Jahrgang 
1869
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alsbald die Beſchreibung der einzelnen Mineralien zu beginnen, wobei nach und nach alle möglichen Eigenſchaften und ihre Abſtufungen zur Kenntniß der Jugend gebracht werden.

Die Aufgabe einer jeden Schule iſt, ihren Zöglingen beſtimmte poſitive Kenntniſſe zu geben, durch die ſie befähigt werden, den Anforderungen des Lebens zu genügen, durch welche ihr Geiſt gewandt zum Denken und Handeln gemacht wird. Jeder Unterricht, wodurch nur ein oberflächliches Wiſſen hervorgerufen wird, und welcher Schein an die Stelle der Wahrheit treten läßt, muß fern gehalten, jeder die innere Gehaltloſigkeit zudeckenden Phraſenmacherei muß entgegengetreten werden. Die Schüler muß man daher gewöhnen, jeden Gegenſtand feſt als Ganzes in's Auge zu faſſen und nicht allgemein darüber hinzugehen. Hiernach muß ſich die Methode des Lehrers bei ſeinem Unterrichte richten. Der bisher an manchen Schulen befolgte Lehrgang, den allgemeinen Theil einer Wiſſenſchaft zuerſt aus⸗ führlich abzuhandeln und dann erſt in ſpärlicher Weiſe zum ſpeciellen Theil derſelben überzugehen, ruft eine ſolche Oberflächlichkeit des Wiſſens hervor. Nur durch ſpecielle Behandlung der einzelnen Naturkörper wird der Blick des Schülers geſchärft und ſein Intereſſe für die Natur erregt. Schwie⸗ riger und anſtrengender für den Lehrer iſt dieſer Weg, aber er gibt den Schülern poſitives Wiſſen und Sinn für ernſte Beſchäftigung, und dieſes iſt es ja, was wir bei unſerem Unterrichte bezwecken.

Auszug aus einigen Programmen verſchiedener Anſtalten:

A. Naturgeſchichte. Kl. IV. und III. gemeinſchaftlich. 2 St.: Säugethiere, Vögel und Amphibien. 3 Kl. II. 2 St.: Botanik; Wirbelthiere. Kl⸗ I. 1 St.: Mineralogie.

B. Naturgeſchichte. Kl. IV. 2 St.: Hausthiere, Säugethiere und Vögel. Kl. III. 2 St.: Charakteriſtik der drei Naturreiche; vergleichende Be⸗ trachtung der Pflanzen; Thierleben im Allgemeinen, Vögel, Amphibien und Fiſche; wirbelloſe Thiere; der menſchliche Körper. Kl. II. 2 St.: Botanik im Sommer: Linné'ſches Syſtem, die wich⸗ tigſten Familien des natürlichen Syſtems, beſonders die Culturpflanzen; Uebung im Beſtimmen der Pflanzen. Mineralogie im Winter: all⸗ gemeine Kennzeichen, ausführliche Behandlung beſonders wichtiger Mineralien; ſyſtematiſche Ueberſicht.

C. Naturgeſchichte. Kl. IV. 2 St.: Sängethiere mit geographiſchen Abſchweifungen. Kl. III. 2 St.: Wirbelloſe Thiere; die Inſekten ausfuhrlich; der menſchliche Körper. 4 Kl. II. 2 St.: Allgemeine Botanik; botaniſche Waarenkunde. Kl. I. 3 St.: Mineralogie: Kryſtallſyſteme mit Demonſtrationen an Modellen; Beſtimmen natürlicher Kryſtalle, Anfertigung von Zeichnungen; die wichtigſten Mineralien. Geognoſie.

D. Naturgeſchichte. Kl. V. 1 St.: Säugethiere und Vögel. Kl. IV. 2 St.; Amphibien und Fiſche. Kl. III. 1 St.: Zoologie: Die wirbelloſen Thiere. Botanik: Innerer und äußerer Bau der Pflanzen und Ernährung derſelben; Syſtemkunde, Beſtimmung und Beſchreibung von Pflanzen. Kl. I. 2 St.: Mineralogie.