Am 17. Februar ſtarb unſer früherer Hausmeiſter Herr Johann Merz. Nur 1 ¾¼ Jahre konnte der wackere Mann ſeinen Ruheſtand genießen. Er hatte die Enthebung von der Arbeit für ſeine geliebte Schule nie überwinden können. In großer Zahl gaben ihm Lehrer und Schülerinnen das letzte Geleite.
c. Auch in die Reihen unſerer Schülerinnen riß der Tod eine Lücke. An einer Lungenentzündung ſſarb am 17. Januar Jumgard Eckel, eine liebe Schülerin der O II. In Lampertheim, dem Wohnſitz ihrer Eltern, haben wir ſie in tiefer Trauer zur letzten Ruhe gebettet.
d. Am 24. Juni, dem heſſiſchen Jugendfeiertag, fuhr die Schule im Sonderzuge nach Bad⸗Dürkheim, um auf der Limburg eine Feier abzuhalten, bei der Herr Reallehrer Gerkhardt friſche, packende Worte an unſere Jugend richtete. Daran ſchloſſen ſich Ausflüge nach den benachbarten Höhen der Pfalz. Bei der Verfaſſungsfeier ſprach Herr Studienrat Dr. Held, bei der Gedächtnisfeier für die Gefallenen Herr Studienrat Dr. Schäfer. Die Vierhundertjahrfeier der Einfuͤhrung der Reformation in Heſſen begingen wir mit den evangeliſchen Schülerinnen gemeinſam mit dem Gomnaſium und der Oberrealſchule in der Lutherkirche, wobei Herr Studienrat Georg Heiland von der Oberrealſchule die Feſtrede hielt. Im Anſchluß daran verſammelten wir uns mit der Volksſchule vor dem Lutherdenkmal, um mit einer Anſprache des Herrn Pfarrer Klingenſchmidt und dem vom Poſaunenchor begleiteten Lutherlied die Feier zu beſchließen.
Am 17. Februar wurde der 100. Todestag Peſtalozzis in den letzten zwei Vormittags⸗ ſtunden gefeiert, wobei Herr Studienrat Dr. Heid zu uns redete.
Am 26. März gedachten wir des 100. Todestages van Beethovens und verbanden damit die Entlaſſung der Frauenſchülerinnen. Die Anſprache hatte der Direktor übernommen.
e. Im Laufe des Jahres ſahen wir anläßlich der Reichsgeſundheitswoche 2 Filme über Zahnbehandlung und die Wohlfahrtseinrichtungen der Stadt Worms, ferner den Poſtfilm und einen Film über die Wunder des blauen Golfes, hörten einen Vortrag mit Verſuchen des Herrn Dr. Seger über flüſſige Luft, einen Lichtbildervortrag über unſere früheren Kolonien und konnten einen Töpfer bei ſeinem Handwerk kennen lernen.
f. Am 18. Mai und 11. Januar beehrte Herr Staatsrat Block die Schule mit ſeinem Beſuche.
g. An dem Schülerſchwimmfeſt des Schwimmſportvereins„Heſſen“ beteiligten ſich 88, an den Reichsjugendwetitkämpfen 54 Schülerinnen und holten ſich viele Preiſe.
h. Die Quarten hatten pflichtmäßigen Schwimmunterricht im Heſſenbad im Floßhafen. Da der warme Nachſommer einen regen Schwimmbetrieb geſtattete, konnten ſich faſt alle Schülerinnen freiſchwimmen.
i. Die Schule ſchloß eine Pflichtverſicherung gegen Anfall für alle Schülerinnen mit der Frankfurter Allgemeinen Verſicherungsgeſellſchaft und konnte in mehreren Fällen, die von der Geſellſchaff zuvorkommend erledigt wurden, von dieſer ſegensreichen Einrichtung Gebrauch machen.
1927/28.
a. Von beſonderer Bedeutung für unſere Anſtalt wurde das Schuljahr, das am 25. April 1927 mit 370 Schülerinnen in 21 Klaſſen eröffnet wurde, dadurch, daß wir die Oberprima aufſetzen und am Schluſſe die erſte Reifeprüfung abhalten durften. Es iſt uns damit ein lang gehegter Wunſch erfüllt worden, und wir dürfen der Regierung dankbar ſein, daß ſie uns bei der Erreichung dieſes Zieles in jeder Weiſe unterſtützte. Beſonderer Dank gebührt der Stadt Worms, die es klar erkannte, was unſere weibliche Jugend in Zeiten, in denen die Frau mit gleichen Rechten und Pflichten neben den Mann tritt, an Ausbildungsmöglichkeiten nötig hat und die Mittel für die Klaſſen OII— Ol zur Verfügung ſtellte. Neben unſere im Jahre 1020 gegründete blühende Frauenſchule iſt nun als anderer Zweig der Oberſtufe unſere Studienanſtalt getreten. Mögen beide in gleicher Weiſe dazu beitragen, daß unſere Mädchen je nach Luſt und Eignung in Worms die Bildung finden koͤnnen, deren ſie für ihren ſpäteren Beruf als deutſche Frau bedürfen.
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