Jahrgang 
1912
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5. Schulfeiern.

Den Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin und den Geburts⸗ tag Seiner Majeſtät des Kaiſers feierten wir in der herkömmlichen Weiſe. Am 27. Januar ſprach Herr Oberlehrer Vollhardt über: Die Königin Luiſe und das Erwachen der deutſchen Volksſtämme aus Schmach und Erniedrigung; Herr Lehrer Haaß über: Kaiſer Wilhelm lI.

Zur Feier des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs hatte Herr Oberlehrer Dreſcher mit Schülern und Schülerinnen der Anſtalt: Kolberg, hiſtoriſches Schauſpiel in 5 Akten von Paul Heyſe, eingeübt. Die Feſtrede, die der Aufführung am 24. November vorausging, hielt Herr Oberlehrer Glenz, ſein Thema lautete: Ueber nationale Erziehung.

DieWormſer Zeitung ſchrieb über dieſe Feier:

Kolberg hiſtoriſches Schauſpiel in fünf Akten von Paul heyſe.

Unſere Oberrealſchule feierte geſtern Nachmittag Großherzogs Geburtstag mit einer prächtigen Auf⸗ führung dieſes vaterländiſchen Schauſpiels auf der Bühne des Städtiſchen Spiel⸗ und Feſthauſes. Dichtgefüllt war der Zuhörerraum von den Schülern und ihren Angehörigen.

Die Feier leitete Herr Oberlehrer Glenz mit einer kernig deutſchen Feſtrede ein, in der er ſich als treuer deutſcher Mann über die Notwendigkeit einer nationalen Jugenderziehung äußerte. Kräftig trat er denen entgegen, die uns die vaterländiſche Geſinnung zu verekeln ſuchen, und auf gute Art wies er jene ab, deren Erziehungsziel ein blaſſes Weltbürgertum bildet. Die Erziehung der kommenden Generation zu wehr⸗ fähigen, hochgeſinnten, opferwilligen Männern ſei die einzige Rettung einer Nation, die in ungünſtiger geo⸗ graphiſcher Lage ihren Bedrängern nichts Beſſeres entgegenſtellen könne, als einen Wall tapferer Herzen. Der Redner beſprach weiter diejenigen Lehrſtoffe, die vorzüglich geeignet ſind zur nationalen Jugenderziehung. Die von Gott gewollte Verbindung des deutſchen Volksgeiſtes mit dem Evangelium gilt es zu erhalten, damit das Wort immer Geltung behalte:Wir Deutſche fürchten Gott, aber ſonſt nichts in der Welt. Die Pflege der Mutterſprache dient zur Erweckung und Nährung nationalen Sinnes. Deutſche Volksmärchen, Sagen und Heldengeſchichten, die in den neueren Lehrbüchern mehr berückſichtigt werden, führen zu dieſem Ziel. Unſere großen deutſchen Dichter reichen uns eine ſolche Fülle herrlichen Stoffes dar, daß ſich das nationale Selbſtgefühl der Jugend immer daran erheben kann. Die Schmutz⸗ und Schundliteratur gilt es mit Hilfe des Eltern⸗ hauſes zu bekämpfen. Die Betrachtung von Induſtrie und Handel zeigt uns die Früchte eines regſamen deutſchen Geiſtes und deutſchen Fleißes. Ferner wurde auf den erdkundlichen, den Geſchichts⸗, den Turn⸗ und den Geſangsunterricht hingewieſen, in denen deutſche Art eine kräftige Pflege erfahre. Herr Oberlehrer Glenz gedachte am Schluſſe ſeiner trefflichen Ausführungen unſeres Landesherrn, ihm im Namen aller Zuhörer die alte Heſſentreue gelobend, und brauſend ſtieg aus mehr als tauſend Kehlen der Jubelruf empor: Großherzog Ernſt Ludwig hoch!

Dann hob ſich der Vorhang. Eine Schüleraufführung, die getragen war von jugendlicher Begeiſterung, die die Herzen der zahlreichen Zuhörer warm machte. Iſt eines unſerer eben nicht allzu zahlreichen vater⸗ ländiſchen und zugleich volkstümlichen Bühnenſpiele geeignet, ein großes und ergreifendes Bild einer opfer⸗ mutigen Vaterlandsliebe unſerm Volke vor den Blick zu ſtellen, ſo iſt es Heyſes oft bewährtes und bekanntes Kolberg, kernig und kraftvoll, ſchlicht, einfach. Joachim Nettelbeck, jeder deutſche Knabe kennt den Namen, Neidhardt von Gneiſenau, der Kommandant, der im dichteſten Kugelregen kalt und gemeſſen ſpricht:Meine Herren, ich bitte hier auf weiter nichts zu achten, als auf das, was ich Ihnen diktiere. Das ſind die Helden von Kolberg, die die ſchwarz⸗weiße Preußenfahne todesgewärtig gegen Frankreichs Heer verteidigen, ohne Hilfe er⸗ warten zu dürfen. Es war ja das Jahr 1807, jene wolkenſchwere Zeit, in der des großen Friedrichs Degen als Kriegsbeute nach Paris gewandert, der Preußenſtaat unter dem Wetterſchlag von Jena und Auerſtädt zuſammengekracht war in dem Feuer korſiſcher Kanonen. Kolberg hält ſich mit beiſpielloſem Mut, unter un⸗ ſagbaren Drangſalen. Ein hölliſches Bombardement überſchüttet die zerſchmetterte Stadt immer wieder mit einem Donnerhagel von Geſchoſſen. Sie wankt und weicht nicht, hält in übermenſchlicher Not aus, bis der Waffenſtillſtand die Erlöſung bringt und der Tilſiter Friede ſie befreit.

Das iſt die Zeit und das iſt die Stadt, in die uns Heyſes Schauſpiel führt, ein vaterländiſches Schauſpiel im allerbeſten Sinne des Wortes. Es ſtrömt eine Wärme aus, die auch auf uns übergeht. So ſehr das Werk auch ſeinen Feſtſpielcharakter wahrt, unverkennbar iſt ein dramatiſch kräftiges Vorwärtsſtrömen der Handlung, die getragen wird von edler Begeiſterung und deren Epiſoden in ihrer herzlichen und rührenden