Jahrgang 
1912
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Minna Boll und Agnes Grünfeld Schlangen, Eidechſen und Schildkröten, Gerta Rüger den Oberkiefer eines Sägehais, Johanna Schuch ein weißes Kaninchen und eine Nachtſchwalbe, Katharina Schwind eine Sammlung Federn, Amalie Krauß das Neſt eines Rohrſängers und Lulu Keyſer ein Stück Korkrinde.

Für die Sammlungen des Zeichenſaales ſchenkten uns die Schülerinnen Roſel Raſor mehrere Gefäße, Lucie Loeb verſchiedene Flaſchen und Gefäße, Grete Gölz eine Anzahl gepreßter Blätter, Lore Fertſch eine Waſſernuß, Minna Boll eine Libelle, Anna Eberhardt den Flügel einer Wildente und Lucie Mayer einen Zinnbecher.

Der Stadtgärtnerei ſind wir für Rat und Tat bei der Einrichtung unſeres Terrariums und bei der Inſtandhaltung unſeres Schulgartens zu Dank verpflichtet.

Herr Hofphotograph Füller ſchenkte uns eine Aufnahme unſeres Milchzimmers.

u. Einige Worte über die frauenſchule.

1. DieRichtlinien für die Neuordnung des höheren Mädchenſchul⸗ weſens in Heſſen bezeichnen als beſonders berechtigt den allgemeinen Wunſch nach einer weiteren Ausbildung der weiblichen Jugend, die die höhere Mädchenſchule bis zu Ende be⸗ ſucht hat. Es handelt ſich hierbei umdie Ergänzung der Bildung in der Richtung der künf⸗ tigen Lebensaufgaben einer deutſchen Frau, ihrer Einführung in den Pflichtenkreis des häuslichen wie des weiteren Gemeinſchaftslebens, in die Elemente der Kindererziehung und Kinderpflege, in Hauswirtſchaft, Geſundheitslehre, Wohlfahrtskunde, ſowie in die Gebiete der Barmherzigkeit und Nächſtenliebe.

Dieſe Aufgabe ſoll die Frauenſchule erfüllen,eine Schule, dielſich nur den künftigen Lebensaufgaben der gebildeten deutſchen Frau und Mutter widmen will. In ihrer Errichtung und glücklichen Ausgeſtaltung ſehen dieRichtlinien die wichtigſte Auf⸗ gabe der Neuordnung.

Die Frauenſchule ſoll in zweijährigem Lehrgang die Mädchen vom 16. bis 18. Lebensjahr aufnehmen und ihnen in wöchentlich etwa 25 Stunden ſowohl eine wiſſen⸗ ſchaftliche Weiterbildung wie eine Einführung in den häuslichen Pflichtenkreis vermitteln.

Die wiſſenſchaftliche Weiterbildung übernehmen die Lehrer und Lehrerinnen der höheren Mädchenſchule, an die die Frauenſchule ſich angliedert. Dieſer Unterricht iſt teils verbindlich, teils wahlfrei und erſtreckt ſich in freierer Lehr⸗ und Lernweiſe auf deutſche Literatur, Franzöſiſch, Engliſch, Geſchichte, Kunſtgeſchichte und Zeichnen; gegebenenfalls können noch andere Fächer hinzutreten.

Die praktiſche Ausbildung und Unterweiſung wird durch geeignete Vorträge und in Verbindung mit der Aliceſchule, Kochſchule und dergl. erfolgen. Der Unterricht würde Kochen und Haushaltung, Nahrungsmittellehre, Hausarbeit, Buchführung, Geſundheits⸗ lehre und Kinderpflege, Kindergartenunterweiſung in Lehre und Betätigung umfaſſen.

So eingerichtet wäre die Frauenſchule die natürliche Fortſetzung der höheren Mädchenſchule. Sie iſt keine Berufsſchule; ſie will vielmehr für das praktiſche Leben vorbereiten und gewährt wohl die beſte Grundlage für manche berufliche Ausbildung der