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Am 10. November vorigen Jahres beſuchten die Schüler der oberen Klaſſen des Gymnaſiums und der Realſchule in Begleitung ihrer Lehrer im Theater zu Mannheim die Boltsvorſtellung der „Jungfrau von Orleans“.
Mehrere Spaziergänge wurden gemacht, und einmal wurde der Nachmittagsunterricht aus⸗
geſetzt zur Benutzung der Eisbahn.
7. Die Waſſersnoth, welche die Ueberſchwemmung des Rheins um die Jahreswende 1882/83 über unſre Gegend brachte, hat zwar den regelmäßigen Gang unſres Schullebens nicht unter⸗ brochen, aber doch gegen 50 Schüler in den überflutheten Ortſchaften zurückgehalten und von dem Beſuch der Schule ausgeſchloſſen. Es darf hier nicht verſchwiegen werden, daß in den ſchweren Tagen, als es galt, den bedrängten Gemeinden jenſeits des Rheins entſchloſſen Hülfe zu bringen, die rüſtigſten unter unſern Kollegen nicht unter denjenigen Männern unſrer Stadt fehlten, welche es wagten, faſt in regelmäßigem Dienſte vieler Tage in Kähnen über den Rhein und über die über⸗ ſchwemmten Gebiete des rechten Rheinufers in die bedrängten Ortſchaften vorzudringen, daſelbſt die mannigfache Not auszukundſchaften, dann mit großer Anſtrengung den Bedrängten Lebens⸗ mittel zuzuführen, und alte oder kranke Leute, Frauen und Kinder, Pferde, Rinder, Schweine, Ziegen ꝛc. über weite Strecken der überſchwemmten Landſchaft zum Rheine zu fahren und dann über den hochfluthenden Strom zu retten. Mehrere Fahrten, die von unſern Kollegen in dieſer Weiſe gegen hochgehende Wellen und ſtarken Wind— ſogar nicht ohne eintretende Gefahr— unternommen wurden, zeugten von ſehr anerkennenswerther Entſchloſſenheit. Dieſe Fahrten führten in den Weihnachtsferien und hierauf noch mehrere Tage nach dem Wiederbeginn der Schule die Gymnaſiallehrer Dr. Marx, Soldan, Dr. Goldmann und Dr. Staudinger aus. Andre Kollegen nahmen damals in andrer Weiſe an den Werken der Fürſorge teil. Auch Schüler der Oberklaſſen halfen bei der Verſorgung der in unſre Stadt geflüchteten Notleidenden.
8. Mit aufrichtigem Danke verzeichnen wir im Nachfolgenden einige Geſchenke, die unſerer Anſtalt im zurückgelegten Schuljahr zu teil wurden.
Herr Dr. J. Hermann Baas zu Worms, der uns in früheren Jahren die von ihm verfaßten mediziniſchen Werke ſchenkte, übergab unſerer Bibliothek drei von ihm verfaßte Schriftchen, die von A. W. J. Zubli und A. Arn. J. Quanjer ins Holländiſche überſetzt worden ſind:
Dr. J. Herm. Baas, De verschillende breuken. ˙'S Gravenhage 1880. Dr. J. Herm. Baas, De hartziekten. ˙S Gravenhage 1880. Dr. J. Herm. Baas, De typhus. ˙8 Gravenhage 1880.
Herr Fabrikant Melas in Worms ſchenkte: einen Wellenſittig zum Ausbalgen. „ Gymnaſiallehrer Dr. Becker in Worms: einen Wanderfalken zum Ausbalgen. „ Conſul A. Hüttenbach in Singapore: ein ausgebalgtes Schuppentier. „ Pfarrer Hildebrand in Hangenweisheim: eine glatte Natter. „ Oekonom Hüter in Nordheim: einen ſchwarzen Storch zum Ausbalgen. Die Herren Huff u. Claß in Worms: zwei Naturſchwämme. Herr Pfarrer Wollweber in Nieder⸗Ramſtadt: eine Gruppe Colibri. „ Herr Buchbindermeiſter J. Schmuck in Worms beſchenkte unſre Anſtalt mit einem ſehr dauerhaften Prachteinband unſrer handſchriftlichen, von J. F. Meixner verfaßten Chronik von Worms.


