Jahrgang 
1925
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Der Vorſpruch, von Herrn Profeſſor Dr. Heid verfaßt, hatte folgenden Wortlaut:

Kein Spiel, Geſang und Tanz nicht hat Euch heute Gelocket hier in dieſes weite Haus;

Kein Vorhang wird ſich heben oder ſenken,

Es ſei denn, daß vorm Auge Eures Geiſtes

Der Schleier der Vergangenheit ſich lüfte;

Denn Kückſchau ſoll ja heut' gehalten werden,

Ja, Rückſchau über lange fünf Jahrzehnt'.

Ein hochbedeutſam Jahr für unſre Stadt Verrinnt mit dieſen letzten wen'gen Monden. Ein voll Jahrhundert iſt hinabgerauſcht,

Seit Väter dieſer Stadt mit weitem Sinn Dem Anterricht des Volkes Fördrung boten, Die Stätte ſchufen, da wo ihre Jugend

Sich ſammeln, Geiſt und Körper recken ſollte. Es war, wie wenn der große Dieſterweg, Wenn er, ein König unter Pädagogen,

Der kurz zuvor gelehrt in unſern Mauern, Koch wirkte fort im Parlament der Stadt, Aufrichtend hier den Grunoͤſtein unſrer Schulen. And weitre fünfzig Jahre noch verrannen,

Eh' ſie ein neues Stockwerk ſetzten auf, Gewioͤmet ganz der Eigenart der Mädchen, Gewährt ſchon längſt dem ſtärkeren Geſchlecht. Wer in ſich ſpüret regre Geiſteskräfte, Entſchloſſ'nen Willen, konnt in ernſtem Ringen Hier ſteil're Wege, höh'res Fiel erklimmen. Fürwahr, es waren glücklichere Zeiten

Als heut', da ſich's nun fünfzigmale jährt. Doch was man einſt als ſchwaches Reis gepflanzt, Das ſteht nun heute als ein kräft'ger Baum, Ausladend weithin ſeine mächt'gen Aſte

And Schatten ſpendend vielen Hunderten.

Wie klein der Anfang, kein geräumig Heim,

Denn nur zur Miete ging man ein und aus.

Man wanderte, bis daß ein ſtolz Gebäude,

Wie's ſchöner, prächt'ger nicht der Traum erfand, Ans eigen wurde, das der Mann uns ſchenkte,

Der jüngſt für immer ging, ſonſt wär' er heut

Der erſte und der freudigſte im Kreiſe.

Wir ſenken ſtill den Blick. Es ſollt' nicht ſein! Mög' nun ſein Folger, traun wir ſeiner Kunſt,

Ans allzeit auch gewähren ſeine Gunſt.