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In einem Antwortſchreiben ſprach Herr Geh. Oberſchulrat Nodnagel ſeinen Dank für die Widmung mit folgenden Worten aus:
„Die Gratulationstafel, ſo warmherzig und gehaltvoll ihrem Inhalt nach und mit ſo erleſenem Geſchmack ausgeſtattet, und das ſie begleitende künſtleriſch hervorragende Bild ſind Gaben, die an ſich ſchon den Empfänger mit hoher Freude erfüllen müſſen. Für mich aber bedeuten ſie mehr als bloße Runſt⸗ erzeugniſſe, denn ſie bekunden mir treues Gedenken und wohlwollende Anerkennung in einem Maße, wie ich es nach meiner leider nur kurzen Wirkſamkeit in Worms nicht zu erhoffen gewagt hätte.
So werden dieſe Geſchenke mit den mir gewidmeten gütigen Worten bis an mein Lebensende als liebe Pfänder der Erinnerung an treffliche Männer und an Jahre kräftigen Schaffens mir wertvoll bleiben, und niemals wird mein Blick auf ihnen ruhen, ohne daß in meinem dankbaren Herzen der Wunſch lebendig wird: möge mir dech die treue, wohlwollende Geſinnung, der ich ſie heute verdanke, bewahrt bleiben bis zu meinem letzten Atemzuge!“—
Mit aufrichtigem Bedauern vernahmen wir gegen Ende des Jahres 1916, daß Herr Geh. Oberſchulrat Nodnagel ſich entſchloſſen habe, um ſeine Verſetzung in den Ruheſtand nachzuſuchen. Sie wurde ihm, mit Wirkung vom 1. Januar 1917, von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog„unter Anerkennung ſeiner mehr als 50-jährigen treuen und ſehr erſprießlichen Dienſte“ gewährt.
In einem Schreiben, das die Direktoren der Gymnaſien, Realgymnaſien, Oberreal⸗ ſchulen, Realſchulen und Progymnaſien, die Herrn Geh. Oberſchulrat Dr. Nodnagel unmittelbar unterſtellt geweſen waren, an den aus ſeinem Amte ſcheidenden hochverehrten Vorgeſetzten richteten, war ausgeſprochen, was ihm dieſe Anſtalten verdankten.„Ihre Amtstätigkeit“, ſo ſchloß dieſe Kundgebung,„iſt eine Freude für uns und ein Segen für unſere Schulen geworden. An die Stelle der Freude tritt nun die Dankbarkeit und der aufrichtige Wunſch, daß Sie die Jahre, die Ihnen noch beſchieden ſind, in Glück und Frieden verleben dürfen. Der Segen aber möge bleiben und weiter wirken!“— Auch wir ſchließen uns dieſem Wunſch von Herzen an.
Als Nachfolger des Herrn Geh. Oberſchulrat Nodnagel wurde am 16. Dezember 1916 der Direktor der Auguſtinerſchule in Frieddberg Theodor Ritſert zum vortragenden Rat in der Abteilung für Schulangelegenheiten des Miniſteriums des Innern unter Verleihung des Amtstitels„Oberſchulrat“ mit Wirkung vom 1. Januar 1917 ernannt.
7. Die Weihnachtsferien wurden auf Erſuchen des Stellvertretenden General⸗ kommandos des XVIII. Armeekorps im Intereſſe der Kohlenerſparnis an ſämtlichen Schulen des Landes bis zum 16. Januar 1917 verlängert. Mit Rückſicht auf den immer mehr zu⸗ nehmenden Kohlenmangel mußte der Unterricht vom 12. bis zum 22. Februar ausgeſetzt werden. Von dieſem Tage an ſiedelten wir in das Gebäude der Oberrealſchule über, um dort gleichzeitig mit der Oberrealſchule den Vormittagsunterricht zu halten, während an den Nachmittagen die Eleonorenſchule zuſammen mit der Vorſchule die Schulräume benutzten. Für die uns in der Oberrealſchule bis zum 17. März gewährte gaſtliche Aufnahme danken wir auch an dieſer Stelle nochmals beſonders.
8. Die Turnſtunden mußten von Ende Januar an ausfallen, weil bei der anhaltenden ſtrengen Kälte die unzweckmäßige Heizanlage unſerer Turnhalle eine genügende Erwärmung des großen Raumes nicht mehr leiſten konnte. An den Vormittagen wurde ſtatt der Turn⸗ ſtunden anderer Unterricht als Erſatz für die vielen Ausfälle gehalten.
9. Am 8. Juli wurde in einer beſonderen Schulfeier des Tages gedacht, an dem vor 100 Jahren weiland Großherzog Ludwig l. Beſitz von Rheinheſſen ergriffen hat. Herr Ober⸗ lehrer Waldt würdigte dieſe Tatſache und ihre Bedeutung für unſer Großherzogtum in ſeiner Feſtrede über„Die Entwicklung Heſſens bis 1815“.


