Jahrgang 
1899
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O. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Durch Beurlaubungen und Erkrankungen erlitt der Unterricht mannigfache Störung. Beurlaubt waren Herr Aſſeſſor Krämer vom 23. Mai bis zum 2. Juli zu einer militäriſchen Uebung, Herr Sammet vom 2. bis 8. Juni zur Teilnahme am heſſiſch⸗bayriſchen Limes⸗ kurſus, Herr Profeſſor Staudinger vom 1. Juli bis 28. Auguſt zur Teilnahme an einem neuſprachlichen Kurſus in Lauſanne. Vom 1. Juni bis 12. Juli weilte Herr Direktor Mangold zur Kur in Wildbad. Wegen nervöſer Leiden waren Herr Dieckmann das ganze Winterſemeſter, Herr Hecker vom 10. bis 24. Oktober und Herr Sammet 6 Wochen von Ende Oktober bis zum 1. Dezember beurlaubt. Während die Stunden meiſt unter das Lehrerkollegium verteilt waren, wurde Herr Sammet vom 31. Oktober bis 1. Dezember durch Herrn Dr. Köhm, Herr Dieckmann durch Herrn Hertſch, beide bis dahin am pädagogiſchen Seminar in Gießen, vertreten.

Mit Wirkung vom 1. April 1898 wurde Herr Schüler, bisher Lehrer der Vor⸗ ſchule, zum Lehrer am Gymnaſium und der Realſchule ernannt. Am 11. Mai 1898 wurden die Herren Dr. Henkel¹) und Hattemer definitiv angeſtellt. Am 1. Auguſt folgte Herr Direktor Mangold einem ehrenvollen Rufe nach Darmſtadt, um dort die Direktion des Ludwig⸗Georgs⸗ Gymnaſiums zu übernehmen. Mannigfache Ehrungen bewieſen dem Scheidenden, welch feſten Platz er in den Herzen von Lehrern und Schülern erworben hatte. Am 10. Auguſt brachten ihm die Schüler einen glänzenden Fackelzug, an welchen ſich ein Commers der Lehrer und der Schüler der oberen Klaſſen im Coloſſeum anſchloß; am 13. Auguſt feierten Collegium und Freunde ſeinen Abſchied im Feſthausſälchen. An ſeine Stelle trat der Unterzeichnete ³). Er wurde am 2. Auguſt durch Herrn Oberſchulrat Prof. Dr. Dettweiler in Angeſenheit der ganzen Schule und mehrerer geladener Vertreter des Staates und der Stadt in ſein Amt eingeführt.

Am 11. September wurde Herr Prof. Weckerling auf ſein Nachſuchen in Aner⸗ kennung ſeiner langjährigen, treuen und erſprießlichen Dienſte und unter Verleihung des Ritter⸗ kreuzes erſter Klaſſe des Philippsordens in den Ruheſtand verſetzt. Ein hartnäckiges Ohren⸗ leiden hatte ihn beſtimmt, um ſeine Entlaſſung von einem Amte einzukommen, in dem er an unſerer Schule ſeit nahezu 25 Jahren mit voller Hingebung thätig war, und dem er bei ſeiner ausge⸗ ſprochenen und innerlichen Neigung zum Lehrerberuf nur ungern entſagte. Einen gleich großen Verluſt erlitt die Schule durch die am 17. Oktober erfolgte Verſetzung des Herrn Prof. Soldan an das Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium in Darmſtadt. Im Frühjahr 1898 hatte er das 25jährige Jubi⸗

¹) Dr. Friedrich Henkel, geboren 1865 in Darmſtadt, ſtudierte in Gießen von Herbſt 188389 klaſſiſche Philologie, Geſchichte und deutſche Litteratur, trat Herbſt 1889 in das pädagogiſche Seminar zu Gießen ein und war von Herbſt 1890 bis Oſtern 1894 am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium zu Darmſtadt beſchäftigt. Von Oſtern 1891 bis dahin 1897 bekleidete er die Stelle eines Aſſiſtenten bei der archäologiſchen, kunſtgewerblichen und ethnolo⸗

giſchen Abteilung des Großherzoglichen Muſeums in Darmſtadt, während der letzten drei Jahre mit Urlaub der Schulbehörde. Seit Oſtern 1897 war er an der hieſigen Anſtalt thätig.

²) Heinrich Hattemer, geboren 1865 zu Mainz, ſtudierte 18861890 in den Seminarien zu Eichſtätt und Mainz Theologie, war am 1. April 1890 bis 17. Dezember 1891 Kaplan in Heppenheim a. d. Bergſtr., vom 17. Dezember 1891 bis 1. September 1894 in gleicher Eigenſchaft in Gießen, wo er zu gleicher Zeit philologiſche Kollegien hörte und als Religionslehrer am Realgymnaſium, der Realſchule daſelbſt und am Gymnaſium zu Laubach wirkte, vom 1. September 1894 bis 1. Juli 1895 Kaplan am hohen Dom zu Mainz, vom 1. Juli 1895 bis 1. September d. J. Pfarrverwalter zu Ebersheim bei Mainz, darauf im Monat September als Kaplan an St. Peter ) 44 Worms, vom 1. Oktober 1895 als außerordentlicher Lehrer der Religion am Gymnaſium, der Real⸗ und

orſchule.

3 ³) Prof. Dr. Heinrich Blaſe, geboren 1855 in Bedburg(Rheinpreußen) ſtudierte von pabf 1872 bis 1877 in Bonn, Leipzig und Straßburg klaſſiſche Philologie und Geſchichte, wobei er im letzten Jahre ſeiner Mili⸗ tärpflicht genügte, trat Herbſt 1877 in das pädagogiſche Seminar in Gießen ein, war von Herbſt 1878 bis 1880 am Realgymnaſium und der Realſchule in Gießen, von Herbſ 1880 bis 1889 am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium in Darmſtadt, vom Herbſt 1889 bis 1898 am Gymnaſium in Gießen thätig.