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1900, konnte der Vertreter des Großh. Miniſteriums ſchon ankündigen, daß der Gedanke erwogen werde, die Realſchule zu einer Oberrealſchule auszubauen und dann Gymnaſium und Ober⸗ realſchule zu trennen. Die ältere Schweſter, das Gymnaſium, mußte dann das alte Heim ver⸗ laſſen, weil ſie bei geringerer Schülerzahl einen beſcheideneren Raum beanſpruchte. Sogleich wurden die vorbereitenden Schritte getan, und nach der erſten Reifeprüfung der Realanſtalt und der darauf folgenden Anerkennung der Anſtalt als einer Oberrealſchule ſeitens der zuſtändigen Be⸗ hörden(1903) war der Ausbau vollendet und wurde auch ſchon auf dem von der Stadt in dankenswerteſter Weiſe in ſchönſter Lage am Rhein geſchenkten Bauplatz mit den Erd⸗ und Betonarbeiten des Baues begonnen und der Neubau des Gymnaſiums bis Anfang Dezember 1905 vollendet.
Die Einweihung des Neubaues und die Einführung des neuen Direktors, zu welcher Feier infolge des beſchränkten Raumes beſondere Einladungen ergangen waren, fand in Anweſenheit der Vertreter der Großh. Miniſterien, der Herren Geh. Oberſchulrat Nodnagel, Geh. Oberbaurat Hofmann und Geh. Oberbaurat Klingelhöffer, und der Vertreter der hieſigen weltlichen und geiſtlichen Behörden und der Bürgerſchaft Samſtag, den 2. Dezember ſtatt. Nachdem an der Freitreppe des Gebäudes von den Herren Regierungsbaumeiſter Beer und Geh. Oberbaurat Klingelhöffer dem Herrn Vertreter des Schulminiſteriums der Schlüſſel übergeben und die Tür mit dem Weihewort: deo, patriae, moribus, studiis geöffnet war, begaben ſich die Feſtteilnehmer in die Turn- und Feſthalle. Das gemütstiefe Andante der 5. Beethoven'ſchen Symphonie, vorgetragen von den Herren Prof. Dr. Scheuermann, Oberlehrer Diehl und Lehrer an der Oberrealſchule Faulſtroh, eröffnete die Feier. Dann gab Herr Geh. Oberſchulrat Nodnagel in ſeiner Anſprache dem Gefühl der Genugtuung Ausdruck, daß ſchon an dieſem Tage das erſtrebte Ziel erreicht und die Entwicklung des hieſigen Schulweſens einen mächtigen Schritt weiter geführt ſei; er ſprach dem bisherigen Leiter der vereinigten Anſtalt, dem Geh. Schulrat Dr. Walter, der die Bürde der Verwaltung einer ſo großen Anſtalt leicht getragen und mit Umſicht die Trennung der Schulen in die Wege geleitet habe, volle Anerkennung aus und bekundete ſeine Freude darüber, daß dank der Bewilligung der Mittel ſeitens der hohen Ständekammern, dank dem Entgegenkommen der Stadtverwaltung und dank dem Künſtlertum der Architekten und der Tüchtigkeit aller Arbeiter an dem Werke hier ein Bau hergeſtellt ſei, dem an Stattlichkeit, Architektonik und innerer Ausgeſtaltung kaum ein Gymnaſium im Lande gleiche. Dann führte er den neuen Direktor in ſein Amt ein und beglückwünſchte ihn zu ſeiner Tätigkeit in einer Stadt, von der Kaiſer Wilhelm II. geſagt habe, ihren bloßen Namen umwehe ein eigenartiger Zauber und romantiſcher Schimmer. Herr Oberbürgermeiſter Köhler hob in ſeiner Rede die Bedeutung dieſer Feier für die Stadt Worms hervor; es zeige ſich auch hier, wie die mächtig aufblühende das alte Kleid abſtreife, in neuem Gewande neuen Zielen zuſtrebe und dabei kein Opfer ſcheue. Er ſchloß mit freundlichen Wünſchen für das Gedeihen des Gymnaſiums in dem neuen ſchönen Heim.— Nachdem der Chor das von Herrn Geh. Schulrat Dr. Walter für dieſen Anlaß gedichtete und von Herrn Oberlehrer Diehl komponierte Feſtlied„Von der heſſiſchen Treue“ geſungen hatte, ergriff der bisherige Leiter der beiden Anſtalten, Herr Geh. Schulrat Dr. Walter das Wort, und nach einem Rückblick auf die Geſchichte der Anſtalt begrüßte er herzlich den neuen Leiter des Gymnaſiums. Im Namen des Kollegiums ſprach Herr Prof. Dr. Becker freundliche Begrüßungsworte, worauf der Direktor ſeiner Freude Ausdruck verlieh, durch die Gnade des Landesherrn an dieſen Wirkungskreis verſetzt zu ſein, über die Aufgabe des humaniſtiſchen Gymnaſiums ſprach und die Herren Kollegen, Eltern und Schüler um offenes Vertrauen bat, damit durch gemeinſame Arbeit ein tüchtiges, Ideale und Pflichttreue hochhaltendes, vaterlandsliebendes Geſchlecht aus dieſen Mauern hervorgehe.
Nach dem Geſang des niederländiſchen Dankgebetes erfolgte ein Rundgang durch das Haus. Bei dem gemeinſamen Mittageſſen im Feſthauſe brachte Herr Geh. Oberſchulrat Nodnagel das Hoch auf Se. Kgl. Hoheit den Großherzog aus, der Direktor dankte dem Großh. Mini⸗ ſterium für die der Anſtalt bewieſene große Fürſorge, Herr Oberbürgermeiſter Köhler widmete


