Jahrgang 
1906
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284 Ausbau des Gymnaſiums und der Realſchule 18681880.

die Berechtigung zum einjährigen Freiwilligendienſt erwerben konnten. Zum Zweck der Unter⸗ bringung der beiden neuen Klaſſen wurde im Jahr 1869 in einem an die alteAmtskellerei(das heutige Amtsgericht) und an den Anbau des Jahres 1863 angebauten dritten zweiſtöckigen Häus⸗ lein zwei Säle hergeſtellt, ſo daß die unfertigen Anſtalten alsbald wieder in Wohnungsnoth ge⸗ rathen mußten. Im erſten Semeſter des Schuljahrs 1870/71 wurden die Gymnaſialtertia und Gymnaſialquarta, die bis dahin noch in allen Fächern combinirt waren, faſt ganz in zwei Klaſſen getrennt, indem jede von dieſen Klaſſen ſeit dem 25. Juli 1870 im Deutſchen, Lateiniſchen, Griechiſchen, Franzöſiſchen und in der Geſchichte einen beſonderen Unterricht erhielt. Dagegen blieben dieſe Klaſſen in der Religionslehre, Mathematik, Naturkunde, ſowie im Zeichnen, Schreiben, Singen und Turnen combinirt. Im Schuljahr 1871 72 wurden dieſe Klaſſen auch in der Mathematik getrennt; in der Naturkunde ꝛc. blieben ſie combinirt. Zu Pfingſten 1873 wurde die zweijährige erſte Realklaſſe im Unterricht des Franzöſiſchen, Engliſchen und der Mathematik in zwei Klaſſen getrennt. Im Voranſchlag des Staatsbudgets für 1873/75 wurden zwei neue Lehrerſtellen creirt; die Abgeordneten Edinger, Möllinger, Dr. Schröder förderten dieſe Bewilligung. Im Schuljahr 1874/75 wurde die zweijährige erſte Realklaſſe beinahe vollſtändig in zwei Klaſſen ge trennt, und der Lehrplan beider Anſtalten wurde durchweg erweitert, ſo daß allen Klaſſen und Lehr fächern die gebührende Zahl von Unterrichtsſtunden zugewieſen wurde. Die Combinirung der evangeliſchen Schüler des Gymnaſiums und der Realſchule im Religionsunterricht wurde am 7. Nov. 1876 aufgehoben, nachdem ein beſonderer Lehrer für den evangeliſchen Religionsunterricht angeſtellt worden. Nachdem die heſſiſchen Gymnaſien einen neunjährigen Curſus erhalten, wurde zu Oſtern 1876, als die in andren heſſiſchen Gymnaſien ſeiner Zeit deshalb errichteten ſog. Unter⸗ ſexten in die Tertia einrückten, die hieſige Tertia durch Einſchiebung einer Untertertia zweijährig gemacht; die Untertertia und die Obertertia wurden einſtweilen im lateiniſchen und griechiſchen Unter⸗ richt in zwei Abtheilungen getrennt. Am 2. Nov. 1876 wurde die Vorſchule des Gymnaſiums und der Realſchule mit 177 Schülern in vier theilweiſe combinirten Klaſſen eröffnet. Nach Oſtern 1877 wurden dieſe vier Klaſſen vollſtändig getrennt. Zu Oſtern 1877 wurden überdies die erſte Vorklaſſe in zwei vollſtändig gleiche Parallelcöten getrennt. Oſtern 1878 wurden die im übrigen Unterricht noch combinirten Gymnaſialklaſſen Unter⸗ und Oberſecunda vorläufig im griechiſchen Unterricht getrennt. Nach Oſtern 1879 wurden die Gymnaſialklaſſen Unter⸗ und Obertertia, ſowie Unter⸗ und Oberſecunda in allen Lehrgegenſtänden in vier vollſtändig getrennte Klaſſen geſpalten. In dem Gymnaſium und in der Realſchule ſind die Zahl der Unterrichtsſtunden der einzelnen Klaſſen und die Lehrpläne und Penſen derſelben nach den vom Großherzoglichen Miniſterium des Innern erlaſſenen Lehrplänen geregelt.

2. Die Directoren und Lehrer der franzöſiſchen Secundärſchule, des Großh. Heſſiſchen Gymnaſiums, der Großherzoglichen Realſchule und der Vorſchule zu Worms von 18041880.

1. Director und Lehrer der franzöſiſchen Secundärſchule, 18041815.

B. Gottlob Lorenz Schneidler, geboren 1761 zu Hildesheim in Hannover, war nach Vollendung der Studien eine Zeit lang Lector der franzöſiſchen Sprache zu Mainz, dann Hofmeiſter am Landgräfl. Heſſ. Homburgiſchen Hofe, von welchem er den Hofrathstitel erhielt, privatiſirte ſeit 1787 zu Frankfurt, ſtudirte von 17861798 zu Jena Medicin, wurde hierauf Profeſſor der Geſchichte zu Mainz; am 22. Nov. 1803 wurde er Director der im Januar 1804 eröffneten Secundärſchule zu Worms; nachdem er am 28. Sept. 1824 Mitglied der Pädagog⸗ commiſſion für die Provinz Rheinheſſen geworden, wurde er in Folge langjähriger Erblindung am