4. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Anf a) Am 20. April 1925 nahm das neue Schuljahr mit 582 Schülerinnen in 91 Klaſſen ſeinen nfang.
Ein lange gehegter Wunſch der Eltern und Lehrer wurde dadurch erfüllt, daß auf die ſeit— herige 1. Klaſſe, nunmehrige Anterſekunda des Luzeums, die Studienanſtalt aufgeſetzt wurde und die Anſtalt hiermit zum Oberluzeum ausgebaut wird, das Oſtern 102s ſeine erſte Reife⸗ prüfung abhalten wird. Weil der Staat ſich wegen der finanziellen Kot zu keiner Erweiterung der beſtehenden höheren Schulen entſchließen konnte, beſchloß die Staoͤtverordnetenverſammlung, die geſamten Koſten für die Studienanſtalt auf die Stadtkaſſe zu übernehmen. Die Jahl der Schülerinnen der Oberſekunda zeigt, daß der neue Oberbau tatſächlich einem Bedürfnis entſpricht. zZu unſerer Freude hat die Studienanſtalt der Frauenſchule keinen Abbruch getan, und ſo ſtehen nun unſeren Schülerinnen, die auf dem Luzeum die mittlere Reife erlangt haben, an unſerer Anſtalt zwei Wege zur Weiterbildung offen. Der eine führt in drei Jahren durch die Studien— anſtalt zur Reifeprüfung, der andere in zwei Jahren durch die Frauenſchule zu deren Abſchluß⸗ zeugnis und ſeinen Berechtigungen, ſo daß ſich alſo die geſamte Schulausbiloͤung unſerer Mädchen nach dem Plan auf Seite 5 vollziehen wird.
b) An Oſtern begann die durch die Einführung der Grundͤſchule veranlaßte Aberleitung der alten— einſchließlich der Vorſchule— 1o; klaſſigen Höheren Mädchenſchule in das ô klaſſige Luzeum. Die vorjährige Klaſſe 7 rückte nach Seyta auf, gleichzeitig traten aber auch die neu⸗ gemeldeten Schülerinnen mit vier Grunoͤſchuljahren in Sexta ein, die zur Anterſcheidung mit „Sexta neu“(VIa) bezeichnet wird. Zwiſchen beiden Arten der Parallelklaſſen der Sexta lag alſo der volle Jahreslehrſtoff der ſeitherigen Klaſſe 7. Der alte Zug läuft in normaler Weiſe bis zur mittleren Reife durch, der neue Zug wird in etwas verſtärkten Jahresaufgaben dasſelbe Ziel an dem gleichen Zeitpunkt(Oſtern 1931) erreicht haben.
c) Durch Verfügung des Landesamtes für das Bildungsweſen wurde es beſonders leiſtungs⸗ fähigen Schülerinnen geſtattet, ſchon nach drei Grunoͤſchuljahren in Sexta einzutreten. 25 Schülerinnen dieſer Art, die den ſchärferen Aufnahmebedingungen genügten, wurden im Zuli enoͤgültig aufgenommen und konnten in einer Klaſſe VIIfa vereinigt werden.
d) Fräulein Luiſe Enoͤner wurde auf ihren Wunſch an eine Schule in die Kähe von Darmſtadt, an die Volksſchule Langen, verſetzt, da eine Stelle für eine ſeminariſtiſche Lehrerin überzählig geworden war. Infolge der Errichtung der Studienanſtalt wurde eine akademiſche Lehrſtelle notwendig, die der Studienaſſeſſorin Fräulein Dr. Marta Schaum zu Worms, ſeither ſchon zur freiwilligen Weiterbeſchäftigung an der Schule, übertragen wurde.
Am 9. Mai wurde unſer Hausmeiſter Johann Merz infolge Erreichung der Altersgrenze in einer gemeinſamen Feier in der Turnhalle verabſchiedet. Der Dank der Regierung, der Stadt und der Schule für langjährige, treue, zuverläſſige Arbeit und die beſten Wünſche für ſein Alter begleiten ihn in ſeinen Ruheſtand. Zu ſeinem Kachfolger wurde Johann Kraus, ſeither Schreiner am ſtädtiſchen Spiel⸗ und Feſthaus, mit Wirkung vom 1. Mai 1925 ernannt.
Am 7. Juni ſchied die Lehrerin Fräulein Luiſe Wernher aus dem Staatsdienſt aus, um ſich zu verheiraten. An ihre Stelle trat die Schulverwalterin Fräulein Lina Lehr aus Darmſtadt.
In den Pfingſtferien beſuchte der Studienrat Dr. Schäfer den Geographentag in Breslau, der Zeichenoberlehrer Schneider den Zeichenlehrertag in Dresden, Fräulein Heiland die Haupt— tagung der deutſchen Lehrerinnen in Dresden.
Dem Studienrat Dr. Weiler wurde vom 15. Juli bis 25. Oktober der von der Heſſiſchen Regierung gemietete Arbeitsplatz an der zoologiſchen Station in Keapel zugewieſen. Mit ſeiner vertretung wurde vom 10. Auguſt bis 15. Oktober der Studienaſſeſſor Georg Keidlinger aus Alzeu beauftragt.
Im Anſchluß an die Sommerferien wurde Fräulein Dr. Schaum noch für eine Woche zu einer Studienreiſe nach England beurlaubt.
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