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D. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr 1927/28 begann am Dienstag, den 26. April 1927. Der Geburtenausfall infolge des Krieges machte ſich weiter im Rückgang der Schülerzahl der unteren Klaſſen geltend. Die An⸗ zahl der Klaſſen verminderte ſich auf 25, die der Schüler nach Ausweis der Statiſtik vom 15. Mai auf 706. Im Zuſammenhang mit dieſer Verringerung verlegten wir eine Obertertia aus dem Gymnaſialgebäude in unſere Anſtalt, ſodaß jetzt noch 4 Klaſſen dort untergebracht ſind(VIc— UIII d). Infolge des oben berührten Rückgangs kamen 2 Amtsgenoſſen außer Verwendung. Herr Studien⸗ aſſeſor Dr. Schumann wurde mit Beginn des Jahres an die Aufbauſchule in Bensheim a. d. B. verſetzt, Herr Studienaſſeſſor Dr. Schilling übernahm die Verwaltung einer Studienratsſtelle an der Hebbel⸗Oberrealſchule in Kiel. Herr Studienaſſeſſor Dr. Weick tauſchte mit Herrn Studien⸗ aſſeſſor Dr. Held, der von der Eleonorenſchule an unſere Anſtalt übertrat. Die Zahl der ordent⸗ lichen Lehrkräfte belief ſich demnach auf 39.
Im Laufe des Jahres traten keine Veränderungen im Lehrkörper ein. Herr Studien⸗ aſſeſſor Phil. Stellwagen erhielt durch Verf. vom 11. Mai die Amtsbezeichnung„Studienrat“. Er und Herr Studienrat Lauckhard wurden mit Wirkung vom 1. Juni zu überplanmäßigen Studien⸗ räten ernannt, der letztere ab 1. März zum Studienrat an der Oberrealſchule in Worms. Herr Oberſtudienrat Konrektor Schmitt konnte am 1. Dezember auf eine 25 jährige Tätigkeit an unſerer Anſtalt zurückblicken. Mit Wirkung vom 1. Januar 1928 wurde Herr Studienaſſeſſor Dr. Karl Held zum überplanmäßigen Studienrat befördert.
Verſchiedene Mitglieder des Lehrkörpers beteiligten ſich im Laufe des Jahres an Tagungen und Fortbildungskurſen. Herr Zeichenoberlehrer Arras beſuchte vom 9.— 11. Juni die Haupt⸗ verſammlung der akademiſch gebildeten Zeichenlehrer Deutſchlands in Karlsruhe(Baden), Herr Studienrat Heyl als Mitglied der Deputation für das ſtädtiſche Spiel⸗ und Feſthaus die Theater⸗ ausſtellung in Magdeburg(22.— 28. VI.). Als beſonders anregend erwies ſich der Fortbildungs⸗ kurſus der mathematiſch⸗naturwiſſenſchaftlichen Fachgruppe des Heſſ. Philologenvereins in Darmſtadt vom 6.— 13. Oktober, an dem die Herren Studienräte Dr. Grüninger, Kaltenhäuſer und Eber⸗ hard teilnahmen. Mit beſonderem Dank begrüßten wir es, daß unſere Lehrerſchaft an drei Mittwoch⸗ nachmittagen Ende November und Anfang Dezember dem Mediziniſch⸗Pädagogiſchen Vortragskurſus des Herrn Univerſitätsprofeſſors Dr. von Düring aus Frankfurt a. M. beiwohnen durfte. Stadt⸗ ſchulamt und Lehrerverein hatten ihn veranſtaltet und dazu eingeladen. Die lebendige geiſtvolle Art des Redners, der hohe Ernſt ſeines Standpunktes, die eindringende Sachkunde ſeiner Aus⸗ führungen zwangen jeden Hörer in ſeinen Bann.
Zur Erörterung allgemein pädagogiſcher und methodiſcher Fragen gaben im übrigen häufige Fachſitzungen Gelegenheit. Es galt vor allem, ſetzt auf Grund zweijähriger Erfahrung ein vorläufig abſchließendes Urteil über den Entwurf der Lehrpläne für die höheren Schulen Heſſens zu gewinnen. Es iſt zu hoffen, daß das nächſte Schuljahr uns dieſe Pläne in verbeſſerter endgültiger Form beſchert. Auch dann wird freilich die Verwirklichung mancher notwendigen Forderung an der Enge unſerer Räumlichkeiten und der Unzulänglichkeit unſerer Lehrmittelausſtattung ſcheitern, wie denn auch jetzt biologiſche, chemiſche und beſonders phyſikaliſche Ubungen in den Oberklaſſen ganz andere Verhält⸗ niſſe bedürften, um ſich nutzbringend auszuwirken. Der ſtarke Trieb der Jugend nach eigener Be⸗ tätigung iſt da, das bewies auch im vergangenen Jahr der Zudrang zum Werkunterricht (UIII: 24, OIII: 25). Den Unterricht in Reichskurzſchrift beſuchten am Ende des Jahres aus UIII 58, aus OIII 34, aus UII 11, zuſammen 103 Schüler. Das Schulorcheſter hat ſich gut weiterentwickelt. Am 14. Dezember veranſtaltete es wieder wie im Vorjahr einen muſika⸗ liſchen Abend, der auch von Eltern und Angehörigen der Schüler beſucht war. Vorgetragen wurden Kompoſitionen aus dem Gebiete der Programmuſik.
Wenn auch der Lehrkörper von Krankheitsfällen ſchwererer Art im allgemeinen verſchont blieb, ſo fehlte es nicht an kürzeren und leichteren Erkrankungen. Nervöſe Erſchöpfung nötigte Herrn Studienrat Lauckhard zu einem längeren Erholungsurlaub im November und Dezember. Er wurde durch den Schulverwalter Herrn Alfred Kloſtermann vertreten. Desgleichen mußte Herr Studienrat Dr. Schwarz am Ende des Schuljahrs mehrere Wochen ausſetzen, um ſeine angegriffene Geſundheit zu kräftigen. Den Direktor zwang ein Scharlachfall in ſeiner Familie im Auguſt und September zu dreiwöchiger Muße.
Der Geſundheitszuſtand der Schüler kann als gut gelten. Die Folgeerſcheinungen des Krieges(Rachitis, Tuberkuloſe, Herzkrankheiten) ſind ſehr zurückgegangen, nur die Unfälle halten ſich ungefähr auf gleicher Höhe wie im Vorfahr. An dem Milchfrühſtück in der Schule(ſeit Mitte Februar Hafermilchkakao) nahmen durchſchnittlich 30 Schüler der Unterklaſſen teil. 13 Schülern


