehrgang in Darmſtadt, am 21. IX. die Tagung der Heſſ. Schulgeographen in Bad⸗Nauheim, auch Herr Studienrat Weiß nahm an dem genannten Lehrgang teil. Der Direktor beteiligte ſich vom 29.—31. VIII. an den Vorleſungen amerikaniſcher Profeſſoren und Schulmänner am Pädagogiſchen Inſtitut in Mainz, desgleichen Herr Studienrat Engel, letzterer auch an der Volksbildneriſchen Tagung in Mainz vom 27.— 30. XI. Für die ebenfalls dort ſtattfindende kunſtpädagogiſche Tagung waren vom 25.—28. XI. die Herrn Zeichen⸗ oberlehrer Arras und Deibel beurlaubt. Auch der Direktor nahm an der Eröffnung teil. Er beſuchte auch am 14. XII. die Verſammlung der Arbeitsgemeinſchaft Heſſiſcher Direktoren in Darmſtadt. Zur Teil⸗ nahme an dem Lehrgang für Muſik und Sprecherziehung in Mainz vom 2.— 7. IX. konnten die Herrn Stndienräte Berninger und Dr. Held, Oberreallehrer Faulſtroh und Muſiklehrer Niebergal beurlaubt werden. Dem Vortragsausſchuß der Wormſer Lehrerſchaft ſind wir wiederum zu Dank ver⸗ pflichtet für die Einladung zu einem„Schulorganiſatoriſchen Vortragskurſus“, der am 20. XI. begann.
Von den wahlfreien Unterrichtsfächern war der Werkunterricht von 24, die Kurzſchrift von 70, DOrcheſter und Vororcheſter von 30 Schülern beſucht. Am 24. IX. bot der junge Wormſer Geiger Hans Bender mit ſeinem Schüler Adam Rettig unſeren Orcheſtermitgliedern einen dankbar begrüßten muſika⸗ liſchen Abend.
Der Geſundheitszuſtand des Lehrkörpers war, von einigen Ausnahmen abgeſehen, gut zu nennen. Gegen Ende des Schuljahrs hatten wir einen Trauerfall zu beklagen. Am 7. III. entſchlief nach kurzer Krankheit Herr Oberſtudienrat i. R. Prof. Michael Dietrich. 20 Jahre, von 1905—- 1925, war er an unſerer Anſtalt tätig. Hunderte von Schülern verdanken ihm ihre neuſprachlichen, beſonders eng⸗ liſchen Kenntniſſe. Der gewiſſenhafte, kenntnisreiche Lehrer, der verehrte Amtsgenoſſe bleibt bei uns in gutem Gedenken. Schon am 20. III. folgte ihm Herr Oberlehrer i. R. Wilhelm Pohl im Tode nach. Von 1877—- 1923, faſt ein halbes Jahrhundert, hat er die ganze Kraft eines langen Lebens ſeinem Amt an der Vorſchule und, von 1908 an der Oberrealſchule gewidmet. Der treue Lehrer unſerer Jüngſten, der geſchätzte Amtsgenoſſe, der grade, deutſche Mann, iſt bei uns unvergeſſen. 3
Die Schüler blieben im großen und ganzen von ſchweren Krankheiten verſchont. Wir hatten wieder über 30 Unfälle, meiſt leichterer Art, zu verzeichnen. 5 Schüler nahmen an Erholungskuren in Bad Salzuflen und Bad Nauheim teil. Eine beſondere Freude für 3 unſerer Oberſekundaner und Unter⸗


