I. Der Aus- und Hufbau der höheren Mäcdchenſchule jm Großherzogtum Heſſen.
1. Durch Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern, Abteilung für Schul⸗ angelegenheiten, vom 14. April 1909 war für die fünf höheren Mädchenſchulen des Groß⸗ herzogtums Heſſen eine einheitlice Stundenverteilung und ein vorläufiger Lehr⸗ plan genehmigt worden. Mit Beginn des neuen Schuljahres werden beide— mit ge⸗ ringen Aenderungen— endgültig feſtgelegt werden. Erſt dann wird es ſich auch ent⸗ ſcheiden, ob und in welchem Umfang neue Lehrbücher eingeführt werden.
2. Denjenigen Schülerinnen, die unſere Klaſſe l mit Erfolg beſucht haben, wird Oſtern 1913 zum erſten Male ein Abgangszeugnis eingehändigt werden, das den Ver⸗ merk enthält, daß die erlangte Ausbildung der durch eine militärberechtigte Realſchule übermittelten Bildung entſpricht.
3. Diejenigen Schülerinnen, die die Klaſſe l unſerer Anſtalt mit Erfolg beſucht und an dem mathematiſchen Ergänzungsunterricht mit Erfolg teilgenommen haben, können auf Antrag ohne Prüfung in die Oberſekunda der Oberrealſchule aufgenommen werden. Sie haben dann die Möglichkeit, nach drei Jahren die Reifeprüfung abzulegen und ſich dem Studium auf einer Hochſchule zu widmen.
4. Ueber die Umgeſtaltung des Lehrerinnenſeminars und ſeine Verbindung mit der Studienanſtalt enthalten die Jahresberichte der höheren Mädchenſchulen in Darmſtadt und Mainz nähere Angaben.
5. In Mainz iſt Oſtern 1911, in Darmſtadt Oſtern 1912 eine Frauenſchule eröffnet worden. Wir verweiſen auf das, was über das Weſen dieſer für Heſſen neuen Schulgattung im letzten Jahresbericht unſerer Anſtalt mitgeteilt worden iſt. Unſere Ab⸗ ſicht war damals,„die Anſichten der Eltern über den Wert einer Frauenſchule in Worms zu ermitteln und feſtzuſtellen,— ſo führten wir aus— ob man die Gründung einer Frauenſchule in Worms für wünſchenswert, zweckmäßig und lebensfähig halte“.
Wir richteten an alle beteiligten Kreiſe die Bitte,„die Gelegenheit zu einem Zu⸗ ſammenwirken von Schule und Elternhaus zu benutzen und uns mündlich oder ſchriftlich Wünſche und Anregungen, Zweifel und Bedenken mitzuteilen“.
Da dieſer Bitte nur in ganz vereinzelten Fällen entſprochen worden iſt, müſſen weitere Erfahrungen und Ergebniſſe abgewartet werden.


