Jahrgang 
1926
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VIII. Bekanntmachungen und Mitteilungen an die Eltern.

a) Auszug aus dem neuen Lehrplanentwurf für das Gymnaſium.

Entwürfe zu neuen auf den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte beruhenden und den neuen Bedürfniſſen der Nachkriegszeit Rechnung tragenden Lehrplänen ſind für die höheren Schulen Heſſens im Dezember 1925 von dem Landesamt für das Bildungsweſen herausgegeben worden. Sie ſollen in den beiden nächſten Jahren praktiſch erprobt und unter Berückſichtigung der auf Grund der Erfahrungen dann von den Anſtalten einzureichenden Berichte von Oſtern 1020 ab endgiltig werden.

Sie ſollen die allgemeinen und beſonderen Bildungsaufgaben der höheren Lehranſtalten in den äußeren Rahmen der Einheitsſchule und in das innere Gefüge der deutſchen Bildungseinheit ein⸗ ordnen, ſetzen darum grundſätzlich die Kenntniſſe der 4⸗jährigen Grundſchule voraus und ſtellen den Gedanken der deutſchen Bildung in den Mittelpunkt der Bildungsaufgaben aller höheren Schulen.

Anter entſchiedener Ablehnung einſeitiger Berufsausbildung wird als die allgemeine Aufgabe der höheren Schule nach wie vor die Heranbildung zu wiſſenſchaftlichem Denken und Arbeiten, die ſitt⸗ liche und ſtaatsbürgerliche Erziehung und die gute körperliche Ausbildung bezeichnet, und unter aus⸗ drücklichem Verzicht auf das Ziel einer allgemeinen Bildung, das bei der Vielgeſtaltigkeit der neu⸗ zeitlichen Kultur zur Oberflächlichkeit verleiten muß, wird das geiſtige Können innerhalb eines be⸗ ſchränkten Gebiets nachdrücklich betont, aber nicht in dem Sinne der formalen Verſtandesbildung und der Anhäufung von Wiſſensſtoffen, ſondern in dem einer gleichmäßigen und nachhaltigen Weckung aller ſeeliſchen Kräfte vermittelſt eines bewußten, intenſiven Geſamtunterrichts und des Arbeitsunter⸗ richts. Soll jener durch die innere und äußere Konzentration des Anterrichts der Verknüpfung ver⸗ wandter ſtofflicher Elemente zu deren wechſelſeitiger tieferer Durchdringung und nachhaltiger Ein⸗ prägung dienen und ſo den ganzen Anterricht immer wieder auf die angeſtrebte Bildungseinheit hinlenken, ſo ſoll dieſer durch die ſelbſtändige Erarbeitung neuer Erkenntniſſe zur Weckung und För⸗ derung aller ſeeliſchen Kräfte beitragen.

Um aber trotz der Anmöglichkeit einer allgemeinen Bildung des Einzelſchülers alle Bildungs⸗ werte voll auszuſchöpfen und dem Volksganzen zuzuführen, gliedert ſich die höhere Schule nach dem Prinzip der Arbeitsteilung in verſchiedene Schultypen, deren Eigenart durch den ſelbſtändigen

Bildungswert beſtimmter Kulturkreiſe und Wiſſenſchaftsgebiete bedingt iſt. Damit jedoch bei der

notwendigen Mannigfaltigkeit des höheren Schulweſens dennoch die Einheit der deutſchen Bildung gewahrt wird, ſind neben den beſonders zu betonenden Fächern jeder einzelnen Schulart(am Gym⸗ naſium des Lateiniſchen und Griechiſchen) für alle Schularten gleichwichtige Fächer(Religion, Deutſch, Geſchichte, Philoſophie, Erdkunde, Zeichnen, Singen, Turnen) als Kernfächer beſtimmt worden. Das richtige Verhältnis von Kern⸗ und Sonderfächern und ihre gegenſeitige Durchdringung ſoll eine ausgeglichene Perſönlichkeitsbildung und eine eindringende fachliche Bildung ermöglichen, ohne Einſeitigkeit der Bildung aufkommen zu laſſen.

Nach der Darlegung dieſer allgemeinen Richtlinien laſſen wir hierunter die Stundentafel des Gomnaſiums folgen; die den einzelnen Fächern ſeither zugemeſſene Stundenzahl iſt jedesmal in Klammer beigefügt.