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D. Zur Geſchichte der Schule.
Das Schuljahr begann Dienstag den 3. April 1894, nachdem tagszuvor Aufnahme⸗ prüfungen ſtattgefunden hatten, und wird am 30. März 1895 mit einer Bismarck⸗Feier abgeſchloſſen werden.
Mit Beginn des Schuljahres wurde Herrn Faulſtrohn), bis dahin Hilfslehrer an dem Großh. Schullehrer⸗Seminar zu Friedberg, die Verwaltung einer Lehrerſtelle übertragen; durch Dekret vom 25. Juli 1894 wurde er definitiv angeſtellt. Herr Lehramtsaſſeſſor Dr. Siebert wurde am 3. Juni 1894— nach mehr als 2jähriger Thätigkeit an unſerer Anſtalt— an die Großh. Realſchule zu Butzbach verſetzt. An ſeine Stelle trat zunächſt proviſoriſch und zufolge Allerhöchſten Dekrets vom 8. Auguſt 1894 als definitiv angeſtellter Lehrer Herr Dieckmann“), bis dahin Lehrer an der höheren Mädchenſchule zu Gießen. Herr Lehramtsacceſſiſt Ferdinand Werner trat am 21. Juni als Volontär bei uns ein. Am 27. Juni 1894 verlieh Se. Kgl. Hoheit der Großherzog den Herren Rahn und Dr. Becker den Charakter als Profeſſor.
Auf Veranlaſſung Großh. Miniſteriums nahm Herr Profeſſor Dr. Weckerling vom 16. bis 22. Mai 1894 an einer archäologiſchen Ferienreiſe(Würzburg, Aſchaffenburg, Sal⸗ burg, Limes) heſſiſcher und bairiſcher Gymnaſiallehrer unter Führung der Herren Geh. Ober⸗ ſchulrat Soldan und Profeſſor Dr. Sittl Teil. Zur Teilnahme an dem archäologiſchen Anſchauungskurſus für deutſche Gymnaſiallehrer, den das Kaiſerlich Deutſche Archäologiſche In⸗ ſtitut im Herbſt 1894 durch die Herren Profeſſoren Peterſen, Mau und Hülſen in Florenz, Orvieto, Rom, Pompeji, Päſtum und Neapel veranſtalten ließ, wurde von Großh. Miniſterium der unterzeichnete Direktor auserſehen und vom 29. September bis zum 17. November beur⸗ laubt. Während dieſer Zeit verſah Herr Profeſſor Dr. Marx die Direktionsgeſchäfte, die Herren Profeſſoren Maurer und Weckerling, ſowie Dr. Briegleb übernahmen die Stunden des Unter⸗ zeichneten, wofür ihnen auch an dieſer Stelle herzlichſt gedankt ſei. Herr Dr. Keil war im An⸗ fang des Sommers zu einer Swöchigen militäriſchen Übung einberufen.
Der Geſundheitszuſtand des Lehrerkollegiums war in dieſem Jahre recht ungünſtig. Herr Hecker erkrankte gleich nach Beginn des Schuljahres und mußte bis zum Schluß des Sommerſemeſters beurlaubt werden; er wurde anfänglich durch mehrere Kollegen, nachher durch Herrn Bildhauer Hirt vertreten. Herr Profeſſor Dr. Marx wurde vom 20. Juni bis zum Schluß des Sommerſemeſters, Herr Profeſſor Rahn vom 7. Januar bis zum 27. Februar durch Krankheit der Schule ferngehalten. Herr Profeſſor Soldan mußte gleichfalls wegen Krankheit vom 22. November bis zum Schluß des Winterſemeſters beurlaubt werden; ſeine Stelle verſieht ſeit dem 13. Dezember Herr Lehramtsacceſſiſt Heinrich Werner.
¹) Albert Faulſtroh, geboren 1866 zu Rodheim v. d. H. bei riedberg, beſuchte von 1882
bis 1885 das Schullehrer⸗Seminar zu Friedberg, war von Oſtern 1885 bis eujahr 1889 Lehrer an der Knabenſchule zu Vilbel, dann bis Oſtern 1894 Hilfslehrer an dem Schullehrer⸗Seminar zu Friedberg.
2) Rudolf Dieckmann, geboren 1858 in Willmenrod(Heſſen⸗Naſſau), ſtudierte 1877— 1882 erſt 1 Semeſter klaſſiſche, dann neuere Philologie, Geſchichte und Deutſch und genügte vom Herbſt 1882 bis Herbſt 1883 ſeiner Militärpflicht. Darauf machte er ſeinen Acceß an dem Realgymnaſium und der Real⸗ ſchule zu Gießen und war vom Herbſt 1887 bis zum Sommer 1891 als proviſoriſcher, von da ab bis zum Sommer 1894 als definitiv angeſtellter Lehrer an der höheren Mädchenſchule zu Gießen thätig.


