Der grosse Historienmaler Mantegna lockt uns aus der Arnoebene in das Gebiet Venetiens, nach Padua. Sein»heiliger Georg«(in Venedig) bedeutet für die Malerei, was Donatellos gleichnamiges Werk für die Plastik: sie leiten beide eine neue Zeit ein. Der Vergleich lehrt den Unterschied und die Gemeinsamkeit: beide streben nach dem unmittelbaren Ausdruck des individuellen Charakters in Gefühl und Handlung, nur hebt jeder das als wesentlich hervor, was seiner eignen Gemütswelt entspricht. Weise Beschränkung, innere Sammlung, fast träumerisches Wesen bei Mantegna; dramatische Bewegung, feuriges Stürmen bei Donatello.
Die gedankenvolle Ruhe, der ausgeprägte Individualismus Mantegnas verschaffen ihm einen gewaltigen Einfluss auf Mit- und Nachwelt: Dürer, Raffael, Michelangelo, Rubens, Rembrandt— alle haben von ihm gelernt, seine Grösse rückhaltlos anerkannt. — Leider muss für unsere Schulzwecke die»Geschichte des heiligen Jakobus« genügen.
Mit ihm geistesverwandt erkennen wir seinen Schwager Giovanni Bellini, den Gründer der durch Farbenempfindungen und Stimmungen berühmten venezianischen Schule. Beherrscher der Technik der Oelmalerei, bringt er vor den erstaunten Augen der Welt Bilder hervor von einer Kraft der Farben, wie man sie bisher noch nicht gesehen. Noch heute bewundert man den herrlichen Goldton, die ihnen entströmende Glut der Farben. Dürer schreibt 1506 nach Nürnberg: der Giambellin ist noch immer der Beste in der Malerei! So urteilten auch seine Landsleute.
Einige seiner»Madonnen« und seiner»Sacre Conversazione«, besonders die in San Zaccaria und in der Frarikirche, sowie das prächtige Porträt des Dogen Loredano dienen zur Einführung in seine Kunstweise.(Nach Reproduktionen in den»alten Meistern« und Photographien.)
Die jüngere Generation seiner Schüler, Giorgione und Tizian, repräsentieren die glanzvollste Periode der venezianischen Malerei, der Malerei der höchsten Augen- lust, wie Burckhardt sie bezeichnend nennt.
Giorgiones»Concert« mit dem seelenvollen, von schwärmerischer religiöser Glut zeugenden Kopfe des Mönches, Tizians»Zinsgroschen«,»Mariä Tempelgang«, „»Assunta«,»Madonna di Casa Pésaro«,»Florax,»Lavinia«, sowie die ausgezeichneten Porträts Karls V. und Pauls III. charakterisieren und zeigen in vollstem Lichte die vornehme künstlerische Richtung der reichen Lagunenstadt.
Vorwiegend geistiges Gepräge trägt die Perle der Dresdener Galerie, Tizians Jugendwerk, der»Zinsgroschen«. Sonst schildert Tizian unter meisterhafter Beherrschung aller Kunstmittel, bei durchaus aristokratischer Auffassung alle Dinge und Menschen in harmonischer Glückseligkeit des Daseins, ruhig und anspruchslos, wie selbstverständlich. Die grandiose Natur seines hleimatlandes macht ihn zum Erfinder reizvoller Hintergründe.
Nur in der Festesfreude schauen wir die mit irdischen Gütern in vollem Masse gesegneten Bewohner der Beherrscherin der Adria in den Gemälden des Paolo Veronese. Schöne, freie, genussfähige, lebensfrohe Menschen beleben seine»Gast- mäler«, er versteht zu erfreuen, mit Lust und heiterer Stimmung zu erfüllen, aber, wenigstens in diesen Zeremonienbildern, nicht zu erbauen.
Die Meisterschaft im Colorit teilt Venedig mit einem Künstler der modenesischen Schule, dem»göttlichen« Correggio. Seine koloristische Tendenz zeigt sich deutlich in dem Streben nach starken Gegensätzen von Licht und Schatten, sie beweist ausserdem
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